Klimanotstand

11. August 2020 13:31; Akt: 11.08.2020 13:50 Print

Vier Kommunen und ihr Kampf um Klimaschutz

Landau/Mainz/Trier/Koblenz – Landau hat es vorgemacht, andere Städte folgten. Nach der Ausrufung des Klimanotstands ziehen vier Kommunen eine positive Bilanz.

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Im Mittelpunkt der Bemühungen stehen die Bereiche Verkehr und Wohnen. (Bild: DPA/Lennart Stock)

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Mehr Schatten, mehr Stadtgrün, mehr Radverkehr: Damit der Ausrufung des «Klimanotstands» auch Taten folgen, haben rheinland-pfälzische Städte in den vergangenen Monaten konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz in Angriff genommen. Vor einem Jahr (am 13. August) hatte Landau als erste Kommune des Bundeslandes den Klimanotstand erklärt. Später folgten unter anderem Mainz, Koblenz und Trier. Diese vier Kommunen melden nun erste Erfolge bei der Umsetzung ihrer Projekte, machen aber auch klar, dass der Wandel hin zu einer klimafreundlicheren Stadt eine Langzeitaufgabe ist.

Im Mittelpunkt der Bemühungen stehen die Bereiche Verkehr und Wohnen. So ordnet Landau den Verkehr in der Innenstadt neu, gibt eine Straße in beiden Richtungen für den Radverkehr frei und sperrt weitere Straßen für den motorisierten Durchgangsverkehr. In den nächsten Tagen soll ein gratis Shuttle-Bus mehrere Parkplätze mit dem Zentrum verbinden, wie die Stadtverwaltung mitteilt.

Modernes Stadtbussystem in Landau

«Dann arbeiten wir aktuell auf den «Landau Takt 2022» hin, also ein modernes Stadtbussystem mit mindestens 20-minütiger-Taktung im gesamten Stadtgebiet», heißt es weiter aus dem Rathaus. Längerfristig ins Auge gefasst sind zudem 18 Fahrradstraßen, zwei Brücken, ein Kreisel, eine Unterführung, diverse Abstellanlagen und ein Lastenfahrrad-Förderprogramm. Diese Vorhaben hängen aber teils davon ab, ob der Bund Fördermittel zur Verfügung stellt.

In Mainz und Koblenz wird beispielsweise die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität ausgebaut. In Trier sollen in diesem Jahr rund drei Kilometer Radwege im Stadtgebiet dazukommen.

Auch beim zweiten Schwerpunkt Wohnen und Bauen ähneln sich einige Projekte der vier «Notstands»-Kommunen. So fordert Mainz bei Neubauten die Verwendung von Recyclingbeton und hat eine Solarinitiative für Wohngebäude gestartet. Trier aktualisiert sein Solardachkataster, das jedem Hausbesitzer dabei hilft herauszufinden, ob sein Dach für die Gewinnung von Sonnenenergie geeignet ist.

Hauptklärwerk in Trier versorgt Rechenzentrum mit Energie

Recht konkret sind die Vorhaben in diesem Bereich in der Vorreiterkommune Landau. «Bei unserem großen Neubaugebiet im Südwesten der Stadt bauen wir dichter und höher als ursprünglich geplant, um die Flächenversiegelung möglichst gering zu halten», erklärt die Stadtverwaltung. «Dazu wird aktuell bei den Neubaugebieten in den Stadtdörfern über die Themen Begrünung, Flachdächer und Starkregen diskutiert.»

«Auch unser Entsorgungs- und Wirtschaftsbetrieb tut viel in Sachen Klimaschutz und hat sich zum Beispiel auf den Weg zu einer klimaneutralen Kläranlage gemacht», erklärt Landau. Einen Schritt weiter ist da bereits Trier: Dort erzeugen die Stadtwerke im Hauptklärwerk so viel Energie, dass sie ein benachbartes Rechenzentrum CO2-neutral versorgen können.

« Es geht darum, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Stadtgesellschaft abzumildern »

In der pfälzischen Stadt soll das neue Klimaanpassungskonzept nach der Sommerpause an die zuständigen Gremien weitergeleitet werden. «Das ist tatsächlich sehr spannend, weil es darum geht, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Stadtgesellschaft abzumildern - und das durch ganz unterschiedliche Maßnahmen: von mehr Stadtgrün über schattige Sitzplätze gerade für ältere Fußgängerinnen und Fußgänger bis zu Themen wie Fassaden- beziehungsweise Dachbegrünung», erklärt die Stadtverwaltung.

Die Corona-Krise hat das Städtequartett auf dem Weg zu mehr Klimafreundlichkeit zwar behindert, aber nicht völlig ausgebremst. So wird in Koblenz der Ausbau einer energieeffizienten Straßenbeleuchtung, der eigentlich schon abgeschlossen sein sollte, laut Stadtverwaltung erst im Dezember fertig. Landau berichtet von Schwierigkeiten bei der Veranstaltungsplanung oder der Bürgerbeteiligung. In Trier mussten Sitzungen abgesagt werden, die direkte Kommunikation in Netzwerken war eingeschränkt.

« Jetzt greift alles ineinander und wir sind auf einem guten Weg »

Allen Schwierigkeiten zum Trotz sehen sich die Kommunen aber auf einem guten Weg, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten - nicht zuletzt auch wegen des Ausrufung des «Notstands». Dieser Schritt habe nochmals «frischen Wind» in die damit verbundenen Themen gebracht, neue Kooperationen, Ideen und Förderer zusammengebracht und ermöglicht, erklärt die Stadt Trier. Die Wertschätzung des Themas und die Unterstützung bisheriger und neuer Aktionen bei der Anpassung an den Klimawandel würden von den Beteiligten größtenteils positiv wahrgenommen und unterstützt.

Mainz und Landau verweisen darauf, dass viele Maßnahmen bereits vor der Ausrufung des Klimanotstands angedacht oder sogar schon begonnen worden seien. «Jetzt greift aber alles ineinander und wir sind, glauben wir, auf einem guten Weg», heißt es in Landau.

(L'essentiel/dpa)

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