IS-Sturm

22. Mai 2015 16:26; Akt: 22.05.2015 16:35 Print

In Palmyra färben sich die Straßen rot

Einwohner der antiken Stadt müssen zusehen, wie IS-Schergen ihre Stadt erobern – und wie die Soldaten flüchten. Fazit: «Der IS gewinnt, weil wir zu schwach sind.»

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Lage in der syrischen Oasenstadt Palmyra ist dramatisch. Augenzeugen berichten, dass syrische Regierungssoldaten die Zivilbevölkerung schutzlos zurückgelassen hätten, als die Schergen der Terrormiiliz Islamischer Staat (IS) zum Sturm ansetzten.

Offiziere, so berichten Einwohner der «New York Times», hätten sich in den Obstgärten der Stadt verschanzt und seien bei der ersten Gelegenheit geflohen. Sie widersprechen damit der Version syrischer Medien, wonach die Regierungstruppen die Stadt erst verliessen, nachdem sie die meisten Zivilisten in Sicherheit gebracht hatten.

Straßen voller Blut

Die IS-Kämpfer hätten durch die Lautsprecher der Minarette dazu aufgerufen, «Soldaten oder Mitarbeiter der Regierung auszuliefern». Gleichzeitig hätten sie an die Bevölkerung Brot verteilt.

In den sozialen Medien veröffentlichen IS-Soldaten Bilder, die sie vor den Säulen der Kulturstätte zeigen, meldet der «Guardian». Andere Bilder zeigten Straßen, die von Blut rot gefärbt waren.

«Es gibt niemanden, der sie aufhält»

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, dass der IS in Palmyra mehrere Dutzend Menschen öffentlich hingerichtet habe. Einige der Opfer seien auch enthauptet worden, darunter Zivilisten und syrische Sicherheitskräfte. bereits zuvor hatten die IS-Schergen beim Vorrücken auf die Stadt knapp 50 Menschen getötet. «Es gibt dort niemanden mehr, der sie aufhält», sagte ein Sprecher der Beobachtungsstelle dem Guardian.

IS kontrolliert die Hälfte von Syrien

Palmyra fiel nur wenige Tage, nachdem der IS die irakische Stadt Ramadi erobert hatte. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldet weiter, dass der IS den letzten noch von Regierungstruppen gehaltenen Grenzübergang zum Irak eingenommen hat. Damit haben die Dschihadisten die Grenze zwischen Syrien und dem Irak unter ihre Kontrolle gebracht.

Mittlerweile kontrolliert der IS die Hälfte der Fläche Syriens, schreibt BBC. Allerdings handelt es sich bei den Gebieten, in denen die Miliz herrscht, zu großen Teilen um Wüste.

«Weil wir zu schwach sind»

«Der IS gewinnt nicht, weil er so stark ist, sondern weil wir zu schwach sind», sagte ein irakischer Soldat dem «Guardian». Er selber habe seinen Männern befohlen zu fliehen, als die IS-Kämpfer Ramadi überfielen.

Nach mehr als vier Jahren des Bürgerkriegs ist die syrische Armee geschwächt und kann kaum noch Widerstand gegen die Miliz leisten. Nachdem die Dschihadisten in Palmyra einrückten, habe ein Offizier im Hauptquartier angerufen und gesagt, «es ist aus», erzählt ein Soldat. Die Männer hätten keine Munition mehr gehabt.

Symbolisch und strategisch bedeutsam

Angaben aus Syrien können nur schwer verifiziert werden. Aufgrund der gefährlichen Lage in dem Land ist es westlichen Journalisten derzeit nicht möglich, aus der Zone zu berichten.

Die Eroberung Palmyras ist für den IS sowohl symbolisch als auch strategisch bedeutsam: Palmyra ist Unesco-Weltkulturerbe und eine der wichtigsten antiken Stätten im Nahen Osten. Die Oasenstadt liegt zudem im Zentrum des Landes – nur rund 200 Kilometer entfernt vom Großraum Damaskus.

(L'essentiel/kle)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.