Brandstifter?

23. August 2019 08:24; Akt: 23.08.2019 08:29 Print

Bolsonaro verdächtigt Landwirte

Landwirte könnten die verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet verursacht haben. Unterdessen wird der Ton zwischen Bolsonaro und Macron rauer.

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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat eingeräumt, dass die massiven Waldbrände im Amazonas möglicherweise illegal von Landwirten gelegt wurden. Zugleich verwahrte er sich aber gegen internationale Einmischung. Die Länder, die Geld an Brasilien zahlten, schickten es nicht aus Großzügigkeit, sagte er in einer Facebook-Sendung: «Sie schicken es mit dem Ziel, unsere Souveränität zu beschneiden.»

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Uno-Generalsekretär Antonio Guterres hatten zuvor auf Twitter ihre Sorgen wegen der Feuer zum Ausbruch gebracht, die in diesem Jahr so groß sind wie nie zuvor. Bolsonaro kritisierte Macron wegen dessen Äußerungen scharf. Er warf Macron am Donnerstag via Twitter eine «kolonialistische Mentalität» vor. Macron wolle beim G7-Gipfel in Biarritz über die Feuer sprechen, ohne dass die Länder der Amazonas-Region dabei seien.

Brände als «internationale Krise» bezeichnet

Der ultrarechte Präsident beschuldigte Macron zudem, eine «innere» Angelegenheit Brasiliens und anderer Staaten im Amazonasgebiet «instrumentalisieren» zu wollen, um «persönlichen politischen Profit» daraus zu schlagen. Macrons «sensationsgieriger Ton» trage nicht zur Lösung des Problems bei, schrieb Bolsonaro.

Der französische Präsident hatte die schweren Waldbrände im Amazonasgebiet am Donnerstag als «internationale Krise» bezeichnet. Er kündigte an, mit den anderen G7-Mitgliedern beim Gipfel in Biarritz am Wochenende «über diesen Notfall» zu sprechen.

Weltweite Erschütterung

Brasilianische Staatsanwälte wollen wegen der Brände Ermittlungen einleiten. Angesichts der zunehmenden Zerstörung des Urwaldes gehe es darum zu untersuchen, ob der Umweltschutz vernachlässigt worden sei, teilte die Strafverfolgungsbehörde mit. Weltweit kritisieren Umweltschützer die Abholzung des Regenwaldes, der auch als «Lunge der Welt» bezeichnet wird.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres äußerte Sorge angesichts der Brände. «Inmitten der globalen Klimakrise können wir es uns nicht leisten, einer wichtige Sauerstoffquelle und einem Ort der Biodiversität zu schaden», schrieb er im Onlinedienst Twitter.

Auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg zeigte sich betroffen. «Meine Gedanken sind bei den Betroffenen. Unser Krieg gegen die Natur muss ein Ende haben», twitterte sie.

Aus Sorge vor einem Übergreifen auf sein Staatsgebiet rief Peru wegen der Waldbrände im Amazonas-Gebiet sowie zahlreicher Feuer in Boliviens Wäldern den Notstand aus. Mehr als 200 Feuerwehrleute seien in Alarmbereitschaft versetzt worden und beobachteten «minütlich» die Lage in Brasilien und Bolivien, teilte Perus Nationale Behörde für Schutzgebiete (Sernanp) über Twitter mit.

Bolsonaro – ein Freund der Agrarindustrie

Die Zahl der Waldbrände in Brasilien ist in den ersten acht Monaten des Jahres drastisch angestiegen. Zwischen Januar und August gab es nach offiziellen Angaben 72.843 Waldbrände, die sich in den Bundesstaaten am Amazonas konzentrieren. 2018 waren es im gleichen Zeitraum 39.759 Brände.

Zudem nahm die Abholzung in Brasilien deutlich zu, wie aus einem Bericht des brasilianischen Weltraumforschungsinstituts INPE im Juni hervorging. Umweltschützer sehen darin den Grund für die Zunahme der Waldbrände in der Amazonas-Region. Der WWF wies darauf hin, dass die «Nutzung von Feuer» eine der «Techniken für Baumrodungen» sei.

Als Reaktion auf die verstärkte Rodung legten das Bundesumweltministerium sowie Norwegen die millionenschwere Förderung für Waldschutz- und Biodiversitätsprojekte in dem südamerikanischen Land auf Eis.

Bolsonaro hatte die INPE-Daten hingegen als Lügen bezeichnet und den Direktor des Instituts gefeuert. Brasiliens Präsident zweifelt den menschengemachten Klimawandel an und ist ein Freund der Agrarindustrie. Umweltschützer werfen ihm vor, mit seinen Aussagen gegen den Umweltschutz Holzfäller, Bergleute und Bauern zum Raubbau am Amazonaswald zu ermutigen.

(L'essentiel/roy/sda/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mel C am 23.08.2019 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    aber Hauptsache hier muss was fürs Klima getan werden auf Kosten der kleinen Bürger. Wann fängt der Rest der Welt mal an???

    einklappen einklappen
  • narzistische Idiokratie am 24.08.2019 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    die Menschheit frisst die Erde auf u tötet alle anderen Lebewesen ... die Erde wird daraufhin die vom Geldprofit verblödeten Menschen auffressen und die Lichter für ihn ausschalten! ...

  • Mr Crabs am 24.08.2019 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brasilien as verluer. Korruption, Kriminaliteit,Drogen an een faschist als President.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mr Crabs am 24.08.2019 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brasilien as verluer. Korruption, Kriminaliteit,Drogen an een faschist als President.

  • narzistische Idiokratie am 24.08.2019 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    die Menschheit frisst die Erde auf u tötet alle anderen Lebewesen ... die Erde wird daraufhin die vom Geldprofit verblödeten Menschen auffressen und die Lichter für ihn ausschalten! ...

  • Jules am 23.08.2019 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    firwaat keng Sanktionen géint Brasilien,wann daat Feier keen Accident war?Elo gin se herno nach do den Mais kaafen.De Mittal kéint och emol eppes dozu soen.

  • Knouter am 23.08.2019 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Erst kürzlich haben Amazonas-Indianer gegen eine grosse Öl-Firma gewonnen und somit viel Regenwald gerettet.. und jetzt brennt der Regendwald. Ein Schelm wer Böses denkt

  • Mel C am 23.08.2019 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    aber Hauptsache hier muss was fürs Klima getan werden auf Kosten der kleinen Bürger. Wann fängt der Rest der Welt mal an???

    • Knouter am 23.08.2019 10:52 Report Diesen Beitrag melden

      Etwas fürs Klima tun, sollte jeder, egal ob gross oder klein.

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