Swinger

18. Juni 2014 12:40; Akt: 24.06.2014 16:58 Print

«Der Partnertausch ist der Höhepunkt des Abends»

LUXEMBURG – Sie sind verheiratet - doch in ihrer Freizeit schlafen sie mit Fremden. «L’essentiel» hat sich im einzigen Swinger-Club Luxemburgs umgeschaut.

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Im einzigen Swinger-Club Luxemburgs treffen sich Paare, um Partner zu tauschen, aber auch Singles.

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Auf den ersten Blick ähnelt das Etablissement einer x-beliebigen Disco. Kleine weiße Sofas stehen rund um Theke und Tanzfläche. Dass der Schein jedoch trügt, zeigt sich beim genaueren Hinschauen. An der Wand hängt ein Kruzifix, rechts daneben steht ein Gynäkologen-Stuhl, links davon eine Guillotine, eine Schaukel hängt von der Decke. Herzlich willkommen im einzigen Swinger-Club Luxemburgs in Esch/Alzette. «Die Gäste können kommen und Spaß haben. Wenn sie wollen, können sie dabei die Tür offen stehen lassen», erklärt Besitzer Karim. Jede Nacht treffen sich in seinem Laden Swinger, um sich der Lust hinzugeben.

«Zu uns kommen vor allem verheiratete Paare. Die Stammgäste – etwa ein Dutzend Paare – sind in ihren Vierzigern. Sie kommen, um ihren Alltag zu durchbrechen und ihrem Leben ein wenig Würze zu verleihen», berichtet Karim, der den Laden vor rund drei Jahren übernommen hat.

Eine Frau – in schwarzer Unterwäsche – tanzt und streichelt ihren Körper, während sie mit ihren Blicken ihren Ehemann fixiert, der an der Theke lehnt. «Bevor ich hier her kam, hatte ich ein negatives Bild von Swinger-Clubs. Ich hielt sie für vulgär. Doch das Gegenteil ist der Fall», erzählt die 38-Jährige Belgierin. Seit elf Jahren ist sie mit ihrem Mann zusammen, sie haben drei Kinder. Das Swingen entdeckten die Beiden vor drei Jahren für sich. «Ich erinnere mich gerne an das erste Mal, als ich mit einer Frau Sex hatte. Es war einfach 'Wow'!. Sowas von sinnlich. Und dann gab es den Abend mit einem Transvestiten. Und lauter andere Erlebnisse», erzählt die Frau.

Die Anziehungskraft fremder Körper

Ihr 43 Jahre alter Mann erklärt: «Im Endeffekt gehen wir zusammen swingen, so wie andere Paare zusammen Tennisspielen gehen. Es ermöglicht uns, uns auszudrücken und uns zu entspannen. Zu Hause ist das Spiel mit der Verführung nicht dasselbe. Beim Swingen habe ich eine sehr weibliche, weiche Seite an mir entdeckt, von der ich keine Ahnung hatte.» Eifersucht? Streitereien? «Wir haben für uns eine wichtige Regel festgelegt: Wir beraten uns immer, bevor wir uns auf was auch immer einlassen», erklärt die Ehefrau.

Es ist die Anziehungskraft fremder Körper, der ungehemmte Sex, der die Paare in den Club lockt. Manche tauschen die Partner mit einem oder mehreren Paaren. Frauen geben sich einem «Gang Bang», einer Spielart des Gruppensex, hin, während sie sich von ihren Männer dabei zuschauen lassen. «Für uns ist der Partnertausch der Höhepunkt des Abends, die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Wir tanzen, verführen, fassen an, und steigern die Aufregung, die sich im Akt schließlich entlädt», erklärt ein französisches Pärchen, Mitte dreißig: «Letzte Woche hat es damit begonnen, dass wir zusammen mit einem anderen Paar gegessen haben. Dann sind wir in den Club, es wurde immer heißer. Wir sind dann in eine Ecke und haben uns unseren Fantasien hingegeben.»

Aktienhändler, Polizisten, Anwälte und Handwerker

Ob Sex mitten auf der Tanzfläche, an der Bar oder einem dunklen Flur – alles ist erlaubt, solang es Spaß macht und man gegenseitig respektiert wird. «Entgegen der landläufigen Meinung, geht es hier nicht zu wie beim Metzger. Hier herrscht zehn Mal mehr Respekt, als in einer normalen Disco, wo zehn Typen an einem Mädchen kleben, ohne sie auch nur zu fragen, ob sie das vielleicht gar nicht möchte», erklärt die Barkeeperin. Der Hauptunterschied zwischen den Gästen sei ein kultureller, erzählt Anaëlle, Freundin des Wirts Karim: «Die Franzosen sind sehr viel verklemmter. Ihnen fällt es schwerer, sich zu öffnen als etwa Deutsche oder Luxemburger. Am offensten sind die Belgier – ohne Zweifel». Doch am Ende wollen sie – egal ob Aktienhändler, Polizist, Anwalt oder Handwerker – alle dasselbe: Das Unanständige in sich herauslassen.

(Nastassia Solovjovas/pw/L'essentiel)