Mittelalterliche Unterwäsche

19. Juli 2012 13:22; Akt: 19.07.2012 13:36 Print

Der älteste BH der Welt

Ein Haufen alter Kleider entpuppte sich als Sensationsfund: Archäologen haben in einem Tiroler Schloss Unterwäsche aus dem Mittelalter gefunden.

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In der Zwischendecke gefunden: BH und Männerunterhose aus dem Mittelalter. (Bild: Keystone)

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Bei der Renovation von Schloss Lengberg bei Nikolsdorf in Osttirol stießen österreichische Archäologen auf zahlreiche Textilien. Darunter befanden sich vier Büstenhalter und eine Männerunterhose. Nun haben an der ETH-Zürich entnommene Proben ergeben, dass die Dessous ungefähr zwischen 1440 und 1485 getragen wurden.

Auch eine Altersbestimmung mittels der C14-Methode (Radiokohlenstoffdatierung) habe zu diesem Schluss geführt, sagte die Archäologin Beatrix Nutz von der Universität Innsbruck der Nachrichtenagentur APA. «Wir haben zunächst selber nicht daran geglaubt und haben es für unmöglich gehalten, dass so etwas bereits im Mittelalter getragen wurde», meinte die Archäologin.

Machtsymbol Unterhose

Bisher sei man davon ausgegangen, dass Büstenhalter erst vor rund 100 Jahren erstmals verwendet worden seien, und Frauen im Mittelalter «Unterkleider aus Leinen» trugen, erklärte Nutz. Zwei der Büstenhalter seien nicht mehr komplett erhalten, glichen aber auf frappierende Weise heute verwendeten Teilen. Die beiden anderen Funde würden wie «ärmellose Hemden mit eingebauten Körbchen» aussehen, berichtete die Wissenschaftlerin.

Die Unterhose dagegen sei nur für Männer gewesen. Frauen hätten wohl keine Unterhosen getragen – diese hätten im Mittelalter auch als Symbol der männlichen Macht gegolten, sagte Nutz dem Nachrichtenportal «Welt Online». Frauen, die Hosen anhatten, seien verpönt gewesen.

Dessous in der Zimmerdecke

Die Dessous wurden bei der Renovation des Schlosses im Schutt der Deckenkonstruktion zwischen erstem und zweitem Obergeschoss entdeckt. Dort waren sie wohl als Füllung in die Zwischendecke geworfen worden. Insgesamt fanden die Wissenschaftler 2700 Textilfragmente. «Wir werden nicht bei allen sagen können, was es war. Aber mindestens 20 Stücke werden wir ungefähr rekonstruieren können», sagte Nutz. Der «Welt Online» sagte die Archäologin, einige Textilien seien sehr gut erhalten, weil es dort sehr trocken war.

Unter anderem verfüge man über Teile von Hemden und Kleidern sowie über Halsausschnitte von Hemden. Nutz kündigte an, im Jahr 2014 eine wissenschaftliche Publikation unter dem Titel «Unters Kleid geguckt. Die Textilien aus der Deckenfüllung von Schloss Lengberg» veröffentlichen zu wollen.

(L'essentiel Online/dhr/sda)

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