Elfjährige verstorben

20. April 2018 19:01; Akt: 20.04.2018 18:59 Print

Tod im Holiday Park: Aufseher freigesprochen

HASSLOCH - Ein Kind kommt im Fahrgeschäft eines Freizeitparks ums Leben. Zwei Mitarbeiter, die Verantwortung tragen, werden strafrechtlich nicht belangt.

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Auf diesem Fahrgeschäft kam es zu dem tragischen Unfall. (Bild: uwe Anspach)

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Mit einem Freispruch ist der Prozess um den Unfalltod einer Elfjährigen im Holiday Park in Haßloch für zwei damals in leitender Funktion tätige Männer zu Ende gegangen. Das Pfälzische Oberlandesgericht in Zweibrücken verwarf am Freitag die Revision der Kindeseltern und der Staatsanwaltschaft gegen ein Urteil des Landgerichts Frankenthal vom Juli vergangenen Jahres.

Das Landgericht hatte in einem Berufungsverfahren den Freispruch des Amtsgerichts Neustadt/Weinstraße für die beiden Angeklagten bestätigt. Das Frankenthaler Urteil sei frei von Rechtsfehlern, sagte der Vorsitzende Richter beim Pfälzischen Oberlandesgericht, Ernst-Friedrich Wilhelm. Andernfalls hätte seine Kammer das Urteil aufheben und zur Neuverhandlung an das Landgericht zurückverweisen können. Gegen die Entscheidung gibt es keine Rechtsmittel. Der Freispruch ist damit rechtskräftig. Die Eltern des Mädchens zeigten sich sehr enttäuscht.

Ein Mitarbeiter wird bestraft

Die Elfjährige aus Kelsterbach bei Frankfurt war im August 2014 in dem Fahrgeschäft Spinning Barrels («Drehende Fässer») von den Plattformen erfasst worden, als das Karussell startete. Sie wurde überrollt und tödlich verletzt.

Ein dritter Mann - der damalige Bediener des Fahrgeschäfts - war vom Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass er mehrfach gegen Pflichten verstoßen hatte. Er hatte zugegeben, dass er den Betrieb ohne die Durchsage «Achtung, die Fahrt beginnt» gestartet hatte. Das sei ihm bei der Einweisung nicht gesagt worden. Seine damaligen Vorgesetzten waren freigesprochen worden: ein heute 32 Jahre alter Ex-Steward, der Bediener des Fahrgeschäfts einwies, und der heute 43-jährige «Operations Manager», der den ganzen Betrieb des Parks überwacht.

Ansage nicht gemacht

Vor dem Oberlandesgericht sagte Staatsanwältin Melanie Reiser von der Generalstaatsanwaltschaft, im Verfahren habe sich gezeigt, dass eine Vielzahl der Bediener die Durchsage unterlassen habe. «Das hätte den Angeklagten auffallen müssen.» Sie hätten die Bediener deshalb rügen müssen. Reiser warf den beiden eine Verletzung der Sorgfaltspflicht vor. Dem Landgericht warf sie vor, es sei fälschlicherweise davon ausgegangen, dass dies nicht mit dem Tod des Mädchens in Zusammenhang stehe.

Der Vorsitzende Richter Wilhelm wies darauf hin, dass im Prozess die Mehrzahl der Bediener ausgesagt habe, dass der 32-Jährige sie vollständig eingewiesen habe. Das Landgericht sei außerdem davon ausgegangen, dass es dem Ex-Bediener bei seiner Aussage auch darum gegangen sei, «sein Fehlverhalten zu relativieren» und er deshalb Interesse an der Belastung der Angeklagten gehabt habe. Zeugen hätten aber ausgesagt, dass er schon früher an einem anderen Fahrgeschäft eigenmächtig Anweisungen missachtet habe und nach mangelnden Kontrollen abgezogen worden sei. «Ausgehend davon durfte das Landgericht daran zweifeln, dass er bei einer Rüge richtig gehandelt hätte.» Außerdem halte die Auffassung des Landgerichts stand, es sei nicht erwiesen, dass ein pflichtwidriges Unterlassen seitens der Angeklagten die Ursache des tödlichen Unfalls sei.

Keine Genugtuung

„Wir (…) nehmen das Urteil natürlich zufrieden, aber fernab einer Genugtuung zur Kenntnis. Genugtuung kann es aufgrund der tragischen Gesamtumstände hier nicht geben», sagte Anwalt Gert Heuer. Er vertrat den 32-Jährigen, der wegen eines Krankenhausaufenthalts nicht am Prozess teilnahm.

Der 41 Jahre alte Vater des Mädchens sagte, bei allem, was er tue, müsse er daran denken, dass seine Tochter dies nicht mehr tun könne. Und immer, wenn er ihr ähnlich sehende Mädchen auf der Straße sehe, müsse er an seine Tochter denken. «Das ist nicht einfach für mich», sagte der US-Soldat. «Es ist einfach eine schreiende Ungerechtigkeit – und zwar nicht nur das Urteil, sondern alles, was rausgekommen ist», sagte die 36 Jahre alte Mutter. Der Prozess habe gezeigt, «dass die Wichtigkeit dieser Durchsage vernachlässigt worden ist, und zwar von oben bis nach ganz unten».

(L'essentiel/dpa)

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