Bürgerkrieg in Sri Lanka

16. Juni 2011 17:38; Akt: 16.06.2011 17:53 Print

Brutale Bilder als Belege für Kriegsverbrechen

Ein neuer Dokumentarfilm zeigt schockierende Aufnahmen aus der Endphase des Bürgerkriegs in Sri Lanka. Die britische Regierung fordert eine Untersuchung wegen Kriegsverbrechens.

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Ausschnitt aus dem Video, das die Hinrichtung von Gefangenen zeigt. (Bild: Keystone/AP)

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Ein Vierteljahrhundert herrschte in Sri Lanka Bürgerkrieg. Vor zwei Jahren kam es zum blutigen Finale: Die Regierungstruppen besiegten die Befreiungstiger von Tamil Eelam, ihr berüchtigter Anführer Vellupillai Prabhakaran wurde getötet. Präsident Mahinda Rajapaksa kündigte an, die Versöhnung zwischen den Singhalesen und der tamilischen Minderheit voranzutreiben, doch das Verhältnis zwischen den Volksgruppen bleibt labil.

Von Anfang an gab es Vorwürfe wegen Kriegsverbrechen an beide Seiten. Ein im April veröffentlichter Bericht eines UNO-Expertengremiums hielt fest, es lägen «glaubwürdige Hinweise» für zahlreiche schwere Verstöße gegen internationales Recht vor. Nun liefert ein 50-minütiger Dokumentarfilm, den der britische Fernsehsender Channel 4 diese Woche ausgestrahlt hat, mit teilweise drastischen Bildern weitere Indizien für Gräueltaten.

Handy-Videos von Soldaten

Im Visier des Films mit dem Titel «Sri Lanka’s Killing Fields» ist in erster Linie die Armee. Sie soll ein Spital mit tamilischen Flüchtlingen wiederholt beschossen haben. Besonders schockierend sind Videobilder von gefesselten Menschen, die von Uniformierten regelrecht hingerichtet werden. Teilweise waren sie bereits kurz nach Kriegsende veröffentlicht worden. Weitere Aufnahmen zeigen tote Frauen, die angeblich sexuell missbraucht wurden.

Es handelt sich überwiegend um Handy-Videos, die laut Channel 4 von sri-lankischen Soldaten als Trophäen gemacht wurden. Der Sender verschweigt nicht, dass auch die Tamil Tigers verbrecherische Methoden angewendet haben. Die Rebellen waren für ihre Brutalität berüchtigt, sie setzten Kindersoldaten und Selbstmordattentäter ein. In der Endphase des Krieges sollen sie Zivilisten als «menschliche Schutzschilde» missbraucht haben.

Regierung zweifelt an Echtheit

Dennoch ist in erster Linie die Regierung von Mahinda Rajapaksa unter Druck. Sie wies am Mittwoch die im Film erhobenen Anschuldigungen «kategorisch» zurück und zweifelte die Echtheit des Bildmaterials an. Der Film könne den Versöhnungsprozess beschädigen, er diene einzig «den Interessen separatistischer Kräfte außerhalb Sri Lankas, deren Ziel es ist, das Land in den Krieg zurückzuwerfen», heißt es in einer Mitteilung.

Gegen eine internationale Untersuchung hat sich die Regierung bislang mit Händen und Füssen gewehrt, auch die UNO hat nur eine interne Ermittlung angeordnet. Das könnte sich nun ändern. Alistair Burt, Staatssekretär im britischen Außenministerium, zeigte sich «schockiert über die schrecklichen Szenen» im Dokumentarfilm und erneuerte die Forderung nach einer «unabhängigen, umfassenden und glaubwürdigen Untersuchung».

Die britische Regierung erwarte Fortschritte bis zum Jahresende, andernfalls müsse die internationale Gemeinschaft «alle Optionen prüfen, um die sri-lankische Regierung zur Einhaltung ihrer Verpflichtungen zu bewegen». Auch die USA erhöhen den Druck auf Colombo. Sie haben Sri Lanka auf eine Liste von 14 Staaten gesetzt, die sie vor der UNO wegen Menschenrechtsverletzungen zur Verantwortung ziehen wollen.

(L'essentiel online/pbl)