Plastikvermüllte Meere

08. August 2018 07:08; Akt: 08.08.2018 07:12 Print

Was nützen Verbote, wenn andere sauen?

Um die Meere sauberer zu machen, will die EU Einweg-Plastik verbieten. Nur: Was bringt das, wenn die großen Plastik-Verschmutzer der Welt keine Entsorgungssysteme haben?

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Europa hat den Kampf gegen die schwimmenden Mülldeponien auf dem Meer aufgenommen. Die ersten Weichen für Verbote einer Reihe von Einweg-Plastikprodukten sind gestellt – oder mussten gestellt werden. Denn bis heute haben sich um die 150 Millionen Tonnen Kunststoff im Meer angesammelt. Pro Jahr kommen zwischen 5 und 13 Millionen Tonnen hinzu – zusätzlich zu den gefährlichen organischen Chemikalien wie Lösungsmittel, Pestizide oder Herbizide.

Laut der deutschen Industrievereinigung Kunststoffverpackungen stammt aber nur ein Prozent des Plastikmülls in den Meeren aus Europa, 80 Prozent dagegen aus Asien.

Vor der eigenen Tür kehren

Was bringen also alle EU-Maßnahmen, wenn die fünf größten Verschmutzer der Welt mit Plastik aus China, Indonesien, den Philippinen, Thailand und Vietnam kommen? «Es ist klar: Das Müllmanagement in diesen Ländern muss verbessert werden», sagt Bernhard Wehrli vom Departement für Umweltsystemwissenschaften der ETH Zürich.

Gleichzeitig muss Europa auch vor der eigenen Tür kehren: Es ist von Randmeeren umgeben, seine Länder sind hier die Hauptverschmutzer. Wehrli: «Es gibt also sehr wohl einen inhaltlichen Anreiz, dagegen etwas zu tun.»

Unser Plastikabfall wird importiert

Wir müssen uns bewusst sein, dass die EU ihren Plastikabfall noch immer in eben jene Länder exportiert, die es als Plastik-Hauptverschmutzer an den Pranger stellt. Erst kürzlich hat China ein Importverbot eingeführt und nimmt unseren Plastikmüll nicht mehr. Die Folge davon: In Ländern wie Thailand, Vietnam und Malaysia ist der Import sprunghaft angestiegen.

«Der Plastikmüll in Asien und Afrika scheint weit weg, hat aber sehr viel mit uns Industriestaaten zu tun», sagt Yves Zenger von Greenpeace Schweiz. So hätten die Konzerne, die nicht rezyklierbare Plastikverpackungen in Umlauf setzen, ihre Sitze in den Industrieländern. Dies, obwohl die teure Infrastruktur für Abfall-Management in den ärmeren Schwellenländern nicht realisierbar ist.»

Über 9000 Plastikteile vom Schweizer Konzern Nestlé

«Bei einer Strandsäuberungsaktion vor rund einem Jahr hat Greenpeace auf einem 1200 Quadratmeter großen Strandabschnitt der philippinischen Hauptstadt Manila 54.000 Stück Plastikmüll gefunden», so Zenger. «Der Strand war übersät mit Zahnbürsten, Verpackungen, PET-Flaschen, Shampooflaschen, Trinkhalmen und Plastiklöffeln.»

Man habe vor lauter Plastik den Sand darunter nicht mehr gesehen. «Und jetzt kommts: Über 9000 der gefundenen Plastikteile trugen das Label des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé. Auch Produkte von Weltfirmen wie Unilever und Procter & Gamble waren zahlreich vertreten.»

«Wie beim Papier-Recycling – es braucht Zeit»

Mit dem Plastikmüll-Importverbot Chinas hat der Druck auf die Industriestaaten zugenommen, eine Recycling-Strategie zu entwickeln. «Wir müssen ein umweltgerechtes Plastikmanagement, einen Markt für Plastik-Recycling sowie abbaubare Ersatzprodukte entwickeln», sagt Umweltwissenschaftler Wehrli. «Wir haben die beste Industrie- und Forschungskapazität weltweit. Doch wie einst beim Papier-Recycling braucht es Zeit, Methoden zu entwickeln, um Plastik – ein Wertstoff – am besten wieder nutzbar zu machen.»

(L'essentiel/gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Plastikdummy de luxe am 09.08.2018 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst profitieren u dann den Plastikmüll andern überlassen o die Schuld für den unverrottbaren Müll auf andere schieben oder die anderen Länder mit dem Plastik zukippen ... das sind bisher die politischen Bemühungen gegen den Plastikmüll vorzugehen ... aber der Plastik will einfach nicht verschwinden, egal wo wir ihn hinkippen, er bleibt u bleibt u bleibt ... es ist ja 'normal', dass wir für jeden kleinen Schluck Wasser eine Plastikflasche herstellen u dann wegschmeissen, wenn sie leer ist!??? die Frage stellt sich eher, ob wir noch normal sind u die Norm nicht endlich geändert werden muss!

  • Daweb am 08.08.2018 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eben an sou och mam co2 oder nox mehr puer männercher an der eu retten d’welt net och wa mer zu fouss ginn a kee plastik méi huelen well usa china indien und co maachen einfach weider ouni rücksicht

  • Plastikmüllmonster am 09.08.2018 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    wir sind diejenigen die sauen u das sollten wir uns zuerst alle eingestehn, sonst haben wir kein Recht,uns über die andern Versauer aufzuregen,wenn wir selber nichts tun, ausser noch mehr Profit auf umweltunverträglichen Sauerreien auszuhandeln, um die Umwelt u Natur zu belasten u rücksichtslos auszubeuten u andere Länder mit unserm Müll zuzukippen! Anstatt uns mit gephotoshopten gefälligen Selfies aufzugeilen, sollten wir mal einen Blick in die Wirklichkeit riskieren, dann sehen wir nicht gleich unsere dicke Nase, sondern können diese in den Dreck stecken, den wir machen u nicht sehen wollen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Plastikmüllmonster am 09.08.2018 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    wir sind diejenigen die sauen u das sollten wir uns zuerst alle eingestehn, sonst haben wir kein Recht,uns über die andern Versauer aufzuregen,wenn wir selber nichts tun, ausser noch mehr Profit auf umweltunverträglichen Sauerreien auszuhandeln, um die Umwelt u Natur zu belasten u rücksichtslos auszubeuten u andere Länder mit unserm Müll zuzukippen! Anstatt uns mit gephotoshopten gefälligen Selfies aufzugeilen, sollten wir mal einen Blick in die Wirklichkeit riskieren, dann sehen wir nicht gleich unsere dicke Nase, sondern können diese in den Dreck stecken, den wir machen u nicht sehen wollen!

  • Plastikdummy de luxe am 09.08.2018 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst profitieren u dann den Plastikmüll andern überlassen o die Schuld für den unverrottbaren Müll auf andere schieben oder die anderen Länder mit dem Plastik zukippen ... das sind bisher die politischen Bemühungen gegen den Plastikmüll vorzugehen ... aber der Plastik will einfach nicht verschwinden, egal wo wir ihn hinkippen, er bleibt u bleibt u bleibt ... es ist ja 'normal', dass wir für jeden kleinen Schluck Wasser eine Plastikflasche herstellen u dann wegschmeissen, wenn sie leer ist!??? die Frage stellt sich eher, ob wir noch normal sind u die Norm nicht endlich geändert werden muss!

  • Plastikdummy de luxe am 09.08.2018 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    wir hatten sehr viel Zeit für ein Plastikmanagement, aber Geldprofit, Phlegmatismus, Bequemlichkeit, bewusste Ignoranz u unsere Gabe der Verdrängung von Unbequemlichkeiten u Problemen auf die Umwelt haben uns dahin gebracht, wo wir jetzt sind u kein Plastikproduzent zeigt sich veranwortlich für die massive Verseuchung, da er die Verantwortung einfach auf den Konsumenten schiebt, der das Produkt gekauft hat! ... u sowieso sind die raren Hanfttaschenträger Schuld an der ganzen Plastikmisère, die jetzt sogenannte Drittweltländer überflutet, obwohl es nur eine Welt gibt! schandhaft u kriminell!

  • Daweb am 08.08.2018 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eben an sou och mam co2 oder nox mehr puer männercher an der eu retten d’welt net och wa mer zu fouss ginn a kee plastik méi huelen well usa china indien und co maachen einfach weider ouni rücksicht