Tiefe Löhne

13. Juli 2015 12:01; Akt: 13.07.2015 14:33 Print

Airline-​​Crew bettelt bei Passagieren um Trinkgeld

Das Kabinenpersonal eines Flugs der Airline Swiss forderte die Passagiere auf, Trinkgeld zu geben. Damit wollte die Crew auf den Lohndruck aufmerksam machen.

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Eine Flugbegleiterin bedient die Passagiere der Economy-Class in einem Flugzeug der Swiss. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Nach der Landung des Swiss-Flugs von Malaga nach Zürich staunten die Flugpassagiere letzten Mittwoch nicht schlecht, als sie das Flugzeug verließen. «Trinkgeld willkommen, wenn Ihnen der Flug gefallen hat», stand auf einem Kässchen beim Ausgang der Swiss-Maschine. Aufgestellt wurde es vom Kabinenchef Marvin S.*, der zuvor per Ansage auf die Aktion aufmerksam gemacht hatte.

«Heute habe ich einen mutigen Tabubruch begangen», berichtet Marvin S. kurz darauf den 1160 Mitgliedern der Facebook-Gruppe QVK (Quo vadis Kapers?), in der sich das Kabinenpersonal austauscht. Die Facebook-Gruppe wurde Anfang 2012 von Flugbegleitern gegründet, weil die Swiss die Flugbegleiter zu Weihnachten statt mit einer Gratifikation bloß mit einem Käse-Holzbrettchen belohnt hatte.

31 Euro kassiert

Die 108 mehrheitlich jungen Passagiere im Flugzeug hätten 33 Franken (ca. 31,4 Euro) Trinkgeld in die Kasse geworfen, schreibt Marvin S. im Facebook-Post weiter. Mit der Trinkgeld-Aktion wollte der Flugbegleiter auf den enormen Lohndruck beim Flugpersonal aufmerksam machen. «Die Tarife zerfallen und das müssen wir alle gemeinsam als Mitarbeiter im eigenen Geldbeutel verkraften», schreibt er. Nun sei es an der Zeit, umzudenken und neue Einnahmequellen zu generieren.

Auch wenn die Crew das Geld am Ende nicht in die eigene Tasche steckte, sondern einer gemeinnützigen Organisation spendete, stößt die Aktion bei den Facebook-Usern auf wenig Verständnis. «Je länger ich mir das überlege, desto mehr komme ich zum Schluss, dass man so dumm nicht sein kann. Du verarschst uns, oder?», schreibt eines der Mitglieder. Ein anderes meint: «Dumm, dümmer, saudumm! Nicht jammern, wenn in Kürze wieder jemand freigestellt ist.»

Swiss nicht erfreut

Auch die Fluggesellschaft Swiss zeigt sich wenig erfreut. Auf Anfrage unserer Kollegen von 20 Minuten bestätigt sie den Vorfall. «Dieses Vorgehen entspricht nicht unseren Vorstellungen von Qualität und Kundenservice», sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller. Die Angelegenheit werde nun intern abgeklärt. Ob Marvin S. nun mit einer Kündigung rechnen muss, wollte Müller nicht kommentieren. Marvin S. selbst wollte sich nicht zum Vorfall äußern.

(L'essentiel/20min.ch/Bettina Zanni)

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