Zugriff auf 49 000 Akten

20. Januar 2012 12:25; Akt: 20.01.2012 14:31 Print

Datenschützer sieht den Staat in der Pflicht

LUXEMBURG – Die Datenschutzkommission prüft den Fall des Passwort-Klaus. Sie schließt nicht aus, dass auch andere staatliche Datenbanken schlecht gesichert sind.

storybild

Gérard Lommel wünscht sich, dass durch den Vorfall der Datenschutz mehr ins Bewusstsein der Verantwortlichen und der Behördenmitarbeiter rückt.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die nationale Datenschutzkommission wird überprüfen, welche Fehler dazu führten, dass ein Passwort-Dieb auf medizinische Informationen von knapp 49 000 Hobby-Sportlern in Luxemburg zugreifen konnte. Dies hat Präsident Gérard Lommel am Freitag gegenüber «L’essentiel Online» angekündigt. «Es ist kritisch, dass es genügte, ein Passwort zu kennen, um aus der Distanz an die Daten zu kommen.»

Umfrage
Haben Sie Angst, dass Ihre Daten, die bei staatlichen Behörden gespeichert sind, geklaut werden?

Die Datenbank des Service médico-sportif sei 2004 von der Datenschutzkommission bewilligt worden. Seit 2007 sei der Betreiber – und somit der Staat – aufgrund einer neuen gesetzlichen Regelung dafür verantwortlich, die Sicherheitsvorkehrungen regelmäßig zu verbessern. Bei 15 000 bis 20 000 existierenden Datenbanken in Luxemburg von Unternehmen und öffentlichen Institutionen sei es der Kommission nicht möglich, regelmäßig zu kontrollieren, ob dies auch umgesetzt wird. «Es steht uns frei, Stichproben zu nehmen. Das ist in diesem Fall nicht geschehen. Mit unserem Personalstab und angesichts unserer anderen Aufgaben können wir nicht alle Datenbanken überprüfen», sagte Lommel. Nach seinen Informationen sei bereits geplant gewesen, die Datenbank des Service médico-sportif in Sachen Sicherheit zu verbessern. Doch sei dies noch nicht umgesetzt.

Sind auch andere Datenbanken schlecht geschützt?

«Es ist nicht auszuschließen, dass auch andere staatliche Datenbanken nicht ausreichend geschützt sind. Wir werden die wichtigsten nun auch durchgehen», kündigte Lommel an. «Die Panne muss ein Auslöser sein für eine starke Verbesserung der Vorkehrungen im staatlichen Bereich.» Die Datenschutzkommission werde dabei den Verantwortlichen mit Ratschlägen zur Seite stehen. Die Überprüfung des Falls werde zu keinen finanziellen Sanktionen führen.

Lommel begrüßte die Ankündigung von Kommunikationsminister François Biltgen, jene Mitarbeiter zu schulen, die Datenbanken nutzen. «Die Frage ist aber auch, ob jene, die die Verantwortung tragen, den Datenschutz in ausreichender Weise berücksichtigen», sagte er. Lommel plädierte dafür, Stellen für Datenschutzbeauftragte in Behörden zu schaffen. Sie sollten es sich unter anderem zur Aufgabe machen, auf die Umsetzung der Richtlinien zu achten und Kollegen zu sensibilisieren.

Kerstin Smirr/L’essentiel Online

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.