Migration

25. Oktober 2015 20:45; Akt: 25.10.2015 20:47 Print

Mit der «Anti-​​Mexiko»-​​Spritze Richtung USA

Sexuelle Gewalt ist auf der Reise von Mittelamerika in die USA an der Tagesordnung. Deshalb lassen sich viele Frauen impfen.

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Jedes Jahr machen sich rund 45.000 Frauen aus Mittelamerika auf den Weg Richtung USA. Was sie im «gelobten Land» erwartet, wissen sie nicht – wohl aber, was sie auf ihrer Reise durch Mexiko erleben: Rund 70 Prozent der Frauen und Mädchen werden unterwegs vergewaltigt. Das zeigt eine Statistik von Amnesty International aus dem Jahr 2014.

Bevor sie ihre Heimat verlassen, lassen sich Frauen und Mädchen deshalb die sogenannte «Anti-Mexiko-Spritze» geben. Dabei handelt es sich um ein Verhütungsmittel namens Depo-Provera, das sie drei Monate lang vor ungewollten Schwangerschaften schützen soll. Es ist billig und effektiv.

Gefoltert, entführt, ermordet

Einem Bericht von «BBC Mundo» zufolge empfehlen inzwischen auch die «Coyotes», die Schlepper, die die Frauen über die Grenzen schmuggeln, die «Anti-Mexiko»-Impfung. Viele Schleuser missbrauchen ebenfalls Migrantinnen oder liefern sie kriminellen Banden aus. Oder sie fordern sexuelle Gefügigkeit als zusätzliche Bezahlung von den Frauen.

Neben sexueller Gewalt lauern auf der 3000 Kilometer langen Route von El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua Richtung USA jede Menge Gefahren auf die Frauen: Entführung, Folter, Zwangsprostitution und Ermordung sind hier an der Tagesordnung. Unter den Migranten wird die Strecke «La ruta mortal» (die Todesstraße) genannt.

Mexikos Regierung lobt sich selbst

Auch sind viele Fälle von Übergriffen durch Polizei- und Migrationsbeamte bekannt. «Es kommt vor, dass Frauen eine Vergewaltigung erdulden, um noch mehr Gewalt oder gar den Tod zu vermeiden. Denn sie wissen, es wird ohnehin so ausgehen», erklärt Perseo Quiroz, Leiter von Amnesty International in Mexiko.

In letzter Zeit sank die Zahl der Gewalttaten gegen Migranten um 35 Prozent. Der mexikanische Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong nimmt die Daten als Beweis dafür, dass die Maßnahmen seiner Regierung greifen. Anders sieht das Quiroz: «Die Frauen wissen, dass es für die Täter keine Konsequenzen haben wird.» Deshalb würden sie immer seltener Anzeige erstatten.

Gewalt nimmt zu

Auch die Hilfsorganisation der Geistlichen Valdette Willemann, die sich in Honduras um heimkehrende Migranten kümmert, widerspricht der Aussage von Minister Osorio Chong: «Die Regierung behauptet, die Situation habe sich verbessert. Doch wir erleben die Realität jeden Tag. Die Gewalt gegen Migrantinnen in Mexiko hat extrem zugenommen.»

(L'essentiel/kle)

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