Nach G7-Pleite

29. Mai 2017 08:19; Akt: 29.05.2017 08:30 Print

«Europa muss Schicksal in eigene Hand nehmen»

Mit Donald Trump ist auch beim G7-Gipfel nichts mehr wie vorher. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel macht ihrer Enttäuschung Luft und zieht ihre Konsequenzen.

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US-Präsident Donald Trump steht vor Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Familienfoto der G7-Staaten in Taormina auf Sizilien. (Bild: DPA/Michael Kappeler)

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Nach dem weitgehend gescheiterten G7-Gipfel von Taormina dringen führende deutsche Politiker auf eine engere Zusammenarbeit der europäischen Staaten. «Europa ist die Antwort. Eine stärkere Kooperation der europäischen Staaten auf allen Ebenen ist die Antwort an Donald Trump», sagte der SPD-Vorsitzende Martin Schulz dem ARD-Hauptstadtstudio.

Zuvor hatte schon Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärt: «Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen.» Bei einem Wahlkampfauftritt in München sagte sie zur Begründung: «Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei.» Merkel reagierte damit auf den G7-Gipfel, bei dem US-Präsident Trump die Gruppe der sieben großen Industrienationen (G7) mit seinem Konfrontationskurs in eine schwere Krise gestürzt hatte.

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, sagte in der ARD-Sendung «Bericht aus Berlin» zu den Beziehungen mit den USA: «Wir sind auf einem Tiefpunkt.» Das habe G7 nochmals deutlich gezeigt. «Da ist leider außer Spesen nichts gewesen.» Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, warf Trump vor, die weltweite Führungsrolle der USA aufs Spiel zu setzen. «US-Präsident Trump hat sich im Kreis der G7 mit fehlerhaften Analysen und fortwährender Wahlkampfrhetorik isoliert», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

«Neues Kapitel der US-europäischen Beziehungen»

Martin Schulz verlangte zudem eine entschiedenere Haltung Europas gegen Trump: «Gegen einen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, der ja andere demütigen will. Der ja im Stile eines autoritären Herrschers auftritt.» In den USA wurde Merkels Rede mit großer Aufmerksamkeit registriert. In den wichtigen Medien war sie eines der Aufmacherthemen und löste eine größere Debatte aus, die wiederum von einigen Kommentatoren als übertrieben bezeichnet wurde.

«Merkel schlägt ein neues Kapitel der US-europäischen Beziehungen auf», schrieb die «Washington Post» und bescheinigte der Kanzlerin «eine düstere Auslegung der transatlantischen Bindungen, die das Fundament der Sicherheit des Westens in Generationen seit dem Zweiten Weltkrieg waren». Merkel habe sich eindeutig gegen Trump gewandt, so das Blatt: «Sie hat ihn glasklar zurückgewiesen, ohne ihn ein einziges Mal beim Namen zu nennen.»

«Dank Trump hat Putin es geschafft.»

«Die Kanzlerin, Europas einflussreichste Anführerin, schaut bereits über Trump hinaus», schrieb die «New York Times». Erkennbar enttäuscht habe sie aus den Begegnungen beim G7-Gipfel geschlossen, dass die USA unter Trump ihrem Land und ihrem Kontinent nicht mehr der verlässliche Partner seien, an dem man sich früher wie automatisch orientiert habe.

Die Kolumnistin Anne Applebaum schrieb auf Twitter: «Seit 1945 haben erst die UdSSR und dann Russland versucht, einen Keil zwischen Deutschland und die USA zu treiben. Dank Trump hat Putin es geschafft.» Der New Yorker Medienwissenschaftler Jeff Jarvis kommentierte Merkels Ansprache auf Twitter: «Dieses ist eine bedeutende Rede in der Restrukturierung der Weltmächte. Wer bei Sinnen ist, muss ein starkes Europa unterstützen, um Russland zu kontern – und Trump.»

Viele Kommentare in sozialen Netzwerken verwiesen aber auch darauf, dass die Kanzlerin in einem Bierzelt gesprochen habe: Wer aus dieser Rede nun eine Neudefinition des transatlantischen Verhältnisses machen wolle, blase eine Wahlkampfrede unverhältnismäßig auf.

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gru am 29.05.2017 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Een Europa ouni Lëtzëbuerg ? Daat wir eng Katastrophe !!

  • Jos. am 29.05.2017 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Europa ohne Merkel wäre mal ein schöner Anfang.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gru am 29.05.2017 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Een Europa ouni Lëtzëbuerg ? Daat wir eng Katastrophe !!

  • Jos. am 29.05.2017 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Europa ohne Merkel wäre mal ein schöner Anfang.

    • Serge. am 29.05.2017 11:56 Report Diesen Beitrag melden

      Villeicht ein Europa mit Putin ? Nein Danke nicht für mich . Europa soll zu einer Entität werden damit Probleme gelöst werden kann andernfalls werden wir als Europäer gezwungen die Diktaten anderer zu gehorchen. Warum nicht mal umgekehr und mit Wille es geht .

    • DeKolopdeNap am 29.05.2017 12:24 Report Diesen Beitrag melden

      Erm,... vläit kann een ët besser maachen wéi d'USA an oder Russland? En Europa no engem vun deenen zwee Modeler wëll keen ausser Politiker an déi déi en Job an enger EU Institutioun hunn. Wann d'EU beweist datt se no de Bierger fir d'Eischt kuckt, no gesondem Wuelstand and déi blechen deet déi d'Suen hunn, da kann d'EU nom Vertrauen vu sénge Bierger froen. Ech perséinlech giff nie enger Institutioun esou large Befugnisser iwwert sou vill Leit an esou vill Terrain ginn. D'Geschicht beweist dat all grouss Zentralstruktur ineffikass ass an op d'Dauer meeschtens "Failed".

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