Charlottesville

13. August 2017 10:16; Akt: 13.08.2017 10:18 Print

Auto rast in Demo, dann stürzt Heli ab – 3 Tote

In der US-Kleinstadt Charlottesville ist ein Autofahrer in eine Gegendemonstration gegen Rechtsextreme gefahren. Donald Trump hat bereits reagiert – und heftige Kritik geerntet.

Zusammenstösse in Charlottesville: Ku Klux Klan und Gegendemonstranten geraten aneinander: (Video: Tamedia/AFP/Storyful)

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Am späten Samstagnachmittag stürzte ein Helikopter in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia ab und riss zwei Menschen in den Tod - den Piloten und eine Einsatzkraft, die für die Polizei im Einsatz waren. Die Ursache werde nun untersucht.

Der Vorfall ereignete sich in der Nähe des Demonstrationsortes, wo Stunden zuvor ein Auto in friedlich gegen eine Kundgebung weißer Nationalisten demonstrierende Menschen gefahren war. Dabei kam eine 32-jährige Frau ums Leben, mindestens 35 wurden verletzt, einige davon schwer. Zwischen beiden Vorfällen stünde eine Verbindung, gab die Polizei am Abend bekannt. Weitere Details dazu wurden vorerst nicht mitgeteilt.



Mindestens eine Person war zu sehen, die am Boden sofort nach dem Vorfall medizinisch behandelt wurde. Der Fahrer des Autos, das in eine Reihe von mehreren Hundert Menschen fuhr, wurde festgenommen, wie der Minister für öffentliche Sicherheit von Virginia, Brian Moran, mitteilte.

Bei dem Täter soll es sich um den 20-jährigen James Alex Fields aus Ohio handeln, wie CNN berichtet. Der Vorwurf: «Mord mit bedingtem Vorsatz, vorsätzliche Körperverletzung und Flucht von einem Unfall mit Todesfolge».

Laut dem Gefängnis von Albemarle-Charlottesville befindet sich der Verdächtige in Untersuchungshaft. Nach den Angaben von Anwälten mit Fokus auf Virginia handelt es sich bei böswilliger Körperverletzung um eine Tat, die mit Absicht und im vollen Bewusstsein – also nicht im Affekt – verübt worden ist. Alleine dafür sind in dem US-Staat Haftstrafen zwischen fünf und 20 Jahren möglich. Inzwischen hat sich auch das FBI eingeschaltet und untersucht den Vorfall.

Der Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, erklärte wegen der Kundgebung von Anhängern einer weißen Vorherrschaft den Ausnahmezustand. Nach chaotischen Zusammenstössen zwischen weißen Nationalisten und Gegendemonstranten ordneten Polizisten in Schutzausrüstung Protestierende bei der Versammlung in Charlottesville an, auseinanderzugehen. Hunderte Menschen warfen Wasserflaschen und wandten chemische Sprays gegeneinander an. Mindestens acht Menschen wurden dabei verletzt und eine Person wurde im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen festgenommen.

Augenzeugen sagten, das Auto sei in eine Menge von Menschen gefahren, die gegen die Kundgebung weißer Nationalisten protestiert hätten. Die Nationalisten sind gegen die Entfernung einer Statue des Konföderationsgenerals Robert E. Lee durch die Stadt Charlottesville. Der rechte Blogger Jason Kessler hatte zu einer nach seinen Worten «proweißen» Kundgebung aufgerufen.

US-Präsident Donald Trump verurteilte die Zusammenstösse. Es handele sich um eine «unerhörte Zurschaustellung von Hass, Engstirnigkeit und Gewalt auf vielen Seiten». Trump forderte «eine schnelle Wiederherstellung von Recht und Ordnung und den Schutz von unschuldigen Leben». Die Amerikaner müssten «mit Liebe für unsere Nation und...wahrer Zuneigung für einander zusammenkommen».

Trump sagte, er habe mit McAuliffe gesprochen. Sie seien sich einig gewesen, «dass der Hass und die Spaltung aufhören müssen und sofort aufhören müssen».

Einige der weißen Nationlisten beriefen sich auf Trumps Wahlsieg als Bestätigung für ihre Einstellungen.

US-Justizminister Jeff Sessions verurteilte die Tat: «Die Gewalt und die Toten in Charlottesville treffen das Herz der amerikanischen Justiz und Gerechtigkeit.» Wenn Handlungen aus rassistischen Motiven und Hass verübt würden, könne das nicht toleriert werden. «Sie verraten unsere zentralen Werte.»

Kämpfe bereits am Abend zuvor

Der Direktor des Zentrums für Extremismus der Anti-Defamation League, Oren Segal, sagte, mehrere Gruppen für eine weiße Vorherrschaft hätten sich in Charlottesville versammelt, darunter Mitglieder von Neo-Nazi-Organisationen, rassistische Skinhead-Gruppen und Ku-Klux-Klan-Faktionen. Die Behörden rechneten mit bis zu 6000 Teilnehmern und Gegendemonstranten, wie die Polizei mitteilte.

Es gab bereits am Freitagabend Kämpfe, als Hunderte weiße Nationalisten durch den Campus der University of Virginia marschierten und dabei Fackeln trugen. Ein Universitätssprecher sagte, eine Person sei festgenommen und mehrere Personen seien verletzt worden.

Der Bürgermeister von Charlottesville, Michael Signer, sagte, er finde es abstoßend, dass weiße Nationalisten in seine Stadt gekommen seien. Er warf Präsident Trump vor, mit seinem Wahlkampf im vergangenen Jahr rassistische Vorurteile geschürt zu haben.

Kritik an Trump

Der US-Präsident, der «viele Seiten» für die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Rechtsextremisten und Gegendemonstranten in Virginia verantwortlich machte, musste für seine Bemerkung Kritik von Demokraten und Republikanern eingebracht.

So twitterte Cory Gardner, republikanischer Senator aus Colorado via Twitter: «Mr. President – wir müssen das Böse beim Namen nennen. (...) Das war inländischer Terrorismus.»

Marco Rubio, republikanischer Senator aus Florida via Twitter: «Nichts ist patriotisch an #Nazis, dem #KKK oder #WhiteSupremacists Es ist das direkte Gegenteil von dem, was #America versucht zu sein.»

Mark Herring, Justizminister im US-Staat Virginia und Demokrat: «Gewalt, Chaos und der Verlust von Leben in Charlottesville ist nicht die Schuld «vieler Seiten». Es ist die von Rassisten.»


(L'essentiel/nag/sda/afp)

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