«Eine kleine Sprache»

24. Februar 2012 11:16; Akt: 24.02.2012 14:13 Print

Luxemburgisch überlebt auch dank Facebook

LUXEMBURG - Ist Luxemburgisch wirklich vom Aussterben bedroht, wie die Unesco annimmt? Nein, ist der Sprachforscher Peter Gilles überzeugt. Ein Interview.

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Der Sprachwissenschaftler Peter Gilles ist im deutschen Grenzgebiet aufgewachsen und beschäftigte sich schon in seiner Doktorarbeit mit der luxemburgischen Sprache. Nicht nur hierzulande würden darüber Studien angefertigt, sondern auch international, erzählt er: «Es ist eine wenige erforschte Sprache. Jeden Tag entdecke ich etwas Neues.» (Bild: Uni Luxemburg)

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Die Unesco geht in ihrem Sprachatlas davon aus, dass das Luxemburgische vom Aussterben bedroht ist. Ist das wirklich so?

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Haben Sie im Alltag das Gefühl, dass immer weniger Luxemburgisch gesprochen wird?

Prof. Dr. Peter Gilles, Sprachwissenschaftler an der Uni Luxemburg: Diese Einschätzung ist mehr oder weniger haltlos. Der Atlas wurde 2007 veröffentlicht, die Daten sind vermutlich noch älter. Nun wurde die Studie wieder hervorgekramt. Hier hat jemand eine Zuordnung gemacht, der das Großherzogtum nicht gut kennt. Die luxemburgische Sprache als bedroht zu beschreiben, ist übertrieben. Warum wird dem Luxemburgischen die Puste so bald nicht ausgehen?

Weil es in der Hälfte aller Familien hierzulande gesprochen und so an die Kinder weitergegeben wird. Es bleibt die wichtigste mündliche Sprache im Alltag. Es breitet sich auch durch das Internet, soziale Netzwerke und SMS weiter aus. Dort schreiben die Leute, wie sie sprechen. Soziale Netzwerke helfen, die schriftliche Form auszuweiten. Zudem gibt es immer mehr Ausländer, die Luxemburgisch lernen und es in ihrem Alltag anwenden.

Die Luxemburger brauchen sich also nicht davor zu fürchten, dass ihre Sprache demnächst ausstirbt?

Nein, aber aufpassen sollten sie dennoch, denn es ist eine kleine Sprache. Es wäre hilfreich, wenn in Schulen verstärkt auf Luxemburgisch unterrichtet würde.

Könnte auch der Staat mehr unternehmen?

In seinen Organen sieht er eher aus wie ein französischer Staat. Bei den Gesetzen ist das nicht so dramatisch, aber es gibt genug Behördentexte, die zusätzlich übersetzt werden könnten. Das Französische wird dadurch nicht verdrängt.

Wir reden nun immer von dem Luxemburgischen als Sprache. Warum ordnen Sie es nicht den Dialekten zu?

Dann wäre es ja ein Dialekt einer anderen Sprache, doch von was? Zu sagen, es sei ein Dialekt vom Deutschen, trifft nicht zu. Es gibt viele Gründe dafür, dass es sich um eine eigene Sprache handelt, die aber im Rahmen der Mehrsprachigkeit funktioniert, denn es gibt viele Berührungspunkte zum Deutschen und Französischen.

Wie stark ist Sprache mit nationaler Identität verbunden?

Sprache ist generell ein wichtiger Identitätspol. Es ist die erste Sprache, die ein Luxemburger in seinem Leben lernt. Die Sprache der Nähe, die man mit Familien und Freunden spricht. Es gibt aber immer mehr Menschen, für die die Dreisprachigkeit Ausdruck nationaler Identität ist. Es existieren also zwei Modelle.

Eine unserer Internetnutzerinnen hat uns in der Kommentarfunktion geschrieben, dass sie in Geschäften das Verkaufspersonal erst einmal auf Luxemburgisch anspricht. Ist solch ein Verhalten darauf zurückzuführen, dass Luxemburger gerne ihre Sprache bewahren möchten?

Ich glaube, es ist vollkommen legitim, die Sprache in der Öffentlichkeit zu erwarten. Warum sollte diese Internetnutzerin es nicht probieren? Vielleicht hat die Verkäuferin ja Luxemburgisch gelernt. Wenn es nicht klappt, kann sie noch immer umschwenken. Ich kann nicht pauschal sagen, ob das ein generelles Verhalten ist und glaube nicht, dass Luxemburger so auf ihre Sprache pochen. Die meisten sind mit der sprachlichen Situation zufrieden. Es gibt wenige Konflikte. Im Vergleich zum Baskischen oder Südtirolerischem, die Minderheitssprachen sind, leben wir hier in großer Harmonie.

(Kerstin Smirr/L’essentiel Online)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tam am 24.02.2012 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Nunja, als ich einmal im Einzelhandel auf Luxemburgisch was bestellen wollte bekam ich ein gemurmeltes "Encore un rassist" zurück...

  • Jim am 24.02.2012 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    ech kennen ganz vill Leit die keen letzebuergesch schwetzen. ech mengen net dat et vill esou Leit ginn dieletzebuergesch schwetzen. Ball an all Geschäfter franseich wie. ech mengen net dat letzebuergesch ganz laang iwwerliewt. Nach sou 20-30 Joer wärd et keen letzebuergesch Sproch mei ginn.

  • KalEl am 24.02.2012 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Dat wier mer awer nei dass hei esou vill Letz geschwat get. Cactus, Saturn, Cora, Match, fier nemmen puer Geschäfter ze nennen wou een just heiert on francais svp!

Die neusten Leser-Kommentare

  • mumu am 27.02.2012 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ech mengen dei Persoun kennt den Alldag net hei am Land. Dass puer Auslänner Lëtzëbuergsch leieren as richteg, mee Majoriteit leider net. Et as äusserst selten dass an den Geschäfter d'Personal eis Landessprooch geschwoat get. Dat as den Problem hei am Land.

  • jo am 24.02.2012 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    DE KAI EI huet recht a weil daat esou ass fuere mir op TREIERwou mir eis Sproch schwetze kennen

  • Jim am 24.02.2012 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    ech kennen ganz vill Leit die keen letzebuergesch schwetzen. ech mengen net dat et vill esou Leit ginn dieletzebuergesch schwetzen. Ball an all Geschäfter franseich wie. ech mengen net dat letzebuergesch ganz laang iwwerliewt. Nach sou 20-30 Joer wärd et keen letzebuergesch Sproch mei ginn.

  • KalEl am 24.02.2012 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Dat wier mer awer nei dass hei esou vill Letz geschwat get. Cactus, Saturn, Cora, Match, fier nemmen puer Geschäfter ze nennen wou een just heiert on francais svp!

  • Tam am 24.02.2012 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Nunja, als ich einmal im Einzelhandel auf Luxemburgisch was bestellen wollte bekam ich ein gemurmeltes "Encore un rassist" zurück...