Gleichgeschlechtliche Paare

18. Juni 2014 17:33; Akt: 18.06.2014 18:38 Print

Parlament macht Weg für Homo-​​Ehe endgültig frei

LUXEMBURG - Schwule und Lesben genießen künftig die selben Rechte wie heterosexuelle Paare. Das Parlament hat am Mittwoch ein entsprechendes Gesetz gebilligt.

storybild

Als elftes europäisches Land erlaubt Luxemburg die Eheschließung von gleichgeschlechtlichen Paaren. (Bild: DPA)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Entscheidung ist gefallen: In Luxemburg sollen künftig auch Homosexuelle die Ehe schließen können und die gleichen Rechte erhalten wie andere Paare. Auch die Volladoption von Kindern ist gleichgeschlechtlichen Paaren künftig erlaubt. Das Parlament hat am Mittwochabend ein entsprechendes Gesetz gebilligt, das Anfang 2015 in Kraft treten soll. 56 Abgeordnete stimmten mit Ja, vier waren dagegen. Gegen das Gesetz stimmten die drei Abgeordneten der Alternativ Demokratesch Reformpartei (ADR) sowie der CSV-Deputierte Aly Kaes.

Luxemburg ist bei diesem Thema weder Vorläufer noch Spätzünder. Das Großherzogtum ist mit dem heutigen Beschluss das elfte Land, dass die «Ehe für alle» gesetzlich freigegeben hat (siehe Infobox).

Großer Mut

«Homosexuelle waren hierzulande lange einer Diskriminierung ausgesetzt. In den vergangenen Jahren haben sich aber viele geoutet und damit großen Mut gezeigt. Es gibt keinen Grund mehr, sie rechtlich zu benachteiligen», sagte Viviane Loschetter, die Fraktionschefin von Déi Gréng, am Mittwoch in der Chamber. «Nun ist die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren endlich offiziell.»

«Das große Problem ist, dass es eine gewisse Homophobie in unserem Land gibt. Sie ist nicht immer klar sichtbar, man findet sie meistens zwischen den Zeilen. Es ist Zeit, dass wir diese Klischees beseitigen», sagte Alex Bodry, LSAP-Fraktionschef im Plenum. Er betonte auch, dass er keine Probleme bei der Kindererziehung in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sehe. «Auch in heterosexuellen Beziehungen läuft nicht alles perfekt. Ganz im Gegenteil. In sehr vielen dieser Familien werden Kinder vernachlässigt und manchmal auch zu Opfern von Gewalt.»

«Schlag ins Gesicht für Alleinerziehende»

Justizminister Félix Braz (Déi Gréng) erklärte, dass die sexuelle Orientierung der Eltern für ein Kind nicht entscheidend sei. «Wichtig ist, dass Eltern mit ihren Kindern verständnisvoll, ehrlich und vor allem zuverlässig umgehen. Das ist das, was Kinder brauchen.» In Übrigen sei die Behauptung, es sei schlecht für Kinder, wenn sie ohne eine Mama und einen Papa aufwachsen, «ein Schlag ins Gesicht für alleinerziehende Mütter und Väter», so Braz.

Auch wenn sich die großen politischen Parteien nach einer langjährigen Diskussion nun geeinigt haben – die ADR wollte sich dem Gesetzesvorschlag nicht anschließen. «Mit dem Gesetz ist eine der wichtigsten Errungenschaften unser Gesellschaft, die Ehe, ruiniert. Der Begriff ist nun zweckentfremdet», sagte der Abgeordnete Roy Reding in der Chamber. Der Zweck der Ehe sei die Gründung der Familie, «warum also sollen sie Paare, die sich nicht fortpflanzen können, in Anspruch nehmen können?».

Die Frage, ob Homo-Paare die selben Rechte wie heterosexuelle Paare genießen dürfen, stößt auch in der Bevölkerung auf geteilte Meinungen. Kritiker wollten das Gleichstellungsgesetz mithilfe einer Online-Petition blockieren, was aber nicht gelang: Die Unterschriftenzahl reichte nicht aus, um eine parlamentarische Debatte zu erzwingen.

(lb/jt/L'essentiel)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christiane Thiel am 20.06.2014 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Die christliche CSV stimmt zu 96 % für die Homo-Ehe mit Adoptionsrecht für Kinder.. ; sie fühlt sich der Schwulenvereinigung Rosa Luxemburg also mehr verpflichtet als der katholischen Kirche, dem Grossherzog und all ihren anderen, traditionellen Wählern...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Christiane Thiel am 20.06.2014 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Die christliche CSV stimmt zu 96 % für die Homo-Ehe mit Adoptionsrecht für Kinder.. ; sie fühlt sich der Schwulenvereinigung Rosa Luxemburg also mehr verpflichtet als der katholischen Kirche, dem Grossherzog und all ihren anderen, traditionellen Wählern...