Totschlags-Prozess

08. November 2018 16:34; Akt: 08.11.2018 16:45 Print

Opfer «mit voller Absicht» in Fluss geworfen

SAARBRÜCKEN – Im Totschlagsprozess gegen einen 18-Jährigen berichten Zeugen davon, wie der Angeklagte nach einer Schlägerei sein Opfer im Fluss versenkte.

storybild

Im Prozess gegen einen Jugendlichen haben nun verschiedene Zeugen bestätigt, dass er sein Opfer mit Absicht in der Saar versenkte. (Bild: AFP/Loic Venance)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Totschlagsprozess gegen einen 18-Jährigen, der einen 16-Jährigen bewusstlos geschlagen und in die Saar geworfen haben soll, haben am Donnerstag mehrere Zeugen die Vorwürfe der Anklage bestätigt. Eine 28-Jährige, die mit ihrer Freundin zur Tatzeit zufällig in der Nähe gewesen war, gab an, das Opfer sei nach einer Schlägerei von dem Täter in Saarbrücken Richtung Fluss geschleppt und dann von ihm «mutwillig hineingeschmissen» worden. «Das war kein Versehen, das war volle Absicht, mit vollem Bewusstsein», berichtete die junge Frau.

Andere Zeugen berichteten davon, dass der 18-Jährige anschließend panisch reagiert habe. Auch soll er gesagt haben: «Ich wusste doch nicht, dass er nicht schwimmen konnte.»

Opfer lag eine halbe Stunde lang unter Wasser

Laut Anklage war das Opfer, ein 16-Jähriger mit pakistanischer Herkunft, zusammen mit einem Freund auf eine Gruppe rund um den Angeklagten getroffen. Dort habe es eine Schlägerei um Drogen gegeben, weil der Freund das gewünschte Haschisch nicht bezahlen konnte. Der Angeklagte soll den 16-Jährigen, der den Streit schlichten wollte, bewusstlos geschlagen, über den Boden geschleift und ins Wasser geworfen haben. Das Opfer sei sofort untergegangen und habe erst eine halbe Stunde später geborgen werden können. Er starb einige Stunden später an einer Sauerstoffmangelversorgung des Gehirns. Ein 30-jähriger Augenzeuge hatte vergeblich versucht, den Jungen im Wasser zu finden und zu retten. Dieser sei ohne jede Bewegung untergegangen – «als ob er schlief oder tot war».

Nach Aussage eines Kriminaltechnikers, der Kleidungsstücke des Opfers untersucht hatte, war das Ergebnis bei der Auswertung der Schuhe eindeutig. Rück- und Innenseiten seien «gewaltsam aufgeschürft» worden, sagte er. «Das kann nur passieren, wenn der Schuh über einen rauen Untergrund in rückwärtiger Bewegung gezogen wird.»

Angeklagter nimmt regelmäßig Drogen

Eine Ärztin, die den Angeklagten nach der Tat untersucht hatte, gab an, dass eine «massive Gewalteinwirkung» gegen den Angeklagten ausgeschlossen werden konnte. Eine toxikologische Untersuchung habe ergeben, dass er zum Zeitpunkt des Tatgeschehens Cannabis im Blut hatte und man davon ausgehen könne, dass er dies regelmäßig konsumiert habe. Hinweise auf eine absolute Beeinträchtigung habe es jedoch nicht gegeben.

Die Plädoyers und auch das Urteil stehen voraussichtlich am kommenden Montag, 12. November, an. Dann soll neben einem Polizeibeamten, der zuerst am Tatort war und mit dem Tatverdächtigen sprach, auch noch eine psychiatrische Sachverständige vernommen werden. Der Angeklagte hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

(L'essentiel/dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.