Guildo Horn in Differdingen

23. Februar 2015 07:10; Akt: 23.02.2015 14:56 Print

«Der Luxemburger versteht es zu feiern»

DIFFERDINGEN - Was macht eigentlich der Schlagersänger Guildo Horn? Vieles, Literatur etwa. Am Montag liest er aus seiner Autobiographie.

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«Piep, piep, piep - Guildo hat euch lieb»: Mit diesem Refrain sang sich der Trierer Schlagersänger Guildo Horn 1998 bis nach Birmingham. Dort fand damals der Eurovision Song Contest statt. Zuvor war in Deutschland eine hitzige Debatte darum entbrannt, ob Horn mit seinem ironischen Ulk-Lied denn der angemessene Vertreter der deutschen Musik vor der Welt wäre. Am Ende holte Horn den siebten Platz.

Nach dem deutschen Medien-Hype um seine Person wurde es ruhiger um den Schlagersänger. Doch Guildo Horn - oder Horst Köhler, wie er mit bürgerlichem Namen heißt - war keineswegs untätig. Der Musiktherapeut setzte sich viel für Behinderte in, moderierte und schauspielerte. Und er schrieb seine Autobiographie «Doppel-Ich - Die andere Seite des Horst Köhler». Aus dem Werk liest der 52-Jährige am Montagabend in Differdingen. Die Veranstaltung findet ab 20 Uhr im Kulturzentrum Alt Stadthaus statt. Der Eintritt ist frei.

Schlagersänger, Moderator, Schauspieler und Musiktherapeut für Behinderte – welcher Ihrer Berufe macht Ihnen den meisten Spaß?
Das schöne ist doch, dass ich mich auf so vielen Gebieten austoben kann. Privat wie auch beruflich folge ich dem sogenannten «Pippi Lotta Viktualia Rolgadina Pfefferminze Ephrahims Tochter Langstrumpf Prinzip» und mache gerade das, was mir gefällt. Alles zusammen ergibt dann ein großes Wohlgefühl.

Das luxemburgische Differdingen ist nicht gerade der Nabel der deutschsprachigen Schlagerwelt – Wie hat es Sie zur Lesung hierher verschlagen?
Man sollte sein Licht nie unter den Scheffel stellen. In Differdingen leben und arbeiten sehr, sehr nette Menschen, wie auch mein Lichtmann Jean, die Laterne Luxemburgs. Über Jean ist, glaube ich, auch der Erstkontakt für diese Lesung gekommen.

Der Büchermarkt wimmelt vor Autobiographien: Wie machen Sie den Luxemburgern Ihr Werk schmackhaft?
Mein Buch «Doppel ich» habe ich 2007 als Auftragsarbeit fürs Gütersloher Verlagshaus geschrieben. Die Aufgabe war ein Buch über meine Arbeit mit geistig behinderten Menschen zu schreiben. Herausgekommen ist ein autobiographischer Roman über mein Leben zwischen Schlager, Rock'n'Roll, dem ersten feuchten Verliebtsein aber vor allem meiner ersten Reise zum Planeten der Fröhlichkeit, dem Beginn meiner Arbeit mit geistig behinderten Erwachsenen in einer Werkstätte für Behinderte im schönen Trier. Jedes Wort ist frisch von mir, seinem Erzeuger aus dem Hirn abgezapft, oder wie heißt das noch in der Landwirtschaft? «Doppel ich» ist ein unterhaltsamer Einstieg für Menschen, die noch nie mit geistig Behinderten in Kontakt waren und wird alle die erfreuen, die es schon kennen. Es gibt viel zu schmunzeln, lachen und unterm Strich die Erkenntnis: Auch ein geistig Behinderter hat das Recht ein Arschloch zu sein!

Werden Sie auch einmal zum Konzert nach Luxemburg kommen?
Zu allererst bin ich dieses Jahr an Pfingsten auf Jubiläumskreuzfahrt mit vielen, vielen bunten Luxemburgern. Ich freue mich schon riesig auf das nautische Event vor allem, weil der Luxemburger es in der Tat zu feiern versteht. An weiteren Konzerten im Ländchen arbeiten wir aber ebenfalls, versprochen. Im vergangenen Jahr haben wir ja in Kayl gespielt, auf der Fête de la Musique, ein großer Spaß war das!

Als Sie 1998 für Deutschland bei Eurovision Song Contest antraten, kam Ihre Ironie nicht überall gut an. Wie lange hat es gedauert, bis Ihnen die Kritiker verziehen haben?
Für was sollte man mir denn verzeihen?

Sie treten auch auf Spargelfesten und kleinen Stadtfesten auf – Fühlt sich das nach einem 7. Platz beim Eurovision Song Contest wie ein Abstieg an?
Ich habe vor dem Grand Prix Eurovision auf Stadtfesten gespielt und tue dies auch mit Liebe und Hingabe danach. Wie abgehoben muss man denn sein und wie naiv in der Vorstellung von dem Job eines Musikers dass man meint, jeder Tag sei WM-Finale? Für mich war es stets egal, ob ich in der Provinz oder in der Hauptstadt spiele, ob mein Publikum aus Akademikern, Handwerkern, Handlangern oder Obdachlosen besteht. Ob klein, groß, dick oder dünn, jung oder alt, hipp oder hopp. Im Angesicht des Schlagers sind wir doch alle gleich.

Mit bürgerlichem Namen heißen Sie Horst Köhler – so wie der ehemalige deutsche Bundespräsident. Als Köhler 2010 seinen Rücktritt bekanntgab, schrieben Sie an die deutsche Kanzlerin und schlugen sich als Nachfolger vor. Der Einfachheit halber, weil man Briefpapier und Visitenkarten dann nicht neu drucken müsste. Haben Sie eine Antwort erhalten?
Ja, es gab Kontakt mit dem Kanzleramt: Man habe Briefpapier und Visitenkarten eingelagert und ich soll mich auf Abruf bereithalten.

(Sophia Schülke/L'essentiel)

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