Steuerflucht

09. August 2012 11:20; Akt: 09.08.2012 11:40 Print

Jetzt kauft NRW eine CD mit UBS-Kontendaten

Auf der Jagd nach Steuerflüchtlingen Das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen hat erneut eine Steuer-CD mit Daten der UBS gekauft. Offenbar sind «große Namen» darunter.

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Die Schweizer Großbank UBS bezweifelt den Kauf von Daten aus ihrem Haus. (Bild: DPA)

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Schon wieder schlägt das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen zu: Einem Bericht der «Financial Times Deutschland» zufolge hat das Land zwei neue Steuer-CDs aus der Schweiz angekauft, wie das Online-Portal der Finanzzeitung am Mittwoch unter Berufung auf «Insiderinformationen» berichtete.

Und: Es soll sich diesmal um ein richtig «dickes Ding» handeln, sind auf der einen der beiden CDs doch Kontoverbindungen der UBS zu finden. Und nicht irgendwelche: Auf der CD seien «große Namen» verzeichnet, berichtet das Blatt, ohne genauer auf diese einzugehen. Beim letzten Kauf war die vergleichsweise unbekannte Bank Coutts betroffen. Jetzt trifft es mit der UBS den zweitgrößten Vermögensverwalter der Welt.

Bank bezweifelt Datenkauf

Bei der Schweizer Großbank UBS wird bezweifelt, dass Nordrhein-Westfalen erneut in den Besitz interner Steuerdaten ihrer deutschen Kunden gelangt ist. «Uns liegen keine Erkenntnisse vor, dass wir Opfer eines Datendiebstahls sind», sagte UBS-Sprecher Dominique Gerster am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa in Zürich.

Der «Spiegel» berichtete bereits Mitte Juli, als der 3,5-Millionen-Euro-Kauf des Datenträgers einer Zürcher Filiale der britischen Traditionsbank Coutts bekannt wurde, dass die Behörden den Kauf von zwei weiteren Datenpaketen erwögen. Nach einem Vorabbericht der «Süddeutschen Zeitung» (Donnerstagsausgabe) erwarben die NRW- Steuerbehörden in den vergangenen Wochen insgesamt sogar vier Datenträger.

Einblick in Schulungsmaterial

Insider berichten der «Financial Times Deutschland», dass die Datenträger von Steuerfahndern aus Wuppertal erworben worden seien. Diese sind bereits in der Vergangenheit mit spektakulären Fällen aufgefallen. Auf der zweiten CD finden sich laut der Zeitung Daten einer anderen Schweizer Bank, ohne dass diese namentlich erwähnt würde. Diese Daten seien von Steuerfahndern aus Aachen gekauft worden.

Außerdem sollen die Fahnder von der UBS Schulungsmaterial gekauft haben, das belegen soll, wie die Bank deutschen Kunden Beihilfe zur Steuerhinterziehung leistet. In einer Präsentation soll Mitarbeitern erklärt werden, wie sie deutschen Kunden eine «steueroptimierte» Anlage bei der UBS schmackhaft machen sollen. Neben Kontoverbindungen gehe es bei der UBS auch um Stiftungen, die deutsche Kunden zur Steuerhinterziehung nutzten.

NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans dementierte den Ankauf nicht. «Zu Einzelfällen sage ich grundsätzlich nichts», sagte der SPD-Politiker der Zeitung. «Nur so viel: Das Steuerabkommen mit der Schweiz ist weder in Kraft, noch ratifiziert und auch nicht zustimmungsfähig.»

(L'essentiel Online mit dpa)