Beihilfen in Luxemburg

10. September 2015 13:23; Akt: 10.09.2015 13:46 Print

«Es wird auf Kosten der Studenten gespart»

LUXEMBURG - Seit einem Jahr gibt es ein neues Gesetz zur Studienbeihilfe. Doch die Studentenvertretung ACEL ist mit der Reform nicht zufrieden.

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Die Studentenvertreter Clifton Cano und Laurent Cattarinussi präsentierten ihre Ergbnisse. (Bild: Henning Jochum)

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Umfragen lassen viel Interpretationsspielraum. Dass ein und dieselbe Erhebung zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen kann, zeigt sich wieder beim Thema Studienbeihilfe in Luxemburg. Das Gesetz wurde 2014 geändert. Hierzu gab es Anfang 2015 eine Umfrage über das Budget der Studenten unter 2800 Teilnehmern. Insgesamt gibt es 25.000 Stipendien im Großherzogtum. Die Regierung zeigte sich in ihrer Analyse im April diesen Jahres zufrieden mit der Entwicklung. Die Studienvertretung ACEL (Association des Cercles d'Etudiants Luxembourgeois) nahm sich ein paar Monate Zeit für die Analyse und präsentierte nun ihre Ergebnisse. «Es ist deutlich zu erkennen, dass es eine soziale Ungerechtigkeit bei der Vergabe der Gelder gibt», sagt Laurent Cattarinussi, Vizepräsident der ACEL, im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Die Studentenvertreter kritisieren dabei vor allem die Staffelung beim Sozialstipendium. Der Höchstsatz liegt hier bei 3000 Euro im Jahr. Diese können Studenten erhalten, deren Eltern nicht mehr als den sozialen Mindestlohn erhalten (1921 Euro). Der niedrigste Satz liegt bei 500 Euro für junge Menschen, deren Eltern mindestens 3,5 x den Mindestlohn erhalten (etwa 6700 Euro). Die ACEL verglich nun verschiedene Umfragewerte. Dabei stellte sie zum Beispiel fest, dass Studenten aus reichem Haus im Schnitt pro Monat deutlich mehr Taschengeld bekommen (über 400 Euro Differenz) und im Jahr bis zu 4800 Euro zusätzlich zur Verfügung haben. Die Beihilfe beträgt im besten Fall jedoch nur 2500 Euro mehr für die sozial Schwächeren.

Schlechte Differenzierung

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Umgang mit Studenten, die keine Hilfe von ihren Eltern bekommen. Hier werde bei der Vergabe der Gelder nur das Einkommen der Eltern berücksichtigt. Verdienen diese zum Beispiel gut, unterstützen ihr Kind jedoch nicht, bekommt dieses trotzdem nur eine geringe Beihilfe. Und wer nicht viel Geld hat, muss dies auf andere Weise auftreiben:«Es zeigt sich, dass Studenten ohne elterliche Unterstützung viel häufiger nebenher arbeiten müssen», sagt Cattarinussi. Daraus folgt wiederum weniger Zeit für das Studium. Insgesamt gaben 57 Prozent der Studenten an, am Monatsende kein Geld mehr zu haben.

Ursprünglich hat das Bildungsministerium die Ausgaben für Stipendien für das Jahr 2014/15 im voraus auf 120 Millionen Euro geschätzt. Im Endeffekt waren es nur 93 Millionen Euro. «Warum wurde das Budget nicht ausgeschöpft? Es scheint, als wurde die Reform dazu benutzt, um auf Kosten der Studenten zu sparen», kritisiert Cattarinussi.

(Henning Jochum/L'essentiel)

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