Deutsche Studie

25. April 2014 15:01; Akt: 25.04.2014 17:41 Print

Ist Luxemburg der zukünftige Schuldenkönig?

Deutsche Forscher haben ausgerechnet, dass Luxemburg in Zukunft mehr Schulden machen wird als jedes andere EU-Land. Ein Finanzexperte kritisiert die Rechnung.

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Laut einer deutschen Studie wird sich Luxemburg in der Zukunft mehr verschulden als jedes andere EU-Land. (Bild: DPA)

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Ist Luxemburg der wahre Schuldensünder in Europa? Das behaupten zumindest deutsche Forscher. In einem Bericht von Focus.de wird eine Studie vorgestellt, die die Rechnung der EU zu der Verschuldung seiner Mitgliedsländer etwas anders macht, als man sie aus den Medien kennt.

Die bekannten Krisenstaaten sind Griechenland, Portugal, Italien oder Irland. Sie haben die meisten Schulden angesammelt. Doch diese Rechnung beziehe sich nur auf Vergangenheit und Gegenwart, argumentieren Bernd Raffelhüschen und Stefan Moog vom Forschungszentrum Generationenverträge gegenüber Focus.de. Relevant seien auch die Schulden, die die EU-Länder in Zukunft machen werden, die sogenannten «impliziten Schulden». Und da sei Luxemburg einsame Spitze. Die Rede ist von «Milliardenversprechen, die noch bezahlt werden müssen».

«Katastrophenstimmung»

«Das ist schon ein alter Hut. Solch eine Rechnung ist mit Vorsicht zu genießen», heißt es von Seiten der luxemburgischen Regierung. Sie verweist auf ein Interview, das der luxemburgische Finanzexperte und Präsident der Pensionskasse, Robert Kieffer, am 15. April dem Radiosender «Radio 100,7» gegeben hat. Er sagte, es gebe in solch einer Rechnung immer Variablen, die so verändert werden könnten, dass extreme Ergebnisse dabei herauskommen würden. So könne eine Katastrophenstimmung hervorgerufen werden. Es sei sehr schwierig, zuverlässige Prognosen für die Zukunft anzustellen. Solche Ergebnisse hätten zudem meistens einen politischen Hintergrund.

In einer Tabelle haben die Freiburger Forscher die «zukünftigen Haushaltsdefizite» Luxemburgs mit dem Wert 1162 beziffert. Deutschland hat in dieser Liste den Wert 73, Frankreich 359. Italien ist mit -53 das einzige Land, das laut der Prognose in der Zukunft Schulden abbauen wird.

Hohe Renten ein Hauptproblem

Im Vergleich dazu sei Luxemburg bei den gegenwärtigen Schulden (Wert 22) bestens gestellt. Lediglich Estland (10) und Bulgarien (19) sind geringer verschuldet. Addiert man nun die Schuldenwerte für Gegenwart und Zukunft, befindet sich das Großherzogtum bei 1268 Punkten auf Rang zwei hinter Irland (1268). Und steht damit auf dem Treppchen von Europas Schuldenkönigen. Luxemburgs Problem sei jedoch nicht die Vergangenheit - wie in Griechenland, Portugal, Italien oder Irland - sondern die Zukunft.

Die Gründe sind für die Forscher klar. «Luxemburg hat es bisher verpasst, mit Rentenreformen dem demografischen Wandel entgegenzuwirken und sich vorzubereiten», wird Stefan Mogg von Focus.de zitiert. Bert van Roosebeke, Fachbereichsleiter Finanzmarktregulierung am Zentrum für Europäische Politik, wird auf dem Online-Portal wie folgt zitiert: «Rentenversprechen sind klassischerweise der Hauptauslöser für eine hohe implizite Verschuldung. Und von Luxemburg ist ja bekannt, dass es dort luxuriöse Renten geben soll.»

Renten könnten wieder angepasst werden

Besonders problematisch sei dabei das Lebensmodell der Grenzgänger, die in Deutschland wohnen und in Luxemburg arbeiten, um dort von den hohen Renten zu profitieren. Daran müsse sich nach Meinung der Forscher etwas ändern.

Kieffer entgegnet in dem Radio-Interview, dass es ja nicht ausgeschlossen sei, das Rentengesetz zu ändern. Dies sei bereits 2012 mittels einer Rentenreform geschehen, nach der luxemburger Arbeitnehmer für das gleiche Geld drei Jahre länger arbeiten müssten. Falls die Renten irgendwann nicht mehr finanziert werden könnten, müssten die Gesetze wieder angepasst werden.

(jm/L'essentiel)

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