Neue Steuerstrategie

26. Mai 2015 09:38; Akt: 26.05.2015 13:16 Print

Amazon verbucht weniger Einkünfte in Luxemburg

LUXEMBURG/EUROPA – Der Online-Riese rechnet seine Verkäufe in Europa nicht mehr über das Großherzogtum ab. Das könnte bei den Nachbarn die Kassen klingeln lassen.

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Die EU-Kommission hält die Steuerpraktiken von Amazon in Europa für möglicherweise illegal. Nun reagiert der Versandhändler. (Bild: AFP)

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Der Internet-Versandhändler Amazon ändert seine Steuerstrategie in Europa – und das hat Auswirkungen auf Luxemburg. Wie am Wochenende über die Süddeutsche Zeitung bekannt wurde, will das Unternehmen seine Einkünfte künftig auch dort versteuern, wo sie erwirtschaftet wurden. Bisher hatten Amazon-Kunden in Deutschland, Großbritannien, Spanien und Italien ihre Rechnungen von einer Firma im Großherzogtum erhalten. Seit 1. Mai werden die Verkäufe jedoch über eigene Amazon-Töchter in den vier Ländern abgerechnet.

Ein Sprecher von Amazon begründet die Umstellung nicht mit der wachsenden Kritik an der Konzernpraxis. «Wir überprüfen regelmäßig unsere Firmenstrukturen, um sicherzustellen, dass wir unsere Kunden bestmöglich bedienen können», sagte der Sprecher vielmehr. Offen bleibt indes, ob und wie kräftig es beim deutschen, spanischen, italienischen und britischen Fiskus in der Kasse klingelt.

Skepsis beim Nachbarn

Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter -Borjans sieht die Ankündigung von Amazon skeptisch. Sie sei ein erstes wichtiges Signal. «Nicht weniger, aber auch nicht mehr.» Denn bei der Frage, wie Gewinne ausgewiesen und den Standorten in unterschiedlichen Staaten zugerechnet werden, gebe es noch viel Raum für kreative Steuergestaltung, sagte er laut Mitteilung in Düsseldorf. Hier sei aber nicht nur das Unternehmen, sondern auch die eu‎ropäische Politik gefordert, «die noch viel zu viele Hintertüren bietet».

Die Ausnutzung von Steuervorteilen bei multinationalen Konzernen ist der EU-Kommission seit längerem ein Dorn im Auge. Neben Luxemburg hat Brüssel wegen extrem lukrativer Steuervorteile für internationale Großkonzerne auch Irland und die Niederlande im Visier. Spektakulärster Fall ist eine Untersuchung gegen die Steuermodelle in Luxemburg («Luxleaks»). Konzerne haben hier zum Teil Steuersätze von weniger als einem Prozent auf die nach Luxemburg verlagerten Gewinne erhalten. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker steht dabei unter Druck, weil er 18 Jahre lang Regierungschef im Großherzogtum war. Als Präsident der EU-Kommission hat er nun Steuersparmodellen den Kampf angesagt.

Auch auf der Ebene der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20 ) und der Industriestaaten-Organisation OECD wird daran gearbeitet, Steuerschlupflöcher zu stopfen.

Gewinne werden klein gehalten

Amazon investiert traditionell massiv in den Ausbau des Geschäfts und fährt deshalb bestenfalls schmale Gewinne ein. Weltweit fuhr Amazon bei einem Umsatzplus von 20 Prozent auf 89 Milliarden Dollar einen Verlust von 241 Millionen Dollar ein, nach einem Gewinn von 274 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Für Deutschland veröffentlichte Amazon nur Zahlen zur Umsatzentwicklung im gesamten Jahr. Die Erlöse wuchsen demnach um gut 13 Prozent auf 11,92 Milliarden Dollar. Amazon erklärte die Zahlen nicht weiter, so das offen bleibt, ob hierzulande überhaupt steuerpflichtige Gewinne anfallen.

Auch im ersten Quartal 2015 arbeitete Amazon wieder mit Verlust. Es gab ein Minus von 57 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 108 Millionen Dollar vor einem Jahr. Der Umsatz wuchs um 15 Prozent auf 22,72 Milliarden Dollar.

(jg/jt/AFP/dpa/L'essentiel)

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