Haschisch als Medizin

23. Juli 2013 13:11; Akt: 24.07.2013 17:29 Print

«Cannabis ist mehr als eine Droge»

LUXEMBURG - Cannabis auf Rezept ist umstritten - und abgesehen von zwei Derivaten in Luxemburg verboten. Patienten, Mediziner und Politiker streiten über den Umgang.

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In natürlicher Form, als Tabletten, Tropfen oder Sprays gibt es Medikamente auf Cannabis-Basis. (Bild: DPA)

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Muskelkrämpfe und ständige Müdigkeit: Seit vier Jahren leidet Jacqueline (Name von der Redaktion geändert) unter multipler Sklerose. Seit etwa zwei Monaten hat sie keine Schmerzen mehr: «Ich nehme seither Sativex, ein Medikament auf Haschisch-Basis. Ich spüre den Unterschied. Auch mein Physiotherapeut ist erstaunt. Wenn ich aufs Rad steige, habe ich keine Schmerzen mehr und halte viel länger durch.» Obwohl das Medikament in Luxemburg erlaubt ist, übernimmt die Krankenkasse die Kosten nicht.

«Ich zahle dafür alle drei Monate 516 Euro. Das kann ich mir nicht lange leisten», befürchtete Jacqueline. Auf ein Cannabis-Verbot angesprochen, wehrt sich Jacqueline: «Cannabis ist mehr als nur eine Droge, ich bin nicht drogenabhängig. Aber kein anderes Medikament hat mir bisher erlaubt, mich so gut zu fühlen, wie es im Moment der Fall ist.»

Jacquelines Medikament, Savitex, sowie Marinol sind die einzigen beiden erlaubten Medikamente auf Cannabis-Basis in Luxemburg. Patienten, die auf verbotene Medikamente angewiesen sind, haben es schwer: «Ich leide unter einem Aufmerksamkeitsdefizit mit Angstzuständen, Depressionen und Überempfindlichkeit. Ich nehme dagegen Bedrocan, das ist in Luxemburg verboten», berichtet Max (Name von der Redaktion geändert).

Zum Arzt nach Deutschland

Der junge Mann lässt sich sein Medikament von einem Arzt in Deutschland verschreiben und besorgt es sich in den Niederlanden. «Das Medikament beruhigt mich und erhöht meine Konzentration auf der Arbeit. Ich nehme lieber das als Valium.» Vor einigen Wochen hat ihn sein Medikament in die Bredouille gebracht: An seiner Schule flog auf, dass er auf Cannabis war. Die Leitung der Ackerbauschule in Ettelbrück beurlaubte Max für einige Wochen. «Ich habe einen Schlichter herangezogen, um auf der Schule bleiben zu können. Noch ist nichts entschieden. Ebenso wenig für meinen Führerschein», so der junge Luxemburger.

Seine Familie unterstützt Max zwar, zweifelt aber trotzdem an seinem Medikament: «Meine Schwester denkt, dass es eher eine Droge ist. Ich gebe zu, dass ich mich daran gewöhnt habe, aber ich nehme nie mehr als die verschriebene Dosis», so Max.

«Man darf die negativen Wirkungen nicht unterschätzen»

Bei Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo (LSAP) überwiegen die Bedenken: «Man darf die negativen Wirkungen nicht unterschätzen. Cannabis ist vielmehr eine Droge als ein Medikament.» Auch die Ärzte sind sich nicht einig. «In der klassischen Medizin ist Cannabis bei der Behandlung der meisten Krankheiten nicht die erste Wahl, es kann aber in speziellen Bereichen eine Alternative darstellen, wenn andere Medikamente nicht wirken», erklärt der Neurologe Robert Thill-Heusbourg. Wie viele Patienten in Luxemburg medizinisches Cannabis bekommen, ist nicht bekannt.

Der Abgeordnete und Arzt Jean Colombera sieht das bekanntlich anders: «Man muss wissen, dass Cannabis eine einzigartige Heilkraft besitzt und vor allem Patienten hilft, die unter Depressionen oder zerstörerischen Krankheiten wie Parkinson leiden.»

(Nastassia Solovjovas/L'essentiel Online)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MARCEL C. am 05.09.2013 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    den marcel di b. huet keng anung an bradelt just no wat dei aner virun him gebradelt hun.Sie schwetzen vun sachen dei se net verstin.Et get eng doktorarbescht methastudie vun DOKTOR NICOLE KRUMDIEG DEI ALLES WIDERLET WAT EIS POLITIKER VERTRIEDEN. DEI KANN EN VUN INTERNET EROFLUEDEN.GIT IERCH DEI SICHEN LIEST SE MA DIER WEART STAUNEN.NACH BESSER N.O.R.M.L. EMERGING CLINICAL APLICATIONS FOR CANABIS ET SIN 30 KRANKHETEN DEI EN KAN MAT DENEN 3 ZORTEN CANABIS BEHANDELEN. NATIERLECH BRAUCH EN DIE ANER MEDIKAMENTER DAN NET MEI. IT IS VERY DANGERUS TO TEL THE TRUTH WHEN THE GOVERNEMENT IS WRONG.

  • Ron T. am 23.07.2013 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Daat ass dach eng Sauerei dass Leit denen mat Cannabis kinnt gehollef gin sech muss an d'Illegalitéit begin fir hirt Medikament ze kréien! Ech hoffen dass am Oktober den Här Di Bartolomeo als Gesondheetsminister den Huet dirf huelen an een anplaatz kennt deen deem Thema e bessen méi open entgéint trett!

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  • Steve K. am 11.09.2013 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Et muß op aller fall eppes gescheihen am Oktober! Sin och krank an wär frou ech braischt keng Medikamenter ze huelen.Daat geing sech änneren wann Cannabis als medizin unerkannt geif gin! En legalen an kontrollierten verkaaf.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Steve K. am 11.09.2013 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Et muß op aller fall eppes gescheihen am Oktober! Sin och krank an wär frou ech braischt keng Medikamenter ze huelen.Daat geing sech änneren wann Cannabis als medizin unerkannt geif gin! En legalen an kontrollierten verkaaf.

    • Robert L. am 17.10.2015 11:46 Report Diesen Beitrag melden

      Super dacord mat dire Steve K. Alcool huet nach vill mei nebenwierkungen an tubac Och an dan komen se mat se ou dommage excusen Et sinon vill légal saachen weou ech net den zwek vun der saachen gesin CANABIS HUET NACH KEEN EMBROUECHT net wei alcool an zigaretten wan canabis verbueden solliciter sin dan awa mat secherheed alcool an tubac Och d'art wear nemen fear nondikass nachemol

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  • MARCEL C. am 05.09.2013 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    den marcel di b. huet keng anung an bradelt just no wat dei aner virun him gebradelt hun.Sie schwetzen vun sachen dei se net verstin.Et get eng doktorarbescht methastudie vun DOKTOR NICOLE KRUMDIEG DEI ALLES WIDERLET WAT EIS POLITIKER VERTRIEDEN. DEI KANN EN VUN INTERNET EROFLUEDEN.GIT IERCH DEI SICHEN LIEST SE MA DIER WEART STAUNEN.NACH BESSER N.O.R.M.L. EMERGING CLINICAL APLICATIONS FOR CANABIS ET SIN 30 KRANKHETEN DEI EN KAN MAT DENEN 3 ZORTEN CANABIS BEHANDELEN. NATIERLECH BRAUCH EN DIE ANER MEDIKAMENTER DAN NET MEI. IT IS VERY DANGERUS TO TEL THE TRUTH WHEN THE GOVERNEMENT IS WRONG.

  • Ron T. am 23.07.2013 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Daat ass dach eng Sauerei dass Leit denen mat Cannabis kinnt gehollef gin sech muss an d'Illegalitéit begin fir hirt Medikament ze kréien! Ech hoffen dass am Oktober den Här Di Bartolomeo als Gesondheetsminister den Huet dirf huelen an een anplaatz kennt deen deem Thema e bessen méi open entgéint trett!

    • marc nars am 25.07.2013 12:37 Report Diesen Beitrag melden

      fannen dat och allerhand dat ass eng heelplanz! wann et legaliseiert geng gin oder opmanst als medikament dann hätten mer dei ganz zwielichteg gestaltet net op der gare ronderem lafen dei dealen an hiren knascht verkafen un ons jugend! se sollen et legal an kontrolleiert verkafen!

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