Meteoriteneinschlag

15. Februar 2013 14:56; Akt: 15.02.2013 15:17 Print

«Ein Abschuss ist schwer vorstellbar»

Am frühen Morgen gab es Gerüchte, der Meteorit über Russland sei von der russischen Luftabwehr abgeschossen worden. Ob das möglich ist, erklärt Weltraumexperte Leya.

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Herr Leya, hat der Meteoriteneinschlag in Russland etwas mit dem Asteroiden 2012 DA14 zu tun, der heute in nur 27'700 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeifliegt? Ingo Leya: Das habe ich mich auch gefragt. Ich habe aber gelesen und mir erklären lassen, dass es von den Bahndaten her ausgeschlossen ist, dass die zwei Objekte zusammengehören. Es ist also reiner Zufall.

Können Meteoriteneinschläge vorhergesagt werden? Nein. Objekte dieser Größe werden nicht aktiv überwacht. Dafür gibt es schlicht zu viele. Die Weltraumbehörden beschränken sich auf die Überwachung größerer Objekte, wie zum Beispiel Asteroiden.

Wie lange vor dem Einschlag kann man einen Meteoriten entdecken? Die Vorwarnzeit bei einem Meteoriten ist sehr kurz. Besonders wenn er aus der Richtung der Sonne kommt, ist er kaum zu erkennen. Dann bleiben maximal 15 Minuten, bis das Objekt auf der Erde einschlägt.

Gibt es eine Mindestgröße für Himmelskörper, die überwacht werden können? Es ist weniger eine Frage der Größe. Entscheidend ist, ob das Objekt auf einer erdkreuzenden Bahn unterwegs ist. Wenn ausgeschlossen werden kann, dass ein Objekt in die Nähe der Erde kommt, wird es nicht überwacht.

Gibt es eine globale Behörde, die die Überwachung koordiniert? Eine Behörde gibt es nicht, aber eine zentrale Datenbank, wo die Beobachtungen gesammelt werden. Die Hauptarbeit wird dabei von Hobbyastronomen geleistet, die den Himmel mit ihren Teleskopen absuchen und ihre Beobachtungen dann in die Datenbank eingeben, wo sie mit den Beobachtungen der Weltraumbehörden abgeglichen werden.

Wie groß war der Meteorit, der heute in Russland eingeschlagen ist? Das kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Da Aufnahmen des Feuerballs gemacht wurden, wird es aber möglich sein, die Größe des Meteoriten zu berechnen.

Wie oft kommt ein solches Ereignis vor? Öfter als man vielleicht denkt. Im Oktober 2008 ist ein kleiner Asteroid in der nubischen Wüste in Nordafrika eingeschlagen. Von diesem 2008 TC3 genannten Himmelskörper hat man viele Bruchstücke gefunden. Allerdings war das Ereignis in den Medien nicht so präsent, weil es fernab der Zivilisation erfolgte und keine Handyaufnahmen davon existieren.

Gibt es Regionen auf der Erde, die aufgrund physikalischer Gegebenheiten häufiger Meteoriteneinschläge verzeichnen? Nein. Meteoriten können überall einschlagen. Irgendwann wird ein Meteorit auch in dicht besiedeltem Gebiet einschlagen. Das ist nur eine Frage der Zeit.

Gemäß den russischen Streitkräften hat die Luftwaffe den Meteoriten abgeschossen. Halten Sie das für realistisch? Die Vorstellung fällt mir schwer. Der Meteorit wird als Feuerball sichtbar, wenn er in die Atmosphäre eintritt, also in etwa 20 Kilometern Höhe. Zu diesem Zeitpunkt ist er rund 30'000 Kilometer pro Stunde schnell. Die Vorwarnzeit ist also eigentlich zu kurz, um Kampfjets aufsteigen zu lassen. Allerdings ist es seit den Tagen des Kalten Kriegs eine Hauptaufgabe der russischen Streitkräfte, anfliegende feindliche Raketen abzuschießen. Möglicherweise sind sie darin inzwischen so gut, dass sie auch Meteoriten zerstören können. Wenn ihnen dies gelungen wäre, würde mich das sehr beeindrucken.

Gewisse Quellen berichten, dass mehrere Objekte auf der Erde einschlugen. Ist das möglich? Wenn es sich um einen Steinmeteoriten gehandelt hat, ist das wahrscheinlich. Aufgrund der Reibung brechen sie beim Eintritt in die Atmosphäre meist auseinander und erzeugen ein sogenanntes Streufeld. Beim Aufschlag auf die Erde beträgt die Geschwindigkeit der Bruchstücke noch etwas über 200 Kilometer pro Stunde, da sie vom Luftwiderstand abgebremst werden. Anders sieht es bei großen Eisenmeteoriten aus. Diese Überstehen den Eintritt in die Atmosphäre in einem Stück und sind damit tendenziell größer, wobei die Größe von verschiedenen Faktoren wie Eintrittswinkel und Geometrie des Objekts abhängt. Solche Meteoriten fallen deutlich schneller auf die Erde, verursachen größere Schäden und hinterlassen einen Krater.

(L'essentiel Online/J.-C. Gerber)

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