Vatikan

02. Juli 2012 16:30; Akt: 02.07.2012 17:02 Print

Papst setzt Hardliner auf Schlüsselposten

Der Regensburger Bischof Müller wird Chef der Glaubenskongregation. Die Entscheidung des Papstes stößt auch auf Kritik.

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Bischof Gerhard Ludwig Müller gilt unter Kirchenkritikern als konservativer Hardliner und «Scharfmacher». (Bild: DPA)

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Papst Benedikt XVI. hat den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller zum neuen Präfekten der einflussreichen Glaubenskongregation ernannt. Das teilte der Vatikan am Montag mit. Der 64 Jahre alte Geistliche wird damit zum obersten Glaubenshüter der katholischen Kirche. Benedikt erhob Müller gleichzeitig mit dem Ruf nach Rom zum Erzbischof.

Der 64-Jährige löst auf diesem wichtigen Posten in der römischen Kurie den amerikanischen Kardinal William Joseph Levada ab, der im Alter von 76 Jahren in den Ruhestand tritt. Levada war als Präfekt der Kongregation Nachfolger von Joseph Ratzinger. Ratzinger hatte das Amt bis zu seiner Wahl zum Papst 2005 mehr als zwei Jahrzehnte lang inne.

Hardliner und Gegner der Kirchenkritiker

Müller - ein gebürtiger Mainzer - war seit 2002 Oberhirte im Bistum Regensburg. Der 64-Jährige ist unter Theologen hochangesehen. Er gilt aber auch als Hardliner im Klerus, Kirchenkritiker hat er oft mit scharfen Worten angegriffen. «Ich bin nicht konfliktsüchtig - aber auch nicht harmoniesüchtig», sagte er einmal. «Ich gehe einfach den Weg, den man gehen muss.»

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) reagierte «mit großer Freude» auf die Entscheidung des Papstes. «Die Deutsche Bischofskonferenz ist stolz, dass einer ihrer Mitbrüder künftig diese wichtige Aufgabe an der römischen Kurie wahrnehmen wird», erklärte der DBK-Vorsitzende und Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. Müller sei einer der «profiliertesten Theologen der Gegenwart». Er habe als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte die zeitgemäße Darstellung des kirchlichen Glaubens weltweit geprägt.

Katastrophale Fehlbesetzung

Der katholische Theologe Hans Küng in Tübingen nannte dagegen Müllers Berufung eine «katastrophale Fehlbesetzung». «Als Präfekt der Glaubenskongregation ist dieser bornierte Scharfmacher fehl am Platz», sagte Küng am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Wem an einer zeitgemäßen Verkündigung des christlichen Botschaft gelegen sei, der könne an einer solchen Entscheidung verzweifeln. «Konflikte in der von Skandalen geschüttelten Kurie und römischen Kirche sind mit Müllers Ernennung vorprogrammiert.» Küng war 1979 auf Initiative der Glaubenskongregation in Rom die kirchliche Lehrbefugnis entzogen worden.

Von Levada übernimmt Müller auch alle anderen Leitungsfunktionen in Rom. Er wird Präsident der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, die sich vor allem mit den abtrünnigen erzkonservativen Piusbrüdern auseinandersetzt. Müller leitet künftig im Vatikan zudem die Internationale Theologenkommission und die Bibelkommission.

Stärkung der Konservativen

Seit langer Zeit war über einen Wechsel des vom Papst geschätzten Theologen und in Deutschland umstrittenen Bischofs nach Rom spekuliert worden. Müller sitzt im Vatikan bereits in mehreren Gremien und ist seit 2007 Mitglied der Glaubenskongregation.

In seinem Bistum war der ehemalige Dogmatikprofessor vor allem wegen einer umfassenden Umgestaltung der katholischen Laienräte früher scharf kritisiert worden. Ratzinger hatte schon immer eine enge Verbindung zu Müller. Dieser dürfte nach der Amtsübernahme in absehbarer Zeit dann auch zum Kardinal ernannt werden.

(L'essentiel Online/dpa)

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