Preis vergeben

11. Oktober 2012 13:07; Akt: 11.10.2012 13:21 Print

Nobelpreis für Literatur geht an Mo Yan

Der Japaner Haruki Murakami galt einmal mehr als Favorit für den Literaturnobelpreis. Abgeräumt hat den Preis allerdings der Chinese Mo Yan.

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Beobachter hielten es im Vorfeld für möglich, dass das Entscheidungskomitee durch eine Vergabe an den staatstreuen chinesischen Schriftsteller Konflikte mit Peking besänftigen könnte. (Bild: AFP)

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Gebannt hat die Literatur-Welt um 13 Uhr nach Stockholm geblickt: Dort hat die Schwedische Akademie den diesjährigen Preisträger für Literatur ausgezeichnet. Den Preis erhielt der Chinese Mo Yan.

Beobachter hielten es im Vorfeld für möglich, dass das Entscheidungskomitee durch eine Vergabe an den staatstreuen chinesischen Schriftsteller Konflikte mit Peking besänftigen könnte.
Unter den Buchmachern galt der japanische Romancier Haruki Murakami als Favorit für den wichtigsten Literaturpreis der Welt. Doch auch dieses Jahr räumte nicht der Topfavorit ab.

Dörfliches China als literarische Heimat

Der 57-jährige Mo Yan ist einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Schriftsteller Chinas. Im Westen wurde Mo Yan mit seinem Buch «Rotes Kornfeld» (1987) bekannt, das der berühmte Regisseur Zhang Yimou verfilmte. Er ist ein Geschichtenerzähler - inspiriert von den Erzählungen der Bauern in seinem Heimatdorf Gaomi (Provinz Shandong) in Ostchina. Das arme Dorf ist bis heute seine literarische Heimat, auch wenn Mo Yan schon lange in Peking lebt.

Am 17. Februar 1955 als Guan Moye geboren, ist der Schriftsteller in Armut und Klassenkampf aufgewachsen. Er konnte nur fünf Jahre zur Schule gehen. Mit 20 Jahren trat er der Volksbefreiungsarmee bei, wo er als Bibliothekar arbeitete und sein schriftstellerisches Werk begann. Das Chaos der Kulturrevolution (1966-76) prägte Mo Yan.

Viele seiner Bücher sind in andere Sprachen übersetzt worden, was die internationale Aufmerksamkeit für Mo Yan erklärt. Bekannte Werke sind auch «Die Knoblauchrevolte» (1989), «Die Schnapsstadt» (1993) oder «Große Brüste und breite Hüften» (1996). Sein Buch «Wa» (übersetzt: Frosch) von 2009 beschäftigt sich mit der kontroversen chinesischen Ein-Kind-Politik.

Staatstreuer Schriftsteller

Anders als der erste aus China stammende und Frankreich zugeordnete Literatur-Nobelpreisträger Gao Xingjian (2000), der in Paris lebt, oder der häufig als Kandidat genannte Bei Dao, der sich aus dem Exil heraus kritisch mit dem chinesischen Regime auseinandersetzte, ist Mo Yan ein in China etablierter Schriftsteller. Als Mitglied der offiziellen Delegation Chinas bei dem umstrittenen Gastlandauftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2009 musste sich Mo Yan gegen Vorwürfe wehren, nicht genug Distanz zum System zu wahren.

(L'essentiel Online/sda)

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