Provokante Plakate

24. September 2015 17:36; Akt: 24.09.2015 17:39 Print

Ist Luxemburgs neues Image nur ein Etikett?

LUXEMBURG – Die provokanten Plakate, mit denen Richtung22 sein Theaterstück bewirbt, gefallen nicht jedem. Dabei wollen die jungen Leute nur ein besseres Luxemburg.

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Steuerdeals, gekürztes Kulturbudget, teure Lebenshaltungskosten: Für das Künstler- und Studentenkollektiv Richtung22 steht Luxemburg nicht gut da. Vor allem die Luxleaks haben das Land moralisch schlecht aussehen lassen. «Das war überall, ein Volltreffer wie aus dem Nation-Branding-Bilderbuch, nur eben negativ», sagt Lars Schmitz von Richtung22. Mit ihrem Stück «Lëtzebuerg, du hannerhältegt Stéck Schäiss» legen die Künstler den Finger in die Luxleaks-Wunde. Die geplante Provokation funktionierte: Die vier Vorstellungen im kleinen Saal sind ausgebucht – auch wenn die EU-Abgeordnete Viviane Reding auf Twitter meinte, dass dem Stück keine Plattform gegeben werden solle:


Doch schon vor Luxleaks entwickelte die Regierung ein «Nation Branding»-Konzept, zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro sollen in die bis 2016 angelegte Imagekampagne fließen. «Viele Studien haben gezeigt, dass Luxemburg im Ausland ein Bekanntheitsdefizit hat», heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. «Das Land wird oft als solches nicht wahrgenommen oder nur als internationaler Finanzplatz gesehen.» Informations- und Kommunikationstechnologie, metallverarbeitende Industrie und ein «Medienstandort von Weltrang» sollten dem Finanzplatz gleichgestellt werden, so das Ministerium. Zudem will man das Großherzogtum mit Zuverlässigkeit, Dynamik und Offenheit verbinden. Die aktuelle EU-Ratspräsidentschaft soll dabei helfen.

Geld für Kritik

Ob das gelingt? Da sind die Künstler und Studenten von Richtung22 eher skeptisch. Sie wollen, dass die Regierung aktiv an einem besseren Ruf des Großherzogtums arbeitet: «Das Image der Steueroase ist den Entscheidungsträgern nicht recht, aber es wird kaum etwas dagegen unternommen», erklärt Lars Schmitz von Richtung22 und ergänzt, «neue Steuer-Dumping-Modelle bestätigen den Zustand eher». Substanz, statt Etikett, fordert das Kollektiv: «Luxemburg soll zu einem Kultur- und Forschungsstandort werden, aber angesichts von Budgetkürzungen im Kulturbudget sehen wir da kaum politischen Willen», sagt Schmitz.

Das Wirtschaftsministerium wiederum verteidigt sein Konzept: Die Künstler der dynamischen Kulturszene seien «ein wichtiger Teil der Nation-Branding Strategie», welche auch die Luxemburger Kulturszene international bekannter machen soll. Zudem sei bereits seit 1995, als Luxemburg erstmals europäische Kulturhauptstadt war, «sehr viel in kulturelle Infrastrukturen investiert» worden.

Immerhin, die Kritik am Kultursystem hat das Zielobjekt nicht abgeschreckt: Das Kulturministerium hat das «Informationsspektakel» mit 2000 Euro unterstützt. «Auch wenn die Regierung hinter dem 'Nation Branding' steht, muss sie es zulassen, dass sich mit dem Konzept kritisch auseinandergesetzt wird», ließ Kulturministeriun Maggy Nagel den ADR-Abgeordneten Fernand Kartheiser in einer parlamentarischen Antwort wissen. «Lëtzebuerg, du hannerhältegt Stéck Schäiss» läuft an diesem Donnerstag zum letzten Mal.

(Sophia Schülke/L'essentiel)

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