Verschmutzung des Stausees

02. Oktober 2014 10:14; Akt: 02.10.2014 10:43 Print

«Bei Bauern muss ein Umdenken einsetzen»

LUXEMBURG - Gréng-Parteipräsident Christian Kmiotek nimmt die Bauern nach dem Umweltskandal in die Pflicht: Viele würden sich zu Sklaven der Chemieindustrie machen.

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Hat momentan kein gutes Bauchgefühl: Gréng-Parteipräsident Christian Kmiotek. (Bild: Editpress)

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Durch den Obersauer Stausee, den größten Trinkwasserspeicher Luxemburgs, fließt seit Tagen eine giftige Chemikalie. Doch eine Partei bleibt auffällig still: Déi Gréng. Am Mittwoch wagte sich der Parteipräsident der Regierungspartei, Christian Kmiotek, dann doch aus der Deckung: In einer angriffslustigen Mitteilung auf Twitter nimmt er vor allem die Landwirte in die Pflicht. Diese sollten lieber die Bevölkerung ernähren, als das Trinkwasser zu vergiften, sagt der Gemeinderat aus Junglinster. L’essentiel hat am Donnerstag bei Kmiotek noch einmal nachgefragt: Sind die Bauern wirklich die Sündenböcke für den Trinkwasser-Alarm?

Herr Kmiotek, Ihre Partei hat sich in den vergangenen Tagen trotz der offensichtlichen Umweltsünden in der Sauer und im Stausee auffällig still verhalten. Warum so defensiv? Kmiotek: Wir haben das Thema Trinkwasserschutz in der Opposition laufend thematisiert und haben uns auch jetzt zu der Sache geäußert. Aber es stimmt, dieser Unfall war in gewisser Weise ein Weckruf. Das Krisenmanagement der Regierung hat jedoch einwandfrei funktioniert.

Rechnen Sie noch mit einer Notsituation beim Trinkwasser? Um den 4. Oktober soll die Giftwelle in der Trinkwasserentnahme ankommen. So wie es aussieht und was wir gestern in der Parlamentskommission gehört haben, sind wir offenbar noch einmal heil davon gekommen. Das Pestizid ist im tieferen Bereich des Stausees in geringer Konzentration nachgewiesen worden und verdünnt sich nun allmählich.

Halten Sie es nicht trotzdem für eine beunruhigende Vorstellung, Wasser zu trinken, das mit Pestiziden belastet ist? Die Grenzwerte der Luxemburger Trinkwasserverordnung wurden offenbar nie überschritten. Aber jedes Mikrogramm Pestizid ist natürlich eines zu viel. Ich trinke jeden Tag Leitungswasser und auch ich habe momentan kein wirklich gutes Bauchgefühl. Aber einigen Gemeinden und auch dem damaligen Innenministerium war das eigentliche Problem, nämlich die Pestizid-Grundbelastung des Stausees, lange bekannt. Man wollte oder konnte die Verschmutzung aber nicht messen.

Herbizide wie Metazachlor, das nach dem Unfall in Belgien über einen Nebenarm in die Sauer und nun in den Stausee gelangt ist, wird gegen Unkraut beim Rapsanbau verwendet. Sind die Bauern die Schuldigen? Nein, eigentlich ist es die Politik, die ja die Rahmenbedingungen für den Einsatz von Agrarchemikalien vorgibt. Hier braucht es definitiv strengere Gesetze, aber natürlich muss auch in der Landwirtschaft ein Umdenken einsetzen. Ein Teil der Bauernschaft ist aber leider sehr konservativ eingestellt und kann mit nachhaltigem oder gar biologischem Ackerbau wenig anfangen. Es muss nicht jeder Landwirt ein Biobauer werden. Aber es braucht neue Anreize, auch im Rahmen des neuen landwirtschaftlichen Entwicklungsplans (PDR), damit Bauern nicht weiter als Sklaven der Chemieindustrie arbeiten müssen.

(jt/L'essentiel)

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