Interne Konflikte

14. Dezember 2012 12:57; Akt: 14.12.2012 18:37 Print

Die ADR-​​Spitze zerbricht

LUXEMBOURG – Jacques-Yves Henckes und Marc Gatti verlassen die ADR. Ihr Parteifreund Jean Colombera äußerte ähnliche Absichten. «Schade», findet ADR-Präsident Kartheiser.

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Henckes sagte gegenüber Radio 100,7, es gebe unüberbrückbare Differenzen auf politischer Ebene zwischen ihm und dem ADR-Parteipräsidenten Fernand Kartheiser. (Bild: Editpress)

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Jacques-Yves Henckes und Vizepräsident Marc Gatti verlassen die ADR. Henckes kündigte seinen Austritt am Freitag in einem Interview mit Radio 100,7 an. Er wolle bis zu den kommenden Landeswahlen als unabhängiger Abgeordneter weiter im Parlament bleiben. Am Nachmittag kündigte ADR-Vizepräsident Marc Gatti ebenfalls seinen Austritt an.

Henckes sagte gegenüber Radio 100,7, es gebe unüberbrückbare Differenzen auf politischer Ebene zwischen ihm und dem ADR-Parteipräsidenten: «Seit Herr Kartheiser Vorsitzender der Partei geworden ist, wird der Gegner nicht mehr außerhalb, sondern innerhalb der Partei gesucht.» Es gebe fundamentale Meinungsverschiedenheiten, was Themen wie die Trennung von Kirche und Staat, die Europapolitik und Gesellschaftsfragen betreffe. Ein Teil der Parteimitglieder vertrete zunehmend erzkonservative und euroskeptische Positionen.

Konfliktsituation würden aufgebaut, statt Kompromisse gefunden. «Ich habe das nicht mehr nötig», so Henckes. Innerhalb der Partei gebe es Streit zwischen einer wertekonservativen und einer eher sozialliberalen Strömung. Da Fernand Kartheiser dem konservativen Flügel angehöre, nehme er seine Rolle als Vermittler nicht wahr, sondern dränge Parteimitglieder mit liberaleren Ansichten in die Ecke.

Colombera als Nächster?

Der Ankündigung von Jacques-Yves Henckes am Freitag, die ADR zu verlassen, könnte in einem Monat die seines Parlamentskollegen und bisherigen Parteifreundes Jean Colombera folgen. Er gebe Präsident Kartheiser einen Monat Zeit, sich auf einer Pressekonferenz für die Wertneutralität seiner Partei auszusprechen, sagte der Nordabgeordnete Colombera Tageblatt.lu. Andernfalls werde er wie sein Freund Henckes ebenfalls die ADR verlassen.

Abtreibungsfrage als Vorspiel

Der Parteisaustritt von Jacques-Yves Henckes kommt nicht unvermittelt, hatte die Position des ADR-Präsidenten Fernand Kartheiser in Sachen Abtreibung doch bereits Ende November für einen offenen Konflikt gesorgt. Jacques-Yves Henckes, der die Liberalisierung der Abtreibung befürwortet, hatte seinen Parteivorsitzenden in einem Schreiben offen angegriffen.

Der 67-jährige Henckes sitzt seit 1984 im Parlament, zunächst als Abgeordneter der DP. Ein Jahr nach der Gründung der ADR trat er 1994 in die damals als «Aktionskomitee für Demokratie und Rentengerechtigkeit» gegründete Bewegung ein.

(L'essentiel Online/mth)

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