Eugenia Timoschenko

02. August 2012 12:39; Akt: 02.08.2012 18:02 Print

Die Tochter, das Sprachrohr aus der Haft

LUXEMBURG - Premierminister Juncker hat die Tochter der inhaftierten ukrainischen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko empfangen. Eine junge Frau mit nur einem Ziel.

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Berlin, Paris und jetzt Luxemburg: Eugenia Timoschenko, Tochter der inhaftierten ukrainischen Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko, verschafft sich Zugang zu den höchsten politischen Kreisen. Am Donnerstag traf sie im Hôtel de Bourgogne Premierminister Jean-Claude Juncker zu einem Gespräch. Dabei sollte es um die politische Situation in der Ukraine und die persönliche Lage der früheren Regierungschefin gehen.

Mit dem berühmten Familiennamen kämpft Eugenia schier unermüdlich gegen die international umstrittene Inhaftierung ihrer Mutter. Den Ehenamen Carr hat die 32-Jährige abgelegt und ihre einstmals braunen Haare blond gefärbt - für Gegner von Julia Timoschenko muss die Tochter wie ein Spiegelbild der Feindin erscheinen.

Botschafterin der Mutter

Der postsowjetische Aufstieg von Julia Timoschenko im Gasgeschäft machte es möglich, dass die am 20. Februar 1980 in Dnjepropetrowsk geborene Eugenia früh englische Schulen besuchte. Während sich ihre Mutter in der Ukraine immer stärker der Politik widmete, studierte sie später auf der London School of Economics. 2004 heiratete sie den britischen Rockmusiker Sean Carr. «Dass ich nach Kiew zurückkehren würde, schien mir damals doch sehr unwahrscheinlich», sagt sie.

Doch seit dem Prozess gegen Julia Timoschenko war sie fast nur noch an der Seite ihrer Mutter zu sehen. Seit die Oppositionsführerin im Gefängnis sitzt, ist ihre Tochter zu ihrer Botschafterin geworden. Vehement fordert Eugenia die Freilassung der 51-Jährigen und klopft dabei bei den Regierungen der westlichen EU-Staaten und der Europäischen Union an. «Ich glaube, dieser Prozess kann nur von außerhalb der Ukraine gestoppt werden. Die starke Macht in der Ukraine besteht aus denen, die versuchen, meine Mutter fertig zu machen», sagt sie. Öffentlichkeit im Ausland als letztes Mittel der Verteidigung. «Was ich tun kann, ist, ihr zu helfen und die Botschaft zu vermitteln, dass brutale Repressalien gegen sie eingeleitet werden», erklärte Tochter Eugenia kürzlich in einem TV-Interview mit dem ZDF. Sie hat gar eine PR-Agentur engagiert, um sie in ihrer Mission zu unterstützen.

Telefon abgehört, E-Mails gehackt

Als studierte Juristin kümmert sich Eugenia auch als Anwältin um ihre Mutter. Langfristige politische Ambitionen lägen ihr aber fern, sagt die Betreiberin von zwei Gaststätten in Kiew: «Ich tue nichts anderes, als meine Mutter zu schützen», sagte sie in einem Interview.

Eugenia ist das einzige Familienmitglied, das noch für Julia Timoschenko kämpfen kann. Vater Alexander hat in Prag politisches Asyl erhalten. Dabei gerät die Tochter anscheinend selbst ins Fadenkreuz der ukrainischen Regierung. Zwar fühle sie sich nicht bedroht, erklärte sie. Doch der Druck auf sie steige: «Die Machthaber wissen nicht, wie sie mich davon abhalten sollen, Gerechtigkeit für meine Mutter herzustellen. Das Regime bringt sie unerlaubt um ihre Freiheit. Mein Telefon und das meiner Verwandten wurden abgehört. Wir waren lange Zeit unter Beobachtung», teilte sie vor wenigen Tagen mit.

Hacker hätten sich zudem Zugang zu ihrem E-Mail-Account verschafft. Doch das hält Eugenia nicht davon ab, weiter zu kämpfen: «Niemand kann mich einschüchtern. Ich werde den Fall der Freilassung meiner Mutter zu Ende bringen. Meine Mutter ist eine politisch Gefangene. Das Regime wird nicht mehr lange halten. Bald wird sie frei sein, weil die ganze Welt die Unrechtmäßigkeit ihrer Verfolgung erkannt hat.»


Interview im ZDF-Morgenmagazin am 12. Januar 2012. Quelle: Youtube.


Ein Bericht der Agentur dapd Ende April 2012. Quelle: Youtube.

(ks/L'essentiel Online/dpa)