Parteipräsident unter Druck

28. November 2012 11:43; Akt: 28.11.2012 13:10 Print

Abtreibungsfrage spaltet ADR

LUXEMBURG – Der ADR-Abgeordnete Jacques-Yves Henckes attackiert Parteichef Fernand Kartheiser offen wegen dessen erzkonservativer Position in der Abtreibungsdebatte.

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Verschiedene Gegner demonstrierten am Donnerstag gegen die Abtreibungsreform, darunter Mitglieder von Pro Europa Christiana. ADR-Präsident Fernand Kartheiser hatte die Aktion begrüßt.

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Die Position des ADR-Präsidenten Fernand Kartheiser in Sachen Abtreibung droht, die konservative Partei zu spalten. Der ADR-Abgeordnete Jacques-Yves Henckes greift in einem Schreiben seinen Parteivorsitzenden jetzt offen an.

Henckes kritisiert, dass Kartheiser sich am Donnerstag in seiner Rede vor der Abgeordnetenkammer gegen das Gesetz ausgesprochen hatte und sich offen mit Mitgliedern von «Pro Europa Christiana» solidarisiert hatte. Die fundamentalistisch christliche Gruppierung, die sich nach eigenen Aussagen für die «Verteidigung der Werte der christlichen Zivilisation» einsetzt, hatte vor dem Parlament mit Kindersarg-Attrappen gegen die Abtreibung demonstriert. Kartheiser hatte gegen die Einführung der Fristenlösung gestimmt und unter anderem gesagt, es gebe «kein Recht auf Abtreibung, sondern nur ein Recht auf Leben».

Kartheiser soll Klarheit schaffen

Henckes, der für seine liberale Positionen innerhalb der Partei bekannt ist und für die Gesetzesreform gestimmt hatte, verlangt nun eine Richtigstellung von seinem Parteivorsitzenden: «Ich verlange von ihm, dass er lediglich sagt, dass seine Aussagen im Parlament und vor der Abgeordnetenkammer seine persönliche Meinung darstellen und nicht die Position der Partei widerspiegeln», so Henckes gegenüber RTL Luxemburg.

Henckes sagte, er könne es nicht akzeptieren, dass Kartheiser in seiner Rede Abtreibung quasi mit Kindermord gleichgestellt habe. Eine Solidarisierung mit Pro Europa Christiane, die Henckes als «schwer geistesgestört» bezeichnete, sei zudem ein verheerendes Signal. Kartheiser dagegen sagte gegenüber RTL: «Die Signalwirkung finde ich ganz logisch, denn ich habe kurz zuvor in meiner Rede die Rechte der Kinder verteidigt. In diesem Sinn ist das kohärent und logisch.»

Kartheiser gibt sich «gelassen»

Es sei das Recht eines jeden Abgeordneten, sich mit Demonstranten zu solidarisieren, wenn er dies wünsche. Parteiintern müsse man dann sehen, ob dies akzeptiert werde oder nicht. «Ich blicke der Diskussion jedoch gelassen entgegen», so Kartheiser.

Kartheiser dementierte zudem Gerüchte, laut denen er Mitglied der Gruppe sei und diese nach Luxemburg bestellt habe: «Ich war überrascht, dass sie da waren, aber wie gesagt freudig überrascht. Denn ich finde es schade, dass keine luxemburgische Organisation, auch nicht die Kirche, dort demonstriert hat.»

(L'essentiel Online/mth)

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