Zentrum von Junglinster
31. August 2012 17:07; Akt: 02.09.2012 14:31 Print
Anwohner streiten über Bau für Asylbewerber
JUNGLINSTER – Die geplante Unterbringung von Asylbewerbern sorgt für Streit in Junglinster. Die Gegner haben sich mit einer ungeschickten Protestaktion selbst diskreditiert.
Im Zentrum der Gemeinde Junglinster könnten bis Ende Oktober gut 30 Asylbewerber in einem Fertigbau untergebracht werden. (Bild: Editpress)
Die geplante Ansiedlung von rund 30 Asylbewerbern in einem neuen Fertigbau im Zentrum von Junglinster sorgt für heftige Diskussionen. Ausgelöst wurden diese durch die Unterschriftensammlung einer Bürgerinitiative. Darin wehren sich die Unterschreibenden gegen die «Verschandelung» des Ortes, gegen die Nähe der geplanten Anlage zu Kinderbetreuungseinrichtungen und warnen vor einem Anstieg der Kriminalität. Bis zu 300 Anwohner unterschrieben, wobei unklar ist, wie viele der Unterschriften gültig sind.
Bildstrecken Petinger demonstrieren Amnesty International und Asti protestierenDie Organisationen Asti (Association du soutien aux travailleurs immgrés) sowie Amnesty International haben sich ebenfalls in die lokale Debatte in Junglinster eingemischt.
Asti widerlegte in einer Mitteilung vom Freitag die Behauptung der Bürgerinitiative, dass Asylbewerber verstärkt kriminell würden, mit den Worten von Polizeisprecher Vic Reuter: «Es gibt keine derartigen Statistiken. Die Kriminalitätsrate unter Asylbewerbern ist in Luxemburg nicht außerordentlich hoch. Diese Leute versuchen alles, um nicht aufzufallen und ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht zu gefährden», heißt es da.
Anstatt «gegen die neuen Bewohner der Gemeinde Junglinster zu wettern und Vorurteilen zu erliegen, bzw. sie zu bedienen, hätten die Unterzeichner des offenen Briefes doch besser daran getan, sich mit Asylbewerbern zu unterhalten», schreibt die Asti dazu. Auch hätte man bei Vereinigungen, die sich um Asylbewerber kümmern, erkundigen oder aber sich im Familienministerium über die Sachlage informieren können.
Ähnlich äußerte sich am Mittwoch bereits die Luxemburger Einheit von Amnesty International: «Es wäre in dem Zusammenhang interessant für Sie, sich vor Ort in Petingen zu informieren, welche Folgen die Präsenz von Asylbewerbern denn auf die Lebensqualität hatte. Es ist gut möglich, dass Sie danach Ihre Meinung revidieren, da meiner Kenntnis nach die von Ihnen angekündigten sozialen Probleme nie aufgetaucht sind», schreibt der Vizevorsitzende Frank Wies.
Die Aktion löste bei vielen in der Gemeinde jedoch Empörung aus – nicht etwa über die Unterbringung der Asylbewerber, sondern über die Art der Diskussion. «Wir haben im Rathaus gut 100 Mails oder Briefe von Bürgern bekommen, die sich solidarisch zeigen und sich für die Unterbringung der Asylbewerber ausgesprochen haben», berichtet Schöffe Mike Hagen auf Anfrage von «L’essentiel Online» am Freitag. Zudem habe eine Familie ein Schreiben aufgesetzt, indem auf die Würde von Asylbewerbern hingewiesen werde, so Hanke weiter. «Damit hat uns die Unterschriftenaktion beinah bei unserem Projekt geholfen.»
Noch ist nichts entschieden
Entschieden ist bisher nichts: Der hölzerne Fertigbau soll auf einer architektonisch geschützten Fläche im Zentrum der 6000 Einwohner-Gemeinde entstehen. Daher müssen die Denkmalschützer von Sites et Monuments noch zustimmen. Komme die Erlaubnis aus der Behörde schnell, könne das Projekt bereits in der kommenden Woche lanciert werden, rechnet der Schöffe vor. Frühestens Ende Oktober könnten dann die ersten Asylbewerber von einem Campingplatz aus Diekirch und aus dem Müllerthal nach Junglinster umziehen.
Im vergangenen November hatte auch in Petingen die geplante Unterbringung von Asylbewerbern eine Protestwelle hervorgerufen. Staat und Gemeinden suchen noch immer nach Lösungen, die steigende Anzahl von Asylbewerbern vor allem aus Balkanländern in Luxemburg unterzubringen.
(cr/sb/L'essentiel Online)











