Bewegender Trauerbrief

03. Dezember 2020 09:11; Akt: 03.12.2020 09:15 Print

Trier verabschiedet sich von neun Wochen altem Baby

In der Innenstadt von Trier überfuhr der 51-jährige Bernd W. mehrere Menschen. Fünf starben – darunter ein Baby. Nun ist ein rührender Trauerbrief aufgetaucht.

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Ein Terrorangriff oder eine politisch motivierte Tat scheinen ausgeschlossen: Den deutschen Behörden liegen keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund des Vorfalls in Trier mit fünf Toten und 14 Verletzten vor. Der Fahrer des Wagens, der in der Fußgängerzone mehrere Menschen erfasste, ist demnach auch nicht als Gefährder eingestuft.

Der Fahrer hielt jedoch ganz gezielt auf seine Opfer zu. Das sagte der Innenminister von Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz, am Dienstagabend auf einer Pressekonferenz: «Die Zickzacklinien waren gezielt gewählt, um Menschen zu suchen und ihnen weh zu tun.»

Bewegender Trauerbrief

Bei seiner Amokfahrt tötete Bernd W. auch einen Vater und seine erst neun Wochen alte Tochter. An der Stelle, an der die beiden verstarben, liegt nun ein Brief. In griechischer Sprache und Schrift nehmen Angehörige Abschied.

«Halte dich ganz fest in den Armen von Papa, damit er dort oben auf Dich aufpasst. Pass auf Deine Mama und Dein Brüderchen auf als Engel, der Du jetzt geworden bist», steht im Brief geschrieben. Das berichtet «Bild».

Trier nimmt Abschied

Bei einem bewegenden Gedenken am Trierer Wahrzeichen Porta Nigra haben Hunderte Menschen in Deutschland der Opfer der Todesfahrt vom Dienstag gedacht. Zahlreiche Kerzen und Blumen an dem früheren römischen Stadttor erinnerten am Mittwoch an die 5 Toten und 14 Verletzten.

«Trier trauert, Trier leidet, Trier resigniert aber nicht», sagte Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Gemeinsam mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer legte er Kränze nieder. «Wir trauern mit den Angehörigen der Toten, und wir beten für die Verletzten», sagte Dreyer. «Ein Leben lang werden sie die Folgen tragen müssen dieser vier tödlichen Minuten.» Die Regierungschefin, die selbst in Trier wohnt, sprach von einem traurigen Tag.

Der Tatverdächtige wurde bereits vernommen

Die Polizei nahm unmittelbar nach der Tat einen 51 Jahren alten Deutschen aus dem Kreis Trier-Saarburg fest, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft psychisch krank sein könnte. Der Tatverdächtige war betrunken, konnte aber vernommen werden.

Im Verlauf des Mittwochs soll Bernd W. dem Haftrichter vorgeführt werden. Mehrere deutsche Medien berichten das übereinstimmend.

Keine Anhaltspunkte für terroristisches Motiv

Für ein terroristisches, politisches oder religiöses Motiv gebe es keine Anhaltspunkte, so der Leitende Oberstaatsanwalt gegenüber den Medien. Er schloss nicht aus, dass ein «psychiatrisches Krankheitsbild» vorliege. Bernd W. sei bereits von einem Arzt begutachtet worden. Dieser werde wohl auch ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag geben.

Beim mutmaßlichen Amokfahrer handelt es sich laut «Focus» um den 51-jährigen Bernd W. Nachbarn hatten den Mann aufgrund des Kennzeichens seines SUV identifiziert. Ein Zeuge sagte zudem, er habe auf dem Bild der Festnahme die Schuhe von Bernd W. erkannt. «Deshalb weiß ich, dass er es war - auf jeden Fall.»

«Er lebte in den Tag hinein und trank»

Eine Nachbarin, die den jungen Bernd W. jahrelang aufwachsen sah, beschreibt ihn als «sonderbaren Einzeltypen». «Ich habe ihn aber oft schreien gehört, wenn es Streit im Elternhaus gab. Er war aufbrausend, manchmal auch aggressiv», so die Zeugin. Eine andere Frau meinte: «Er war komisch, aber das hätte ich ihm nicht zugetraut.»

Nach dem Verkauf seines Elternhauses zog W. aus dem Kreis Trier-Saarburg weg. Mehrere Menschen, die ihn kannten, erzählten, er habe wechselnde Wohnsitze gehabt und als Elektriker gearbeitet. Zuletzt sei W. jedoch arbeitslos gewesen und habe in seinem silbernen Geländewagen gelebt.

Er habe eine Freundin gehabt, die wesentlich älter sei als er. «Er lebte in den Tag hinein und trank. Das war sein Leben», schilderte ein Anwohner. Innerhalb von einem Jahr habe W. das ganze Geld aus dem Hausverkauf ausgegeben.

Auch am Dienstag soll Bernd W. in der Dönerbude seiner Heimatgemeinde getrunken haben. «Er war am Saufen mit seiner Döner-Gang. Er hat sich losgerissen, ist ins Auto gesprungen und nach Trier gefahren», sagt ein Bekannter zu «Focus».

W. postete ein Abschiedsspruch auf Facebook

Ob W. psychische Probleme hatte, ist noch unklar. Anwohner in nahe liegenden Zewen behaupten aber, der 51-Jährige habe eine «labile Persönlichkeit» gehabt. «Er wurde von Kindheit an von seinem Vater geschlagen und das ist nicht an ihm vorbei gegangen.»

Kurz vor seiner Amokfahrt postete W. auf Facebook noch einen Abschiedsspruch: «Auf meinem Grabstein sollte stehen: Spart euch die Tränen, wo wart ihr, als ich noch lebte?»

«Der schwärzeste Tag der Stadt Trier nach dem Zweiten Weltkrieg»

Der Schock in der westdeutschen Stadt Trier sitzt am Dienstagabend tief. Bei Bernd Ws. Amokfahrt kamen dabei vier Menschen ums Leben – darunter ein neun Wochen altes Baby. Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe sagte: «Es ist der schwärzeste Tag der Stadt Trier nach dem Zweiten Weltkrieg».

Der Amokfahrer habe mit einem SUV «wahllos» Menschen angefahren und überfahren. Leibe dazu: «Ich bin gerade durch die Innenstadt gelaufen und es war einfach nur schrecklich. Es bot sich ein Anblick des Grauens. Da steht ein Turnschuh … das Mädchen dazu ist tot.»

Oberbürgermeister Leibe bedankte sich bei den Einsatzkräften. Es seien rund 700 Helfer im Einsatz gewesen nach der tödlichen Fahrt in der Innenstadt von Trier, sagte er. Es sei nicht selbstverständlich, dass der Täter nach wenigen Minuten gefasst werden konnte.

«Er hupte nicht, sondern gab nur Gas»

Eine Augenzeugin berichtet gegenüber Focus: «Ich sah unzählige Menschen zur Seite springen, auf der Straße lagen über 30 Menschen, teilweise regungslos. Das Auto fuhr gefühlt mit 70 bis 80 Stundenkilometern. Die Innenstadt war sehr gut besucht. Von hinten sah es aus wie ein SUV, es könnte ein Jeep gewesen sein.» Eine weitere Passantin sagte, dass das Auto auch Kinder erfasste.

(L'essentiel/kal/SDA)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Red Dwarf am 03.12.2020 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    In anderen Ländern hätte dieser Abschaum seine Festnahme nicht überlebt. Und jetzt ab, als unzurechnungsfähig, in eine geschlossene Anstalt!

  • marco am 03.12.2020 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist zwar krass was ich hier schreibe, aber man sollte ihm als Strafe das zufügen was er mit den unschuldigen Menschen gemacht hat Ich würde ihn überfahren, mehr ist so etwas nicht wert

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  • Poller 1 am 03.12.2020 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Warum sind die Fußgängerzonen nicht besser gesichert? Spätestens nach dem Berliner Weihnachtsmarktattentat und den Vorkommnissen in Nizza bestand Handlungsbedarf. Es gibt perferktionierte Systeme mit versenkbaren Pollern, d.h. die Innenstädte verbleiben für alle berichtigten Personen und Lieferungen erreichbar. Aber an diesen Stellen wird gespart. Lieber Plakatwerbung für die Wahlen oder sonstige unsinnige Sachen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • anonym am 04.12.2020 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was der Mann getan hat ist unverzeihlich und vermeidbar gewesen. Man kann niemandem die Schuld für seine eigene Probleme geben!

  • Poller 1 am 03.12.2020 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Warum sind die Fußgängerzonen nicht besser gesichert? Spätestens nach dem Berliner Weihnachtsmarktattentat und den Vorkommnissen in Nizza bestand Handlungsbedarf. Es gibt perferktionierte Systeme mit versenkbaren Pollern, d.h. die Innenstädte verbleiben für alle berichtigten Personen und Lieferungen erreichbar. Aber an diesen Stellen wird gespart. Lieber Plakatwerbung für die Wahlen oder sonstige unsinnige Sachen.

  • Red Dwarf am 03.12.2020 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    In anderen Ländern hätte dieser Abschaum seine Festnahme nicht überlebt. Und jetzt ab, als unzurechnungsfähig, in eine geschlossene Anstalt!

  • Pia am 03.12.2020 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Marco ech ginn Iech Recht leider sinn esou Leit nach méi beschützt ewéi déi déi onschëlleg an onsënneg hirt Liewe hu misse lossen.. Ech verstinn bei villem des Welt net (méi) et deet mer leed fir déi Mënschen déi net méi ënnert eis sinn Rout a Fridden :(

  • marco am 03.12.2020 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist zwar krass was ich hier schreibe, aber man sollte ihm als Strafe das zufügen was er mit den unschuldigen Menschen gemacht hat Ich würde ihn überfahren, mehr ist so etwas nicht wert

    • Marco am 03.12.2020 18:58 Report Diesen Beitrag melden

      Das wäre doch noch zu nett.

    • @marco am 04.12.2020 11:27 Report Diesen Beitrag melden

      Es wäre nich krass, sondern genauso krankhaft. Mehr nicht.

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