HORRORDROGE «BADESALZ»

28. Juni 2012 18:13; Akt: 28.06.2012 18:54 Print

Paranoia, Blutdurst und Monsterkräfte

Sie graben wie Hunde im Dreck und fressen ihn. Im Rausch töten sie Ziegen. Um die Zugedröhnten ruhig zu stellen, muss die Polizei sie zwei Mal tasern: «Badesalz» ist der blanke Horror.

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Die Droge Mephedron oder Methylendioxypyrovaleron kommt in den USA als harmlos erscheinendes «Badesalz» daher. Doch Horrorstorys wie im Fall von Carl Jacquneaux, der sein Opfer Todd Credeur in die Wange gebissen hatte, haben Amerika aufgeschreckt. Auch beim «Miami Zombie» Rudy Eugene, der den Obdachlosen Ronald Poppo angefallen und angenagt hatte, soll «Badesalz» das Öl im Feuer gewesen sein. Wie der «Guardian» nun berichtet, habe Eugene aber nur Cannabis im Blut gehabt.

Bärenkräfte und Hunde-Horror

Das neuste Opfer der Horrordroge ist der lebende Beweis für die Resistenz, die Badesalz seinen Konsumenten verleiht. Kesley Smith war der Polizei am 19. Juni in Deltona, Florida, aufgefallen, weil sein Fahrstil nicht koscher war. Als die Ordnungshüter den 29-Jährigen aufforderten, das Auto zu verlassen, um einen Alkoholtest zu machen, flippte der Mann mit den blutunterlaufenen, glasigen Augen aus. Die Cops mussten ihn zweimal mit einem Taser schocken, berichtet das US-Blog «Gawker». Und selbst beim Polizeifotografen konnte nur mit Mühe ein Foto geschossen werden, wie obige Aufnahme beweist.

Drei Tage zuvor mussten Cops in Kansas City, Missouri, dem Drogenwahn ins Gesicht blicken, als eine Frau ihren Vermieter angriff und in den Arm biss, bevor sie sich auf den Boden fallen ließ, um im Dreck zu wühlen. «Ich habe schon gesehen, dass sie verrückte Sachen gemacht hat, aber nicht so was», sagte Charles McBride dem Sender KCTV5. «Ich sah sie auf dem Boden, als würde sie in der Erde graben, wie ein Hund es machen würde.» Als die Polizei die Wahnsinnige festnehmen wollte, schlug diese wie ein Esel mit den Beinen aus. Laut Polizeibericht schien sie außerdem auch «Dreck im Mund» zu haben: Sie hat die Erde also auch gegessen.

Der Bericht von KCTV5 über den Angriff auf Charles McBride.(Quelle: YouTube)

Wie paranoid die Droge macht, zeigen drei Fälle aus den USA aus dem Jahr 2011. Am 17. Februar rief Lucas Kocab gegen 18 Uhr die Polizei zu seinem Haus in Medina, Ohio. Er glaubte, 30 Personen hätten sich Zutritt zu seinen vier Wänden verschafft, doch die Gesetzeshüter konnten niemanden finden. «Er sagte, dass sie versuchen, sich wie Stühle oder Bäume in ihre Umgebung zu integrieren», so Sprecher Leutnant Bob Starcher gegenüber der Zeitung «Medina Gazette». Kocab sei dann schreiend im Kreis herumgelaufen: Nur mit einem Taser konnten die Beamten den Mann überwältigen, dessen Mitbewohnerin zugab, dass die Zwei Badesalz geschnupft hätten.

Wenn die Elektrizität auf Jagd geht

Am 27. Februar drehte ein «Badesalz»-Konsument in East Hanover Township, Pennsylvania, durch. Seth Thomas Sanders hatte plötzlich beim Fahren das Gefühl, sein Auto würde von Elektrizität verfolgt und schmelzen. Er ließ den Wagen stehen und brach in eine Garage ein, berichtet «Lancaster Online». Als der Besitzer ihn verjagte, stieg er auf zwei Autodächer, wobei eines der Fahrzeuge ein Streifenwagen war. Ob der 31-Jährige, der ausgerechnet vor Elektrizität floh, ebenfalls per Taser überwältigt wurde, ist nicht überliefert.

Den Vogel – oder vielmehr die Ziege – in Sachen Drogenwahn schießt aber ein anderer ab. Lisa Powers kaufte am 29. April eine Zwergziege namens Bailey für ihren vierjährigen Enkelsohn. «Das Baby hat ihn geliebt», sagte die Großmutter aus Charleston, West Virginia, der örtlichen Zeitung. Am 2. Mai riefen Powers’ Nachbarn deren Neffen Joshua Pollis an: Die Zwergziege der alten Dame sei plötzlich im Haus eines 19-jährigen anderen Nachbarn. «Sie riefen meinen Neffen an, weil der schon mal in jenem Haus war.»

Ziegenblut, Frauenkleid und Pornomagazin

Der Neffe ging mit zwei Frauen in das besagte Haus von Mark Thompson, den sie allerdings erst in dessen Schlafzimmer antrafen. «Er sagte zu ihnen: ‹Kommt nicht rein, ich bin nackt›», erzählte Großmutter Powers. «Aber als sie die Tür öffneten, stand er da mit heruntergelassenen Hosen. Er hatte einen BH und Kleider an, Die Ziege war tot und überall Blut. Als Enkel Pollis Thompson auf die Ziege ansprach, floh der Verwirrte in einen Wald, wo ihn die Polizei nach wenigen Stunden aufgriff. Der Beschuldigte gab zu, drei Tage lang auf «Badesalz» gewesen zu sein.

Bei der Durchsuchung des Hauses fanden die Beamten das Tier mit einem pinken Halsband und mindestens einem Einstich am Nacken tot auf dem Boden. Ein Pornomagazin habe in der Nähe des Kadavers gelegen, so die Ermittler. Großmutter Powers, die seit drei Jahren neben Thompson wohnte, hatte schon vorher schlechte Erfahrungen mit dem jungen Nachbarn gemacht. 2010 habe sie Thompson mit in die Kirche genommen. «Dann stahl er den Kommunionswein.»

(L'essentiel Online/phi)