Jean-Claude Juncker

24. August 2015 09:03; Akt: 24.08.2015 09:49 Print

«Das ist nicht das Europa, in dem ich leben will»

Der EU-Kommissionschef äußert sich bestürzt über die Situation der Flüchtlinge an den Außengrenzen Europas. Er fordert von den Mitgliedsstaaten «Courage –und zwar jetzt».

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Mazedonien hat vor dem Ansturm von Flüchtlingen kapituliert: Am Sonntag hob das Land die Blockade an der Grenze zu Griechenland auf und ließ Hunderte Migranten, viele von ihnen aus Syrien, passieren. Die Sicherheitskräfte, die in den vergangenen Tagen noch Blendgranaten, Gummigeschosse und Tränengas gegen die Flüchtlinge eingesetzt haben sollen, griffen laut Medienberichten nicht mehr ein.

Die Situation im Niemandsland an der griechisch-mazedonischen Grenze ist trostlos. Tausende Flüchtlinge sitzen dort seit Tagen fest, täglich werden es mehr. Die Flüchtlinge wollen von hier weiter über die «Balkan-Route» Richtung Deutschland, Schweden oder die Niederlande. Wasser und Nahrung sind knapp. Einige essen Korn, das sie in Feldern pflückten. In der Nacht zum Samstag hat es stundenlang in Strömen gegossen. Der Großteil der Flüchtlinge ist vollkommen durchnässt.

«Es war sehr hart in Mazedonien», sagte die Syrerin Emina, bevor sie mit ihrem zweieinhalb Monate alten Baby in den Zug stieg. «Ich habe drei Tage nicht geschlafen und nicht gegessen. Gerade als wir an der Grenze ankamen, haben sie sie geschlossen. Es war schrecklich.»

Gewalt gegen Flüchtlinge in Mazedonien:

Die Not vieler Flüchtlinge an den Außengrenzen Europas bereitet auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker immer größere Sorgen. «Das ist nicht das Europa, in dem ich leben will», schreibt der frühere Luxemburger Premier in einem Beitrag für die Welt am Sonntag. «Wenn wir über Migranten sprechen, dann sprechen wir über Menschen, über Menschen wie Sie und mich» – außer das diese nicht so viel Glück hätten, in einem der reichsten und stabilsten Regionen der Welt geboren zu sein.

«Wir haben in Europa die höchsten Asylstandards der Welt, sagt Juncker. «Niemals würden wir Menschen wegschicken, wenn sie unseren Schutz brauchen. Das ist in unseren Gesetzen und Verträgen festgeschrieben. Ich mache mir allerdings Sorgen, dass das immer weniger in unseren Herzen verankert ist.» In Brand gesetzte Flüchtlingslager, zurückgedrängte Boote, Gewalt gegen Asylbewerber oder nur das Wegschauen bei Not und Hilfsbedürftigkeit – «das ist nicht Europa».

«Keine nationalen Lösungen»

Der EU-Kommissionschef geißelt «Politiker von weit rechts und weit links», die mit ihrem Populismus «nur Groll, aber keine Lösungen» hervorbringen würden. Es sei «wirklichkeitsfremd, zu glauben, dass wir (Europas Grenzen) gegenüber Not, Angst und Elend abriegeln könnten».

Juncker sagt aber auch, dass es «keine wirksamen nationalen Lösungen» gebe. «Wir brauchen einen starken europäischen Ansatz. Und zwar jetzt.» Der oberste Gesetzeshüter wirbt erneut für die von der EU-Kommission vorgeschlagene von 40.000 Flüchtlingen, die aber von etlichen Staaten blockiert wurde. Juncker schlägt zudem einen dauerhaften Not-Mechanismus und eine gemeinsame Liste sicherer Herkunftsländer vor. «Was wir brauchen und was uns noch fehlt, ist die kollektive Courage.»

(jt/dpa/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wicca/Sylvia am 24.08.2015 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    et gett mol heich Zeit dass der irgend eppes ennerhuelt oder wuart der bis dass mer Wanter hun an eis dann gegenseiteg Schness anschloen (oder Is sech ennert hinnen hei anschmuggelt) ...ennerhuelt endlech eppes an hiren Herkunftslänner vir dass se net mei mussen doheem fortlaafen

  • deeblue am 24.08.2015 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    hien huet jo conventioun enerschriwen fir 100 joer an sou deen steen fir en gudden deel vum iwel an drullen bruet.!!!!!!¨¨¨¨

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  • wicca/Sylvia am 24.08.2015 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    et gett mol heich Zeit dass der irgend eppes ennerhuelt oder wuart der bis dass mer Wanter hun an eis dann gegenseiteg Schness anschloen (oder Is sech ennert hinnen hei anschmuggelt) ...ennerhuelt endlech eppes an hiren Herkunftslänner vir dass se net mei mussen doheem fortlaafen

  • deeblue am 24.08.2015 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    hien huet jo conventioun enerschriwen fir 100 joer an sou deen steen fir en gudden deel vum iwel an drullen bruet.!!!!!!¨¨¨¨