Camille Gira

16. Januar 2015 16:06; Akt: 16.01.2015 17:39 Print

«Die Jäger erzählen Schauermärchen»

LUXEMBURG - Die Regierung hat die Jagd auf Fuchs und Wildschwein verboten. Staatssekretär Camille Gira verteidigt die Entscheidung.

storybild

Die Jagd auf Füchse ist umstritten. Dennoch ist sie in vielen Ländern nicht nur erlaubt sondern ausdrücklich erwünscht. (Bild: DPA)

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema

«Das ist ein Schauermärchen, das die Jäger gerne erzählen.» Camille Gira (Déi Gréng), Staatssekretär im Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur, geht auf Konfrontationskurs mit den luxemburgischen Jägern. Die hatten davor gewarnt, dass ein Verbot der Fuchsjagd die Verbreitung von Tollwut und Fuchsbandwurm nach sich ziehe - ansteckende Krankheiten, die auch für Menschen tödlich enden können. «Die Chance, sich mit dem Fuchsbandwurm anzustecken, ist so minimal wie die, das einem ein Ziegelstein auf den Kopf fällt», sagt Gira.

Am Freitagnachmittag hat die Regierung des Großherzogtums beschlossen, dass die Fuchsjagd ab April für ein Jahr in Luxemburg verboten wird. Auf Wildschweine darf im Wald zwischen März und April sechs Wochen lang nicht geschossen werden.

«Überflüssig und verantwortungslos»

Der luxemburgische Jagdverband FSHCL und die Landwirtschaftskammer haben im Vorfeld heftig gegen diese Verbote protestiert: Das komplette Verbot der Fuchsjagd sei «überflüssig und verantwortungslos». Nicht nur die Ausbreitung von Fuchsbandwurm und Tollwut fürchten die Jäger, außerdem würden geschwächte Tiere «leidvoll» sterben.

Mit ethischen Normen argumentiert auch Camille Gira: «Es gibt keine Gründe mehr, auf den Fuchs zu schießen», sagt er im Gespräch mit L'essentiel. «Wir essen ihn nicht, wir benötigen sein Fell nicht und die Tollwut ist nicht mehr in Mitteleuropa.» Die Politik der Regierung sei, dass es im 21. Jahrhundert gute Gründe geben müsse, um Tiere zu schießen. Zudem lägen Studien vor, die besagten, dass sich die Fuchsbestände vergrößerten, wenn auf sie Jagd gemacht würde.

Tote Füchse in der Mülltonne

Was die Seuchengefahr angehe, sollten sich die Waidmänner an die eigene Nase fassen: Wenn die Füchse so gefährlich seien, «wieso lassen einige Jäger sie dann in freier Wildbahn liegen oder werfen sie einfach in die Mülltonnen am Waldrand?», fragt er.

Auch beim Thema Wildschweinjagd bleibt Gira hart: «In den fraglichen sechs Wochen werde gerade einmal fünf Prozent der Wildschweine geschossen.»

(Tobias Senzig/L'essentiel)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ute Christner am 06.02.2015 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    die brauchen nur was zum Abknallen, weil sie schon sehr eingeschränkt wurden. Gegen alles gibt es heute Medikamente und Tollwut ist ziemlich gut bekämpft.

    einklappen einklappen
  • Lionel Malané am 19.01.2015 00:19 Report Diesen Beitrag melden

    Fannen daat de Fuuss schons genuch Geforen ausgesaat as. Alleng laanscht Strooss gin der esou vill ugestouss oder iwerrannt daat d'Juegd op dëss Deieren iwerflësseg as. En plus as Tollwut och net wei présent!

  • Kathrin am 05.02.2015 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Luxemburg ihr seid ein Vorbild DANKE!! Schafft diese Sonntagsjäger gleich mit ab!!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rosy am 22.04.2015 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Merci, einfach nemmen merci. Endlech huet een aus der Regierung emol de courage fir eppes fir eis Déieren ze maachen an et och duerch ze zéien.

  • Ute Christner am 06.02.2015 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    die brauchen nur was zum Abknallen, weil sie schon sehr eingeschränkt wurden. Gegen alles gibt es heute Medikamente und Tollwut ist ziemlich gut bekämpft.

    • Bernd Giebisch am 06.02.2015 18:45 Report Diesen Beitrag melden

      Leider nicht die Ballerlust der selbst ernannten Hüter des Waldes.

    einklappen einklappen
  • Kathrin am 05.02.2015 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Luxemburg ihr seid ein Vorbild DANKE!! Schafft diese Sonntagsjäger gleich mit ab!!

    • ute cgristner am 06.02.2015 08:01 Report Diesen Beitrag melden

      ja, das wäre natürlich am Allerbesten!!!

    einklappen einklappen
  • Andreas am 01.02.2015 02:49 Report Diesen Beitrag melden

    Sollche durchsetzungsfähige Politiker wie Camille Gira wünsche ich mir auch in Deutschland und in den anderen EU-Ländern.

    • Caren am 01.02.2015 20:11 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

    • Erni Sommer am 12.03.2015 13:49 Report Diesen Beitrag melden

      Der Camille Gira kann seine Tage als Regirungmitglied zählen. Die nächste Wahlen wird Er sowieso nicht mehr gewählt, denn Luxemburg braucht solche Leute. Der nur wegen der Koalition in die Regierung ein Mandat bekommen hat.

    einklappen einklappen
  • Helga Irschik-Schirmbeck am 31.01.2015 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Danke für diese Entscheidung!!!! Schön wäre es, wenn dieses Jagdverbot nicht nur auf 1 Jahr beschränkt würde, sondern dauerhaft bestehen bliebe und auf ALLE Wildtiere ausgeweitet würde. NATUR OHNE JAGD zeigt, dass sich Wildbestände von ganz alleine regulieren können. Das hat schon überall funktioniert, wo es ausprobiert wurde, zum Beispiel in der Region um Bern/Schweiz.

    • colette poos am 02.02.2015 08:48 Report Diesen Beitrag melden

      Schön wär's.

    einklappen einklappen