Häftlingsprojekt

18. März 2011 10:39; Akt: 18.03.2011 12:22 Print

Designer-​​Stücke im Gefängnis gemacht

GIVENICH – Mit der Herstellung von Designertaschen will der Verein défi-job Strafgefangene des Givenicher Gefängnisses an die Arbeitswelt heranführen.

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Dieses Spielzeug bzw. Dekostück, in dem ein Überraschungs-Ei recycelt wird, hat Martin Dieterle entworfen. Es gehört demnächst zur Jailbird-Kollektion. (Bild: L'essentiel/Kerstin Smirr)

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Sie sind stylish, wahre Raritäten und zugleich ein Hingucker: die Taschen und Portemonnaies des luxemburgischen Labels Jailbird. Mit Stolz tragen die handgefertigten Designprodukte das Qualitätszeichen «Made in Jail». Schließlich werden sie in einer Werkstatt gegenüber der Givenicher Haftanstalt gefertigt, von niemand anderem als von einigen der Insassen.

Hinter der Initiative steckt défi-job, ein gemeinnütziger Verein, der sich die berufliche Eingliederung der Häftlinge aus Givenich zur Aufgabe gemacht hat. Seit 2008 besteht das Jailbird-Projekt, in dem Designer Jan Glas mitgewirkt hat. Seitdem realisieren Häftlinge in der Werkstatt von défi-job die von ihm entworfenen Taschen in Handarbeit und geringer Stückzahl. «Wir wollen das Angebot noch erweitern», erklärt Paula Gomes, Geschäftsführerin von défi-job. Gerade habe die Zusammenarbeit mit Martin Dieterle von Carrérouge, einem Designer-Möbelladen in Luxemburg, für ein kleines Holzspielzeug begonnen.

Menschen für Lage der Gefangenen sensibilisieren

Verkauft werden die Jailbird-Produkte in den Museumsshops des Mudam auf dem Kirchberg und des Centre Pompidou in Metz. Außerdem wird défi-job am Wochenende bei der Messe Designers Inc. in der Trierer Tuchfabrik präsent sein. «Die Veranstaltung gibt uns die Möglichkeit, Marketing zu betreiben und die Menschen für unser Projekt und die Lage der Gefangenen zu sensibilisieren», sagt Gomes.

Zwölf Häftlinge hat der Verein derzeit angestellt. Sieben von ihnen sind in der Werkstatt tätig, wo neben den Jailbird-Produkten auch in die Jahre gekommene Möbel restauriert und Theaterkulissen hergestellt werden. Die weiteren Gefängnisinsassen arbeiten bei Kommunen, Unternehmen oder staatlichen Stellen, an die sie von défi-job vermittelt wurden. Alle beziehen das Mindesteinkommen und somit weitaus mehr als jene, die im Gefängnis selbst arbeiten.

«Ein Schritt Richtung Freiheit»

Das Gehalt bei défi-job ist durchaus ein Anreiz, wie ein 30-jähriger Mitarbeiter erzählt: «Damit kann ich meine Kinder unterstützen». Aber nicht nur das Geld zählt für den Mann, der wegen «Schlägereien und anderen Dummheiten» einsitzt. Er sei froh, wieder in den Arbeitsrhythmus reinzukommen. «Ich lerne viel und spüre, dass es einen Schritt weiter Richtung Freiheit geht».

Die Häftlinge an den Arbeitsalltag außerhalb von Givenich gewöhnen, an Pünktlichkeit und eine gewisse Produktivität, ist die Hauptaufgabe des Vereins. «Wir sind ein flexibler und sozialer Arbeitgeber», sagt die Projektleiterin. So würden den Mitarbeitern zum Beispiel Freiräume für Therapien gewährt. Doch hat Paula Gomes neben der Arbeit mit den Häftlingen mit einer Herausforderung zu kämpfen: «Für unsere Angestellten extern Arbeitsstellen zu finden, ist sehr schwierig. Es existieren leider viele Vorurteile gegenüber Menschen, die im Gefängnis sitzen».

Kerstin Smirr/L'essentiel Online

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