Gegen Verbot

08. September 2011 11:58; Akt: 08.09.2011 12:40 Print

Homosexuelle wollen auch zur Blutspende

LUXEMBURG – Das Rote Kreuz wirbt immer wieder um Blutspender, doch Homosexuelle müssen draußen bleiben. Sie fühlen sich ungerecht behandelt.

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Ob homo oder hetero, diese Frage sollte bei der Blutspende keine Rolle spielen, finden viele Homosexuelle. (Bild: DPA)

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«Kein Blut spenden zu dürfen, ist diskriminierend. Das drückt den Leuten den Stempel auf: ‚Du bist schwul‘», sagt Laurent Boquet, Vize-Präsident der Homosexuellen-Vereinigung Rosa Lëtzebuerg. «Auf der einen Seite werden Blutspender gesucht, auf der anderen Seite werden viele Menschen davon ausgeschlossen.»

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Ist es gerecht, Homosexuellen das Spenden von Blut zu verwehren?

Wie zahlreiche andere europäische Länder auch verbietet Luxemburg männlichen Homosexuellen das Spenden von Blut. Die Begründung: Sie gehören zu einer Risikogruppe. So erklärte das Rote Kreuz Luxemburg auf Anfrage von «L’essentiel Online», beim Analverkehr sei das Risiko, Geschlechtskrankheiten zu übertragen, 100 Mal höher als bei anderen Sexualpraktiken. Die Sicherheit der Menschen, die das Blut empfangen, gehe über alles.

Nicht nur Homosexuelle von Blutspende ausgeschlossen

Um dies zu gewährleisten, würden zahlreiche Maßnahmen wie Blutanalysen durchgeführt. Dazu gehöre auch, bestimmte Personengruppen von der Blutspende auszuschließen. «Derzeit dürfen 20 Prozent all jener, die gerne Blut spenden würden, dies nicht tun». Dazu gehören Homosexuelle, aber auch Diabetiker oder Menschen, die in den vergangenen sechs Monaten eine von Malaria betroffene Region bereist haben.

Im vergangenen Jahr infizierten sich mit dem HI-Virus in Luxemburg 27 Personen durch hetero- und 29 Personen durch homosexuelle Kontakte. Demnach ist dies scheinbar ausgeglichen, doch sind Menschen, die Partner des gleichen Geschlechts lieben, in der Bevölkerung unterrepräsentiert. «Genaue Zahlen für das Großherzogtum gibt es dazu nicht. In anderen europäischen Ländern gehen Schätzungen von einem Anteil zwischen sieben und zehn Prozent aus», erklärt Laurent Boquet, der nicht in Frage stellt, zu einer Risikogruppe zu gehören. «Es ist aber auch nicht so, dass Heteros das HI-Virus nicht übertragen würden».

Schnelltests sollen Lockerung bringen

Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo macht das Verbot nicht an der Homosexualität eines Spenders fest – die gesetzliche Regelung tut dies auch nicht – sondern generell am risikoreichen Sexualverhalten des Spenders. «Es geht nicht darum, Homosexuelle zu diskriminieren. Das Verständnis für ihre Gefühlslage zu diesem Thema ist da. Allerdings müssen wird die Sicherheit von Patienten höher ansiedeln als das Empfinden von Spendern», sagte er gegenüber «L’essentiel Online».

Eine Änderung der aktuellen Regelung stellt er in Aussicht, sobald verlässliche Schnelltests für die Diagnose des HI-Virus im Blut auf dem Markt sind. Nach Angaben des Roten Kreuzes kann eine solche Infektion derzeit frühestens 13 Tage nach der Ansteckung nachgewiesen werden. Ein kleines Restrisiko, dass in jener Zeit ein Spender Blut abgibt, besteht demnach. Es soll durch einen Fragebogen reduziert werden, in dem ein Spender unter anderem Auskunft zu seiner Homo- oder Hetereosexualität geben muss. Italien ist schon weiter: Dort können Homosexuelle seit 2001 Blut spenden, wenn sie in den Vormonaten keine risikoreichen Sexualpraktiken ausgeübt haben.

Kerstin Smirr/L’essentiel Online

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