Neue Tarife ab 1. Juli
28. Juni 2012 12:27; Akt: 28.06.2012 13:08 Print
Urlauber und Grenzgänger surfen günstiger
Am Strand skypen oder im Netz nach dem Weg suchen: Ab Sonntag gelten neue Tarife für die Handy-Nutzung im Ausland. «L'essentiel» verrät, was man beim Roaming beachten sollte.
| Neue Preisgrenzen fürs Roaming | ||||
|---|---|---|---|---|
| Gebühr | derzeit | ab 1. Juli 2012 | ab 1. Juli 2013 | ab 1. Juli 2014 |
| Für Daten (pro Megabyte) | keine Grenze | 70 Cent | 45 Cent | 20 Cent |
| abgehender Anruf (pro Minute) | 35 Cent | 29 Cent | 24 Cent | 19 Cent |
| ankommender Anruf (pro Minute) | 11 Cent | 8 Cent | 7 Cent | 5 Cent |
| SMS (pro Stück) | 11 Cent | 9 Cent | 8 Cent | 6 Cent |
Diese neuen Obergrenzen gelten ab Sonntag fürs Roaming:
Ab Sonntag gelten erstmals von der EU verhängte Preisobergrenzen für Datendownloads im EU-Ausland. Auch für grenzüberschreitende Telefonate und SMS gelten neue Gebühren. 2016 soll das gefürchtete «Roaming» ganz verschwunden sein.
Paris macht Internet kostenlosRoaming-Gebühren adé: Wer auch im Urlaub in Paris auf die Internetverbindung seines Handys nicht verzichten möchte, kommt an rund 400 WLAN-Punkten kostenlos ins Netz. «Zone Wi-Fi» nennt sich die urbane Quelle für den drahtlosen Zugang für mobile Geräte an mehr als 250 Orten.
Tagsüber zwischen 7 und 23 Uhr ist das Netz für jeden nach übereinstimmenden Medienberichten zwei Stunden lang zugänglich. Einloggen kann man sich nahe der in weiß und lila gehaltenen «Zone Wi-Fi»-Schilder - die prangen in Bibliotheken, öffentlichen Einrichtungen oder Museen.
Aber auch im Freien wie auf Bänken in Parks, Gartenanlagen oder Sportzentren können E-Mails verschickt werden. Seit 26. Juni sogar in 46 Stationen der Métro und der Pariser S-Bahn, der RER, im Netz von «Gowex wifi». Die mit Abstand größte Zone für drahtlosen Internetverkehr umspannt der nordöstlich von Paris gelegene Park de la Villette mit einer Fläche von 55 Hektar. «Zone Wi-Fi» begeistert die Franzosen: Etwa 60 Millionen Zugriffe verzeichnet das Netz pro Monat.
Was man beim Telefonieren als grenzgänger oder im Urlaub beachten sollte? Hier gibt's die Antworten auf die wichtigsten Fragen:
Was ist «Roaming» überhaupt?
Das Wort «Roaming» stammt aus dem Englischen und bedeutet in etwa «umherwandern». In der Welt der Telekommunikation steht das für die Möglichkeit, auch in ausländischen Mobilfunknetzen zu telefonieren, angerufen zu werden oder SMS und Daten auszutauschen. Die Anbieter verlangen für die Weiterleitung von Gesprächen und Daten Gebühren, die sogenannten Roaming-Gebühren. Sie machen mit diesen Gebühren rund 4 Prozent des Umsatzes auf dem gesamten EU-Mobilfunkmarkt, das entspricht 5 Milliarden Euro Umsatz.
Wie ist die Lage für Handynutzer derzeit?
Wer sein Handy im Ausland nutzt, muss mit hohen Zusatzkosten rechnen, kritisiert die EU-Kommission. «Die Leute haben es satt, böse Überraschungen zu erleben, wenn sie ihre Rechnung bekommen», sagt die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes. Sie beklagt, dass viele Verbraucher ihr Handy im Ausland abschalten, weil sie die Kostenfalle fürchten: «Ein Mobiltelefon sollte mobil sein.»
Warum sind denn schon wieder neue Vorgaben nötig?
«Weil der Markt nicht funktioniert», so die EU-Kommission. Seit Jahren versucht Brüssel, in Europa die Preise durch Regulierung zu drücken. Seit 2007 gibt es schon Obergrenzen, die seitdem kontinuierlich sinken. Doch sie hatten lediglich zur Folge, dass die Telekom-Firmen jeweils knapp darunter blieben - auch wenn weitere Preissenkungen möglich gewesen wären.
Was ändert sich am 1. Juli?
Ab diesem Sonntag gelten neue gesetzliche Obergrenzen (siehe Tabelle oben), die nach EU-Angaben 75 Prozent niedriger als 2007 sind. Ein Anruf aus dem europäischen Ausland kostet dann maximal 29 statt 35 Cent pro Minute (ohne Mehrwertsteuer). Bis 2014 sinkt die Summe schrittweise auf 19 Cent. Für eine SMS dürfen statt 11 nur noch 9 Cent berechnet werden, bis 2014 nur noch 6 Cent. Das Ziel lautet, dass bis 2016 im EU-Ausland die gleichen Tarife wie im Inland gelten; dann wäre das Roaming abgeschafft.
Was ist neu beim Internet-Surfen im Ausland?
Ab 1. Juli dürfen Anbieter maximal 70 Cent vor Steuern pro Megabyte Datenvolumen verlangen, ab Juli 2014 maximal 20 Cent. Heutzutage zahlt ein Nutzer nach EU-Angaben oft noch bis zu 4 Euro. Ein Megabyte entspricht etwa 100 Mails ohne Anhang, weniger als eine Stunde Internet-Surfen oder einer Minute Musik-Download im MP3-Format.
Wie viel Geld spart der Verbraucher konkret?
Die EU-Kommission rechnet vor: Wenn eine vierköpfige Familie aus Luxemburg eine Woche lang Urlaub in Griechenland, Frankreich oder Italien macht, spart sie bei den Handy-Gebühren rund 280 Euro (gegenüber dem Jahr 2009). Darin sind E-Mails, Surfen im Internet und Hochladen von Fotos enthalten. Ein britischer Geschäftsmann, der mehrfach im Jahr nach Luxemburg reise, spare bis zu 1000 Euro.
Was kann man im Urlaub, auf Geschäftsreise oder als Grenzgänger noch tun?
Verbraucherschützer raten, die Handy-Mailbox vor der Reise ins Ausland auszuschalten oder im Urlaub nicht abzuhören, um Kosten zu sparen. Bei Smartphones sollte der Besitzer einige Funktionen ausschalten. Viele Firmen bieten Pakete fürs Ausland oder für Grenzgänger an.
Wie reagieren die Telefon-Anbieter?
Die Anbieter bemängeln, dass die EU den Unternehmen die Gewinne abgräbt. Nach Ansicht der Branche könnten die Regeln den Verbrauchern sogar schaden, weil den Firmen Geld für Investitionen in den Ausbau der Netze (schnelles Internet) fehle. Für das High-Speed-Internet seien in der EU 220 Milliarden Euro Investitionen nötig.
Und was ist beim Telefonieren außerhalb der EU?
Für Übersee oder Asien gelten die Regeln nicht. Denn die EU kann ihre Gesetzgebung nicht auf außereuropäische Länder anwenden.
(L'essentiel Online mit dpa)












