Sensibilisierung mal anders

13. Februar 2014 14:03; Akt: 13.02.2014 15:51 Print

«Wie stehst du zum Cannabis?»

LUXEMBURG - Cannabis erfreut sich bei Jugendlichen großer Beliebtheit. Über die Folgen des Konsums wird jedoch kaum gesprochen. Eine Infokampagne will das ändern.

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Cannabis erfreut sich bei vielen Jugendlichen großer Beliebtheit. (Bild: AFP)

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Die Jugendhäuser Kayl/Tetingen, Nordstad, Hesperingen und Mamer haben in Zusammenarbeit mit dem «Centre de Prévention des Toxicomanies» (CePT), dem SNJ und der «jugend-an drogenhëllef» ein Projekt gestartet, welches nicht die Verteufelung der Droge, sondern Informationsaustausch zum Ziel hat. Seit dem 1. Februar läuft eine Sensibilisierungs-Kampagne, die kiffende Teenager auf die schädlichen Wirkungen des grünen Stoffs aufmerksam machen soll. Mit Hilfe von Zeichnungen, Gedichten, Fotografien und Videos haben junge Menschen zwischen 12 und 26 Jahren bis zum 30. Juni Zeit sich zum Thema Cannabis zu äußern.

Die Verantwortlichen in den verschiedenen Jugendhäusern haben tagtäglich mit jugendlichen Cannabis -Konsumenten zu tun. Einen Joint rauchen, «eng Vick knallen», «e Johnny fëmmen» - mit solchen und weiteren Namen banalisieren viele Konsumenten das Gras-Rauchen. So amüsant diese Schlagwörter auch klingen, so ernst können auch die gesundheitlichen Folgen sein. Doch das wissen viele der Raucher nicht. Zudem werden die Kiffer, nach Angaben des «Réseau Luxembourgeois d‘ Information sur les Stupéfiants et les toxicomanies» (Relis), immer jünger. Kevin (Name von der Redaktion geändert), 29, kifft seit er 15 ist und kann diese Aussage nicht bestätigen: «Schon zu meiner Anfangszeit haben viele bereits mit 12 oder 13 Jahren angefangen zu kiffen. Mir fällt allerdings auf, dass diese jungen Konsumenten regelmäßiger rauchen als damals.»

Die Kampagne soll informieren

Tessy Oth von der Nordstadjugend erklärt das Anliegen des Projekts: «Cannabis wird entweder verteufelt oder verharmlost. Für die einen ist es nur eine sanfte Droge, für die anderen ist es bereits eine Einstiegsdroge zu härterem Stoff. Wir wollen mit unserer Kampagne vor allem informieren.» Auch Jean-Paul Nilles, Präsident des «CePT», unterstreicht diese Aussage: «Junge Menschen wollen Neues ausprobieren. Cannabis ist wie Alkohol und Zigaretten für viele Teenager erforschungswertes Neuland. Die Heranwachsenden sollten jedoch wissen, welche Folgen diese Droge mit sich bringen kann.»

Kevin bestätigt diese Aussage: «Ich habe angefangen mit dem Kiffen weil ich mich gegen meine Eltern auflehnen wollte. Ich setzte Rauchen mit Revoltieren gleich.» Weiter: «Es ist aber wichtig, mit den Jugendlichen über das Thema zu diskutieren. Solange niemand verurteilt wird, ist dies wahrscheinlich das einzige Mittel um junge Leute zu erreichen.» Die Polizei-Kampagne, die im Oktober 2013 gestartet wurde, ist seiner Meinung nach Blödsinn gewesen: «Die Polizei möchte nur Angst und ein schlechtes Gewissen verbreiten. Das akzeptieren Jugendliche nicht.»

Cannabis ist keine Einstiegsdroge

Laut Sofia Lopes, die wissenschaftliche Mitarbeiterin beim «Réseau Luxembourgeois d‘ Information sur les Stupéfiants et les toxicomanies» (Relis) ist, gibt es keine konkreten Zahlen von Cannabis-Konsumenten. Festzustellen ist, dass Kokain und Marihuana sehr gefragt sind, während der Konsum von Heroin abnimmt. Lopes kann zudem ein gängiges Vorurteil gegenüber Cannabis nicht bestätigen: «Viele Menschen denken, dass Cannabis eine Einstiegsdroge ist. Nicht jeder der Cannabis raucht, greift später zu härteren Drogen. Aber viele Drogensüchtige haben mit Marihuana angefangen. Gründe für die Drogensucht findet man nicht im Cannabis, sondern im Umfeld des Abhängigen», erklärt Lopes. Auch Kevin bestätigt diese Aussage der wissenschaftlichen Mitarbeiterin am Relis: «Cannabis ist keine Einstiegsdroge. Das ist nur eine Ausrede von denen, die zu härteren Sachen greifen. Das Umfeld bringt einen dazu, Drogen zu nehmen oder eben nicht.»

Im Rahmen der Infokampagne «Gees de oder stees de» sollen die Jugendlichen mit ihrer Einstellung zum Gras-Rauchen konfrontiert werden: sie selbst sollen Akteure dieser Kampagne sein. Zahlreiche Diskussionen und das Kunstprojekt selbst dienen den Teilnehmern als Austausch –und Informationsplattform.

(Cheryl Cadamuro und Joseph Gaulier/ L' essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • My name is Luca am 14.02.2014 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wäre es denn mit einer Sensibilisierungskampagne gegen Alkohol?!Und dies nicht nur für Judendliche!Alkohol ist legal dennoch ist der Suchtfaktor viel höher als beim Cannabiskonsum und die Schäden die Alkohol auf Dauer mit sich bringt sind im Gegensatz zum Cannabiskonsum viel alarmierender...Jemand der täglich Alkohol konsumiert, sei es auch nur ein Gläschen Wein, ist Alkoholiker.Ausserdem, Cannabis als eine Einstiegsdroge zu ernennen kann man nicht verallgemeinen, das hängt immer vom Charakter einer Person ab.

Die neusten Leser-Kommentare

  • My name is Luca am 14.02.2014 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wäre es denn mit einer Sensibilisierungskampagne gegen Alkohol?!Und dies nicht nur für Judendliche!Alkohol ist legal dennoch ist der Suchtfaktor viel höher als beim Cannabiskonsum und die Schäden die Alkohol auf Dauer mit sich bringt sind im Gegensatz zum Cannabiskonsum viel alarmierender...Jemand der täglich Alkohol konsumiert, sei es auch nur ein Gläschen Wein, ist Alkoholiker.Ausserdem, Cannabis als eine Einstiegsdroge zu ernennen kann man nicht verallgemeinen, das hängt immer vom Charakter einer Person ab.