Der Tag danach

02. Dezember 2020 18:44; Akt: 02.12.2020 18:53 Print

Trier trauert um die Opfer der Amokfahrt

TRIER – Einen Tag nach der Amokfahrt, bei der fünf Menschen ums Leben kamen und zahlreiche verletzt wurden, befindet sich die Moselmetropole noch immer unter Schock.

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Von der Mariensäule rund 150 Meter über dem Moseltal hat man normalerweise ein beeindruckendes Panorama über Trier. Einen Tag nach der Amokfahrt eines 51-Jährigen, bei der fünf Menschen getötet und 14 verletzt wurden, liegt eine Nebelglocke über der Stadt. «Wenn man von hier oben auf die Stadt guckt, sieht alles genau so aus wie gestern. Ich kann es nicht glauben, was da passiert ist», meint ein Spaziergänger an dem beliebten Aussichtspunkt.

Die Stimmung in der Stadt ist teilweise gespenstisch ruhig. Entlang der Route der Amokfahrt sind kleine Gedenkstellen mit Kerzen, kleinen Botschaften und Kuscheltieren entstanden. Am Hauptmarkt und vor der Porta Nigra steht ein regelrechtes Meer an Kerzen, Menschen weinen. Es gebe den ganzen Tag über eine «rege Anteilnahme der Bevölkerung», sagt eine Polizistin, die auf dem Hauptmarkt mit mehreren Beamten und Notseelsorgern eine Anlaufstelle für Zeugen und Betroffene betreut. Mehr Menschen als gedacht hätten den Tag über von dem Angebot Gebrauch gemacht, erklärt die Beamtin.

«Einen Tag danach geht's mir deutlich schlechter», berichtet ein 22-jähriger Augenzeuge, der direkt am Hauptmarkt arbeitet und schreckliche Szenen nach der Amokfahrt miterlebt hat. «Man sieht die ganzen Leute, die die Kerzen an den jeweiligen Stellen anzünden, dann immer noch die Polizeipräsenz und natürlich die Nachrichten. Nur dass die Nachrichten diesmal nicht weit weg, sondern direkt aus dem Fenster sind». Er empfindet die Stadt einen Tag nach der Amokfahrt als «extrem ruhig», normalerweise könne er nicht bei offenem Fenster arbeiten, heute sei das anders.

« Es fühlt sich an, als wäre ich heute mit einem Kater aufgewacht »

In der Filiale der Luxemburger Confiserie «Oberweis» direkt am Hauptmarkt bestätigt man, dass es «deutlich ruhiger als sonst» sei. Die Kollegen, die am Tag der Amokfahrt vor Ort waren, hätten heute frei. Ein Luxemburger Paar aus Grevenmacher beobachtet die Gedenkstätte an der Porta Nigra aus einiger Entfernung: «Es ist so traurig, was passiert ist. Aber man darf sich nicht unterkriegen lassen. Wir wollten heute nicht Zuhause bleiben, sondern die Trierer unterstützen.»

«Es fühlt sich an, als wäre ich heute mit einem Kater aufgewacht, die Stimmung ist gedrückt. Jedem, mit dem ich spreche, geht es ähnlich», berichtet eine junge Triererin, die die Innenstadt nun erst mal meiden will. «Alles, was man in der Stadt erledigen müsste, kann warten. Nichts davon ist wichtig. Gerade nicht, wenn man gestern nochmal deutlich gespürt hat, was wirklich wichtig ist.»

Am morgigen Donnerstag soll um 13.46 Uhr nochmal an die Opfer des Anschlags erinnert werden, wie Oberbürgermeister Wolfram Leibe bei einer Gedenkveranstaltung am Mittwochvormittag erklärte. Auch die Kirchenglocken sollen dann erneut läuten. 13.46 Uhr war der Zeitpunkt, an dem die Amokfahrt am Dienstag begonnen hatte.

(dm/L'essentiel)

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