Naturfotograf

18. Oktober 2013 09:46; Akt: 18.10.2013 10:08 Print

Die fantastische Ausbeute eines Tornadojägers

Wenn andere das Weite suchen, geht Mitch Dobrowner näher ran: Der US-Amerikaner fotografiert Wirbelstürme - auf grandios Art.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Tornado kann selbst massivste Gebäude dem Erdboden gleichmachen. Kein Wunder, bringen sich die Menschen bei einem Alarm schnellstmöglich in Sicherheit. Nicht so Mitch Dobrowner. Im Gegenteil: Der gebürtige New Yorker eilt den gefährlichen Naturphänomenen entgegen und fotografiert, was das Zeug hält.

«Arm Gottes», «Drachenkopf» oder «Bärenklaue» nennt Dobrowner seine Werke (s. Diashow oben). Die Namen sind ebenso fantastisch wie die Gebilde, die sie bezeichnen. Manche Wolkenmassen sehen tatsächlich aus wie Fabeltiere, andere erinnern eher an das Ende der Welt. Doch alle Bilder zeigen die Schönheit, die diesen zerstörerischen Wirbelstürmen innewohnt.

Jagdsaison im Juli

Kein Wunder, ist Dobrowner seit seiner ersten Begegnung mit einem Wirbelsturm im Jahr 2009 dem Spektakel hoffnungslos verfallen. Seither reist er jedes Jahr für zwei Wochen während der Sturmsaison im Juli in den Süden der USA. Dabei vertraut er auf die Erfahrung des professionellen Sturmjägers Roger Hill.

So groß und unüberschaubar ein ausgewachsener Tornado oder Hurrikan auch ist – ihn zu finden, ist nicht immer einfach. Selbst mit modernster Technologie. Um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, kurvten sie oft stundenlang über die Straßen, sagt Dobrowner, stets mit einem Auge auf dem Radar.

«Wir müssen los! Jetzt!»

Doch es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb der Fotograf die Hilfe des Sturmjägers Hill braucht: die Gefahr. Denn wenn man sich auf die Aufnahme konzentriert, vergisst man schnell die eigene Sicherheit. «Es gab Zeiten, als wir von den Jägern zu den Gejagten wurden», sagt Dobrowner gegenüber «Wired». Und erzählt von einer Begegnung 2009 im US-Bundesstaat Wyoming, als sich ein Sturm mit einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde bewegte: «Ich stand wie hypnotisiert da, als er plötzlich auf uns zu kam, und Roger brüllte nur noch: ‹Wir müssen los! Wir müssen los! Jetzt!›»

Für Dobrowner sind die Hurrikane lebende Organismen: «Es ist wie eine Geburt, wenn sie sich bilden. Danach beginnen sie zu reifen und können völlig irrational werden wie ein Teenager in der Pubertät. Später werden sie richtig erwachsen, manche bilden dann so etwas wie eine Superzelle. Doch alle werden irgendwann einmal alt und sterben, dieser Prozess kann Stunden oder nur wenige Minuten dauern.»

Mehrfach ausgezeichnet

Für seine spektakulären Bilder wurde Dobrowner bereits mehrfach ausgezeichnet, vergangenes Jahr etwa mit dem renommierten Sony World Photography Awards. Die Zerstörungskraft der Tornados sieht man Dobrowners Bildern nicht an. Das ist durchaus gewollt. Er will die Menschen mit den Fotos nicht erschrecken, sondern sie dazu bringen, einen Gang runterzuschalten. Denn das sei das Gefühl, das einen überkommt, wenn man vor einem Sturm steht: «Es ist ein surrealer, meditativer Augenblick.»

Bleibt noch die Frage, weshalb er die Stürme in Schwarzweiß fotografiert. Farbfotografie sei zu alltäglich für diese Sujets, sagt er gegenüber «Natural Density», der Verzicht auf Farben bringe die überwaltigenden Gefühle angesichts eines Sturms erst zum Vorschein. Ausserdem behaupte seine Frau, er sei farbenblind – was aber nur zum Teil stimme.

Die Sturmbilder gibt es jetzt in einem Bildband: «Sturm», Mitch Dobrowner, Prestel-Verlag, 2013, ca. 43 Euro

TV-Bericht über Sturmjäger Roger Hill:

(Quelle: YouTube/Barcroft TV)

Drei Tornados gefilmt von Roger Hill im Juli 2011:

(Quelle: YouTube/Severe Studios)

On the Road mit Roger Hill:

(Quelle: YouTube/COStormChasers)

(L'essentiel Online/kmo)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.