Marquis de Sade

11. Dezember 2014 15:21; Akt: 11.12.2014 15:36 Print

Monster oder sexueller Befreier?

Vor 200 Jahren starb der Namenspatron des Sadismus: Marquis de Sade. Bei vielen erregen seine Werke Abscheu, manche sehen in ihm einen wichtigen Aufklärer.

Die Dokumentation widmet sich Marquis de Sade. (Video: Youtube/Alex Wegenast)

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Es braucht starke Nerven und einen noch stärkeren Magen, wenn man die Werke des Marquis de Sade von Anfang bis Ende lesen will. In seinem Roman «Die 120 Tage von Sodom» beschreibt er die Untaten von vier Lustmördern: «An diesem Abend gibt man Michette der Wut der Lüstlinge preis. Zuerst wird sie von allen vier Libertins gepeitscht, dann reisst ihr jeder einen Zahn aus; danach schneidet ihr jeder einen Finger ab. Man verbrennt ihr darauf an vier Stellen, vorne und hinten, die Schenkel.» So geht es weiter, bis das Opfer schließlich tot ist.

Zum Glück trieb es der 1740 geborene südfranzösische Adlige im wirklichen Leben nicht ganz so bunt, doch harmlos war er auch dort nicht gerade. 1768 lockte er die arbeitslose Baumwollspinnerin Rose Keller in sein Landhaus und peitschte sie abwechselnd mit einer Rute und einer Geißel, bis sie aus zahlreichen Wunden blutete. Keller zeigte Sade an, doch weil ihre Aussage Ungereimtheiten aufwies, musste er nur eine Entschädigung zahlen.

Leben hinter Gittern

1777 wurde er nach einer weiteren Affäre verhaftet und verbrachte den Rest seines Lebens bis auf eine kurze Phase der Freiheit in Gefängnissen und in einem Irrenhaus. Dort verfasste er auch sein umfangreiches Werk, das wegen seines skandalösen Inhalts meist nur im Untergrund kursierte und teilweise erst im 20. Jahrhundert veröffentlicht wurde.

Hätte Sade nur gewaltpornografische Schriften verfasst und gelegentlich entsprechend gehandelt, wäre er heute wohl vergessen.

Die Natur ist der Maßstab

Doch die Protagonisten seiner Romane foltern und morden nicht nur, sondern sie reflektieren ihr Tun auch immer wieder philosophisch. Dabei zeigt sich, dass Sade die herrschende Moral radikal umwertet, weil sie seiner Meinung nach auf dem Christentum beruht, das er entschieden ablehnt. Für ihn ist nicht der Wille Gottes der Maßstab des richtigen Handelns, sondern die Natur. In den Worten des Sade-Biographen Volker Reinhardt: «An die Stelle des ‹Erkenne dich selbst!› der klassischen Philosophie setzt Sade die Maxime ‹Lebe dich aus!›, ohne jede Rücksicht auf Normen und Konventionen.»

Ein Anti-Rousseau

Dass man der Natur folgen solle, hatte schon Jean-Jacques Rousseau gepredigt. Allerdings ist sie bei ihm eine Quelle der Tugend im traditionellen Sinn, denn sie hat uns neben dem Selbsterhaltungstrieb auch die Fähigkeit zum Mitleid eingepflanzt. Wenn die Menschen den Grundsätzen der Natur folgen und sich nicht von den Verlockungen der Zivilisation verderben lassen, leben sie in Harmonie.

Anders Sade: Für ihn ist die Natur nicht nur eine verbindende, sondern auch eine zerstörerische Kraft. Einen seiner Helden lässt er auf dem Sterbebett sagen: «Es gibt keine Tugend, die für die Natur nicht notwendig wäre, und es gibt kein Verbrechen, dass sie nicht braucht. So hält sie beides in einem vollendeten Gleichgewicht, darin besteht ihre ganze Kunst.»

Ein Aufklärer?

Weil Sade in der Epoche der Aufklärung lebte, sehen manche in ihm einen Kämpfer gegen Vorurteile, Triebunterdrückung und Verklemmtheit. Ein modernen Vorstellungen von sexueller Freiheit entsprechender Hedonismus bilde das Zentrum der Sade’schen Lebenskunst. Sogar Feministinnen haben ihn für sich reklamiert: Die Schriftstellerin Angela Carter behauptet, die Titelheldin von Sades Roman «Juliette» sei nicht als Mörderin und Terroristin ein Vorbild, sondern als starke Frau mit dem Mut, aufgezwungene Rollenklischees abzulegen und ihren eigenen Bedürfnissen zu folgen.

Sehr viel negativer fällt das Urteil des Philosophen Winfried Schröder aus. Für ihn ist Sade kein Aufklärer, sondern eine exzentrische Figur der Religionsgeschichte. Sein enthemmter Hass auf das Christentum zwänge ihn dazu, sich ständig von dessen Vorstellungen abzugrenzen. Wenn das Christentum Barmherzigkeit predige, müsse er die Grausamkeit feiern. Somit bliebe er letztlich vom Gegenstand seines Ressentiments abhängig. Demnach sei Sade kein freier Geist, sondern ein Zwangsneurotiker.

Die Werke des Marquis sind heute in jeder Buchhandlung erhältlich, jeder kann sich selbst ein Urteil bilden.

(L'essentiel/Rolf Maag)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Drachenzwerg am 11.12.2014 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    War een Pervesen hun sain Buch Die 120 Tage von Sodom pur Saiten gelies huned opgin donoh !

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  • Drachenzwerg am 11.12.2014 17:28 Report Diesen Beitrag melden

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