Attacke auf «New York Times»

31. Juli 2018 07:26; Akt: 31.07.2018 07:28 Print

Warum erneuert Trump den Krieg gegen Medien?

Die Tweet-Offensive des US-Präsidenten gegen die «New York Times» könnte mit dem anlaufenden Wahlkampf zu tun haben.

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Vielleicht stand am Sonntagmorgen das Frühstück nicht rechtzeitig bereit, jedenfalls konnte es der US-Präsident um 8 Uhr 30 nicht unterlassen, auf Twitter eine Breitseite gegen «Fake News» und insbesondere die «New York Times» abzufeuern.

Das Tweet lobte ein «sehr gutes und interessantes» Gespräch, das Trump mit dem «Times»-Verleger Arthur Sulzberger geführt hatte. Er habe über die «riesigen Mengen von Fake News» gesprochen und wie dadurch der Ausdruck «Feind des Volkes» entstanden sei. Das sei «traurig»:

Sulzberger hatte über das Treffen vom 20. Juli erst - wie verabredet - geschwiegen, meldete sich dann aber mit einer Replik zu Wort. Es sei ihm darum gegangen, Trump vor dessen «zunehmend gefährlicher Sprache» über die Presse zu warnen. Insbesondere der Ausdruck «enemy of the people» habe zu einem Anstieg der Drohungen gegen Journalisten geführt und könne in Gewalt münden, will Sulzberger dem Präsidenten gesagt haben.

Attacken gehen weiter

Doch Trump antwortete umgehend mit einer Serie weiterer Tweets gegen die Medien. Die Zeitungsindustrie liege «im Sterben», twitterte er. 90 Prozent der Berichterstattung über seine Regierung sei negativ, und die Medien seien mehrheitlich dem «Trump Derangement Syndrome» (Trump-Geistesverwirrung) erlegen.

Warum erneuert Trump den Krieg gegen die Medien, den er mit zunehmender Intensität führt, seit er sich 2015 zur Präsidentschaftskandidat entschloss? Es könnte sein, dass er auf eine Story in der «Times» vom Sonntag über seine Tochter Ivanka und ihren Mann Jared Kushner reagierte. Darin wurde erwähnt, dass zu einer Party der Tochter in Washington auch Verleger Sulzberger eingeladen war. Es ist sehr gut denkbar, dass Trump mit dem Tweet dem Eindruck zu verwischen suchte, zwischen ihm und der maßgeblichen US-Zeitung sei jetzt alles in Butter.

Konflikt wahlpolitisch erwünscht

Ein harmonisches Verhältnis zu den Medien wäre nämlich für Trumps Politik schädlich. Seine Fans haben die Kritik an den «Fake News» längst übernommen. In Trumps Reden vor zugeneigtem Publikum erntet Medienschelte immer johlenden Applaus. Daher die zweite Möglichkeit: Trump realisierte am Sonntag, dass genau hundert Tage später der US-Kongress neu gewählt wird - der Wahlkampf hat begonnen.

Es ist vorauszusehen, dass Trump in den nächsten Wochen die Attacken auf Medien verstärkt. Einen bisherigen Tiefpunkt erreichte die Medienschelte vergangene Woche, als er die CNN-Korrespondentin Kaitlan Collins temporär von der Berichterstattung im Weißen Haus ausschloss, weil sie vorher ungefragt unbequeme Fragen in den Raum gerufen hatte. In der für US-Präsidenten höchst unüblichen Medienkritik stehen an oberster Stelle CNN und die «Amazon Washington Post», wie Trump die Amazon-CEO Jeff Bezos gehörende Zeitung nennt.

Hungrig nach Applaus

Im Weißen Haus sind die Fernsehgeräte fast immer auf Fox News eingestellt. Für die Lektüre bedient sich Trump bei seinen Hausblättern der «New York Times», «New York Post» und dem «Wall Street Journal». Doch der nach Applaus hungrige Präsident konsumiert immer auch andere Newsquellen.

In Wahrheit bilden Trump und die Medien eine Symbiose, denn sie brauchen einander. Das Spiel funktioniert für beide Seiten: Der Präsident hängt von den Medien ab, aber auch diese brauchen ihn. Trump liefert Abonnenten und Einschaltquoten - egal ob mit positiver oder negativer Berichterstattung.

(L'essentiel)

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