Gefahr im Tunnel
16. März 2012 16:15; Akt: 16.03.2012 17:20 Print
Luxemburg verzichtet auf Notfall-Buchten
LUXEMBURG - Nach dem Busunglück in der Schweiz wird über die Unfallursache gerätselt. Ist die Nothalte-Nische schuld? In Luxemburger Tunnels gibt es keine.
Da die meisten Tunnels in Luxemburg - hier der Tunnel Aessen bei Differdingen - zwei Röhren für den Verkehr haben, ist der Bau der Pannenbuchten nicht gesetzlich verpflichtend. (Bild: wikipedia)
Während Belgien und die Niederlande an diesem Freitag um die 28 Toten der Bustragödie in der Schweiz trauern, läuft die Suche nach den Unfallursachen des Unglücks auf Hochtouren. Als einen möglichen Grund wird die Form der Pannenbucht im Autobahntunnel bei Sierre genannt. Die gesetzlich obligatorische rechtwinklige Form der Nothalte-Nischen in Tunnels ist in der Schweiz massiv in die Kritik geraten.
Bildstrecken Belgien trauert um seine Kinder 28 Tote bei Busunfall in der Schweiz Welcher Tunnel ist der längste und der älteste?Der längste Tunnel in Luxemburg ist der «Tunnel Grouft», der derzeit gebaut wird. Er weist eine Länge von 2 966 Meter auf. Der älteste ist der «Tunnel St. Esprit» in der Hauptstadt: Er wurde 1988 gebaut. Diskussion um Pannenbuchten
Beim deutschen Nachbarn sind rechtwinklige Mauern für Notfallbuchten in zumindest nach 2003 gebauten Tunnels verboten. Eine abgeschrägte Tunnelwand ist nach ADAC-Angaben verpflichtend. Fahrer hatte keine Herzprobleme
Der Fahrer des Unglücksbusses in der Schweiz hatte weder Herzprobleme noch Alkohol im Blut. Der Mann sei auch nicht zu schnell gefahren, sagte der Untersuchungsrichter Olivier Elsig am Freitag. Die Ursache des Unfalls mit 28 Toten bleibt somit weiter unklar. Es gebe es keine Beweise für Medienberichte, wonach der Fahrer kurz vor dem Unfall mit einer DVD hantiert haben soll. Experten bemühen sich nun, bei der Untersuchung des Fahrzeugwracks Hinweise auf mögliche technische Probleme zu entdecken. (dpa)
Doch wie sieht's in Luxemburg damit aus? Im Großherzogtum gebe es keine Nothaltebuchten in Tunnels, hieß es am Freitag bei der Straßenbauverwaltung Ponts-et-Chaussées auf Anfrage von «L’essentiel Online». Nothalte-Buchten sind laut großherzoglichem Reglement vom 20. Dezember 2007 nur dann vorgeschrieben, wenn eine Tunnelröhre für beide Verkehrsrichtungen genutzt wird und sie länger als 1000 Meter ist. Da Einröhren-Tunnels in Luxemburg kürzer seien, würden dort keine Nothalte-Buchten gebaut, so die Ponts-et-Chaussées.
Dass die Form der Tunnelwand eine tödliche Gefahr darstellen kann, sieht auch Paul Hammelmann, Präsident von der Securité routiere. «Ich finde, es ist weniger bedenklich, wenn die Nothalte-Bucht diskret in die Tunnelwand eingebaut ist. Eine rechtwinklige Form stellt eine potenzielle Gefahr für Verkehrsteilnehmer dar», sagte er gegenüber «L’essentiel Online». Jedoch sei es nach dem derzeitigen Kentnisstand schwer zu beurteilen, ob die Form der Nothalte-Nischen in der Schweiz tatsächlich zum Unfall geführt habe, stellte Hammelmann klar.
So ist der Bus am Tag der Tragödie gegen die Pannenbucht gekracht (von einer amerikanischen Animationsfirma rekonstruiert):
(Quelle: YouTube)
(if/ L'essentiel online)














