ABI 2012

25. Mai 2012 19:01; Akt: 28.05.2012 13:11 Print

Würden Sie Ihr Abi heute noch schaffen?

LUXEMBURG – Mathe, Geschichte oder Philosophie… Was bleibt von unserem Abiturwissen nach ein paar Jahren noch übrig?

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Gespeichertes Wissen, das nie genutzt wird, geht schnell wieder verloren.

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«Beschreiben Sie die Bildung der Pi-Elektronenwolke des Benzolrings in einem Styrol-Molekül.» Mit dieser oder ähnlichen Fragen mussten die Schüler der C-Sektion auch in diesem Jahr während ihrem Abiturexamen rechnen.

Wer möchte eine Antwort geben? In der Redaktion schauen alle weg und es herrscht betretenes Schweigen…
Vielleicht hätte ich ja mehr Glück im Geschichtsexamen, das Anfang Juni stattfindet: «Der Krieg in Indochina (1946-1954)». Aber bei «Indochina» denke ich allenfalls an die gleichnamige französische Band.

Wirtschaftswissenschaften? Auf dem Gebiet sollte man als Journalist doch in Krisenzeiten fit sein, oder? «Erklären Sie die nachfrageseitige Inflation». Das Einzige, was mir dazu einfällt ist, dass man beim Einkaufen vermutlich immer zu viel zahlt.

«Oberflächlich gespeichertes Wissen

Solche Fragen haben alle, die ihr Abitur geschafft haben einmal beantworten können. Aber nach ein paar Jahren wären die meisten nicht mehr in der Lage, eine solche Prüfung erfolgreich zu meistern. Warum vergessen wir solch mühsam erlerntes Wissen so schnell wieder? «Die meisten Schüler lernen ihren Stoff auswendig, oft im letzten Moment vor der Prüfung. Solches Wissen ist aber nur oberflächlich gespeichert» erklärt Alexandre Bisdorff, Neurologe in Esch-Alzette. «Wenn sie dann später mit der Frage konfrontiert werden, haben sie alles vergessen». Mit anderen Worten: Falls sie später nicht in der Kunststoffindustrie oder als Lehrer arbeiten, stehen die Chancen, dass sie sich an die Bildung der Pi-Elektronenwolke des Benzolrings in einem Styrol-Molekül erinnern können, sehr schlecht.

Auch wenn manche Menschen ein besseres Erinnerungsvermögen besitzen als Andere, so gibt es laut Bisdorff einen Trick, der immer funktioniert: «Mindestens zwei Monate vor der Prüfung mit lernen anfangen, öfters Pausen machen und viel Schlafen».

(Marion Chévrier/L'essentiel Online)