Bauernprotest bei Clerf

14. September 2015 11:39; Akt: 15.09.2015 14:38 Print

Bauern lehren Politiker erneut das Fürchten

KALBORN - Dutzende Milchbauern kesselten am Montag zehn EU-Agrarminister nahe Clerf ein. Die Traktoren sind mittlerweile wieder abgezogen - doch die Landwirte lassen nicht locker.

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Erst vor kurzem haben Milchbauern ihrem Ärger in der Stadt Luxemburg Luft gemacht, nun gibt es den nächsten Wirbel: Zehn EU-Landwirtschaftsminister haben am Montagmittag etwa zwei Stunden in einem Agrarbetrieb im Norden Luxemburgs festgesessen, nachdem aufgebrachte Landwirte alle Zufahrtswege zu dem Hof mit ihren Traktoren verstellt hatten. Die Politiker, darunter Agrarminister Fernand Etgen (DP), waren dort für eine Besichtigung zu Gast. Mittlerweile sind die Traktoren wieder abgezogen, wie Fredy de Martines, Vorsitzender des Milchbauern-Verbands «Luxembourg Dairy Board», zu L'essentiel sagt.

Hintergrund der neuerlichen Protest-Aktion ist die aktuelle Milchkrise, die die Existenz vieler Bauern in Europa gefährdet. Seit dem Ende der Milchquoten im April fielen die Preise praktisch ins Bodenlose. Bauern erhalten für den Liter derzeit nicht einmal mehr 30 Cent vergütet. Viele fürchten um ihre Existenz. «Ideal wären 45 Cent, letztes Jahr waren es noch 37. Wir wollen faire Preise für unsere Produkte», sagt de Martines.

Ergebnisse, sonst...

Die Bauern hätten den zehn EU-Ministern in Kalborn energisch ihre Forderungen dargelegt. Gefahr habe keine bestanden, erklärte die Polizei auf Nachfrage. Die Viehzüchter verlangen nun aber konkrete Ergebnisse beim EU-Agrarministerrat am (morgigen) Dienstag auf Kirchberg. «Wenn nichts passiert, werden wir den Druck weiter erhöhen.» Die bereits zugesagte Hilfe für notleidende Bauern von 500 Millionen Euro reiche nicht aus, um den Milchmarkt wieder zu stabilisieren. «Davon sieht ein Milchbauer gerade einmal 0,3 Cent pro Liter», sagt der Landwirt aus Huldingen.

Die EU-Agrarminister wollten am Montag eigentlich den Verein BEO in der kleinen Gemeinde Kalborn besuchen, der die «Ourdaller»-Produkte wie Senf und Speiseöle vertreibt. Insgesamt saßen inklusive der Entourage der Minister etwa 60 Personen während der Blockade in dem Betrieb fest, wie Geschäftsführer Norbert Eilenbecker gegenüber L'essentiel berichtete. «Alle Wege waren von Traktoren zugestellt.» Die Minister, vor allem Etgen und seine niederländische Amtskollegin Sharon Dijksma, hätten zwischendurch immer wieder Gespräche mit den Bauern geführt.

Bauern aus drei Ländern

Laut Eilenbecker handelte es sich bei den aufgebrachten Landwirten um Milchbauern aus Ostbelgien, Deutschland und auch Luxemburg. «Ich kann ihren Protest durchaus nachvollziehen. Es wäre mir aber lieber, wenn er nicht heute bei uns stattgefunden hätte.»

Der Geschäftsführer hatte aber natürlich nichts dagegen, wenn sich die EU-Minister ein ausführliches Bild seines Betriebs machen. Die Minister hatten die BEO im Rahmen der Luxemburger EU-Ratspräsidentschaft zur Besichtigung ausgewählt, weil es sich dabei um eine vorbildliche kleine regionale Genossenschaft handelt, die trotzdem eine Vielzahl an Produkten auf dem Markt anbieten kann, sagt Eilenbecker.

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • boien am 15.09.2015 07:22 Report Diesen Beitrag melden

    ouni politiker kennen mer liewen awer op keen fal ouni bauer

Die neusten Leser-Kommentare

  • boien am 15.09.2015 07:22 Report Diesen Beitrag melden

    ouni politiker kennen mer liewen awer op keen fal ouni bauer