Multikulti-Fest

26. April 2012 13:31; Akt: 26.04.2012 15:20 Print

ADR-​​Politiker als Redner unerwünscht

LAMADELAINE – Die Schüler des LTMA organisieren ein Multikulti-Fest. ADR-Gemeidnerat Joe Thein sollte eine Rede halten - der Schulleiter erteilte dem eine Absage.

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Auf der Veranstaltung sollte ein «berühmter luxemburgischer Politiker» reden - die Schüler hatten jedoch versäumt, eine Genehmigung einzuholen und im Vorfeld zu klären, um wen es sich dabei genau handelt.

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Integration ist für die Schüler des Lycée Technique Mathias Adam in Lamadelaine ein wichtiges Thema – ein Großteil der Schüler haben einen Migrationshintergrund. Deshalb organisierten sie im Rahmen eines Schulprojektes am Samstag eine Télévie-Benefizveranstaltung mit dem Titel «Journée Multiculturelle», in dessen Rahmen die verschiedenen Herkunftsländer und Kulturen der Schüler vorgestellt werden sollen.

Laut Plakat, das neben den Logos namhafter luxemburgischer Unternehmen auch jenes der Ausländerhilfsorganisation Asti trägt, werden kulinarische Spezialitäten, Musikdarbietungen und Folkloretänze versprochen, oben prangen neben einem großen «Roude Léiw» die Fahnen der vier wichtigsten Nationalitätengruppen, die an der Schule vertreten sind: Portugal, Italien und Montenegro.

ADR-Jungpolitiker als Redner zum Thema Multikulturalismus?

Als Highlight war ein Vortrag über Luxemburg und die Herkunftsländer der Schüler mit Migrationshintergrund vorgesehen - war, den genau hier passierte eine Panne.

Als Redner, im Programm nur als «berühmter luxemburgischer Politiker» angekündigt, war der Petinger Gemeinderat Joe Thein (ADR) eingeladen. Das Problem: Die Schüler hatten den 20-jährigen Kommunalpolitiker, einer ihrer Mitschüler am LTMA, eingeladen, ohne Schuldirektor Edgar Muller darüber zu informieren. Als dieser den Namen des Referenten erfuhr, verbot er den Auftritt.

Direktor: «Keine persönliche Sache»

«Es entspricht nicht der Linie unserer Schule, politische Veranstaltungen zuzulassen», so Muller gegenüber «L’essentiel Online». Die Einladung an Joe Thein sei nicht abgesprochen gewesen und zudem gebe es strikte Richtlinien des Bildungsministeriums, was politische Aktivitäten an Schulen betreffe – diese müssten auf jeden Fall im Vorfeld genehmigt werden, so Muller: «Das Redeverbot ist nicht gegen Herrn Thein persönlich gerichtet und ich habe das mittlerweile auch mit ihm und seinen Eltern geklärt».

Die Schüler allerdings witterten Zensur und sehen Joe Thein jetzt als Opfer eines politisch motivierten Boykotts. «Wir wünschen uns, dass der Direktor seine Entscheidung noch einmal überdenkt,» so einer der Schüler der Organisationsgruppe. Die Absage an Joe «basiere wohl auf Vorurteilen», weil die ADR als ausländerfeindliche Partei angesehen werde, mutmaßen die Schüler. «Dabei haben die in der Vergangenheit Claude Turmes von den Grünen eingeladen, das ist doch auch ein Politiker,» so der Vorwurf an die Direktion.

Joe Thein: «fehlende politische Neutralität der Schulleitung»

Joe Thein selbst sieht ebenfalls ein Problem mit der politischen Neutralität in seiner Schule: «Meine Rede war nicht als politische Stellungnahme geplant und sollte auch keinesfalls die Position der ADR wiederspiegeln. Ich kann die Entscheidung nachvollziehen, da keine Genehmigung für meinen Auftritt vorlag. Ich denke trotzdem, dass der Direktor eine Gelegenheit verpasst hat, das wichtige Thema der Multikulturalität an unserer Schule zu thematisieren», so Thein gegenüber «L’essentiel Online».

Der Jungpolitiker, der sich politisch als «wertkonservativ» und «patriotisch» beschreibt, will die Absage seines nach eigener Aussage unpolitisch gedachten Auftritts jetzt durchaus politisch thematisieren: «Ich denke dass diese Sache schnell geklärt gewesen wäre, wenn ich Mitglied einer anderen Partei wäre», so Thein, der sich vorstellen kann, dass die aus seiner Sicht «fehlende politische Neutralität des Erziehungsministeriums und einzelner Lehrkräfte» Thema einer parlamentarischen Frage durch seine Partei werden sollte.

Parteipropaganda an der Schule?

Schuldirektor Edgar Muller weist Vorwürfe politischer Parteinahme von sich: «Es stimmt wohl, dass beispielsweise der grüne Europaabgeordnete Claude Turmes schon Gast an unserer Schule war und über das Thema Europapolitik referierte. Er tat dies jedoch einzig und allein in seiner Funktion als Mitglied des Parlaments und nicht als Politiker von Déi Gréng, wie die Abgeordneten anderer Parteien übrigens auch», so Muller, der Joe Thein eine derartige Neutralität offenbar nicht zutraut.

Der Grund liegt möglicherweise, darin, dass Thein vor einigen Monaten bereits in der Facebook-Gruppe der LTMA Links zu ADR-Stellungnahmen gepostet hatte – ein Vorgehen, das Direktor Muller umgehend unterband: «Wir konnten doch nicht zulassen, dass Herr Thein auf einer Seite, die den Namen unserer Schule trägt, Werbung für die Ansichten seiner Partei macht». Thein habe das eingesehen und die Einträge selbst wieder entfernt.

(Michel Thiel / L'essentiel Online)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Raymond Klein am 27.04.2012 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Dass dem Direktoren Claude Turmes lieber ist als Joe Thein, kann ich verstehen. Dass er von oben herab die Schüler gewissermassen vor sich selber schützen will, halte ich für inakzeptabel. Wer so seine poltiischen Feinde bekämpft, wird ihnen am Ende sehr ähnlich sehen.

  • Hubert Hollerich am 26.04.2012 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ich kann die Schuldirektion für ihre mutige aber konsequente Entscheidung nur beglückwünschen. Als ehemaliger LTMA-Schüler, einer Schule wo solidarisches Mit- und Nebeneinander verschiedener Nationalitäten stets eine wichtige Rolle gespielt hat, hätte ich als Frechheit empfunden, wenn braune Gesinnungsgenossen à la Thein ihre menschenverachtende, reaktionären "Theorien" zum Besten geben dürften. Applaus für die Direktion!

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  • muller biggi am 26.04.2012 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Hubert Hubert echkennen dech an deng Astellung och nach ze gud well du wrs jo bei mer an der Schoul also schwetz leiwer net ze hard nedu

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lucas am 27.07.2012 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Den ADR steet also konservativ lénks, wann net riets? Iergendwéi muss een opfalen, an der Politik.

  • Thein Mario am 11.05.2012 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Et sollt ee mol e parlamentaresche Grupp domat beoptrage fir d'Adr ze verbidden ewéi dat an Daitschland mat der NPD probéiert gett. Déi geblendte Schüler di mer och Leed... et sollt mol ee se opklären.

  • Cédric E. am 28.04.2012 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Geint d'obhuelen vun bestemmten Asylanten ass net gleich ze setzen mat geint all d'Auslänner, bzw. Rassismus! An wann eng Persoun (oder een Politiker) der Menung ass dass daat den beschten Wee fir d'Land ass ass et sougur seng Pflicht sech derfir an ze setzen. Mee wourop ech rauswell, ech fannen et schon ganz schlem dass dn Direkter et verbueden huet!, jiddereen sollt een recht hun sech eng egen Menung ze maan (zumols wann et net mol em d'Partei selwer geet) an sou kenn een daat bestemmt net. Kloer verschidden Leit steiert eng patriotesch Partei wei d'ADR, mee och anerer steieren Parteien wei

  • Wandjang am 27.04.2012 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    et ka wierklech nët sin dass ee Möchtegernpolitiker, deen op der Manif géint Aylanten an der éischter Reih stoung, deen éifreg géint d'Ophuele vun Asylanten ënnerschriwen huet, deen op sengen internetpräsenzen déi komeschsten Saachen iwer Auslänner geschriwen huet, och nach dierft op engem Schüler-Multi-Kulti-fest eng Ried haalen. Bravo Direktioun.

  • Raymond Klein am 27.04.2012 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Dass dem Direktoren Claude Turmes lieber ist als Joe Thein, kann ich verstehen. Dass er von oben herab die Schüler gewissermassen vor sich selber schützen will, halte ich für inakzeptabel. Wer so seine poltiischen Feinde bekämpft, wird ihnen am Ende sehr ähnlich sehen.