Fall Tanja Gräff

13. Mai 2015 14:15; Akt: 13.05.2015 21:19 Print

«Es ist denkbar, dass sie den Sturz überlebt hat»

TRIER – «L’essentiel» hat mit dem Rechtsmediziner gesprochen, der Tanja Gräffs Überreste untersucht. Inzwischen steht fest: Der Schädel ist unbeschädigt.

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Die seit acht Jahren vermisste Trierer Studentin Tanja Gräff ist tot. Zu diesem Ergebnis kommt eine Zahnuntersuchung an der am Montag vor einer Felswand in Trier-Pallien gefundenen Frauenleiche. Die Polizei hat mehrfach erklärt, dass Gräff von einem 50 Meter hohen Felsen gestürzt ist. Das stimmt – allerdings fiel sie auf ein Plateau in 30 Metern Höhe. Wir gehen der Frage nach: Hätte die Studentin diesen 20 Meter tiefen Sturz überleben können? Sah sie womöglich sogar, wie sich Polizisten über ihr abseilten und nach ihr suchten – und konnte sich nicht bemerkbar machen?

Reinhard Urban vom rechtsmedizinischen Institut der Uniklinik Mainz leitet die Untersuchung der in Trier gefundenen Überreste. Er sagt: «Grundsätzlich ist denkbar, dass eine Person so einen Sturz überlebt.» Ob ein Mensch an einem Sturz sterbe oder nicht, hänge davon ab, auf was der Körper treffe. «Wenn man auf weiches Gebüsch fällt, dann hat man möglicherweise Verletzungen. Eventuell Verletzungen, die auf lange Sicht zum Tode führen – aber nicht direkt beim Aufschlag», erklärt der Experte.

Keine Verletzungen am Schädel

Aber: «An der Stelle, an der die Überreste gefunden wurden, gibt es nicht nur Gebüsch, sondern auch Bäume und Steine. Deshalb ist es auch möglich, dass der Sturz aus 20 Metern zum Tod geführt hat», sagt Urban. Ob die Rechtsmediziner jemals herausfinden können, ob Tanja Gräff noch lebte, ist fraglich. Allerhöchstens könnte man erkennen, ob die Möglichkeit theoretisch bestanden hat – und auch das nur «eventuell».

Die Untersuchung des Schädelknochens ist mittlerweile abgeschlossen – und die Spezialisten in Mainz haben daran keine Verletzung gefunden. Welche Konsequenzen hätte es für den Fall Gräff, wenn Tanja noch gelebt hätte, als die Suchmannschaften wenige Meter vor ihr standen – und sie nicht entdeckten? «Das ist schwierig zu sagen», sagt Detlef Böhm, der Anwalt der Mutter des Opfers.

«Man könnte allenfalls eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung machen. Aber strafrechtlich wird das keine Auswirkungen haben.» Böhm kann nicht verstehen, warum die Felsen damals nicht genauer abgesucht wurden. «In derselben Nacht stürzte noch eine andere Person von den Felsen – und überlebte schwer verletzt. Wieso hat man einen derart neuralgischen Punkt nicht genauer untersucht?» Dass das Terrain schwer zugänglich sei, lässt der Jurist nicht gelten: «Das ist ein Waldstück wie jedes andere auch.»

(Tobias Senzig/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klomp Marie-Christine am 13.05.2015 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Hätte sie durch Ihr Mobiltelefon nicht lokalisiert werden müssen? Hätte sie abgestürtzt sein können?

  • K1000 am 13.05.2015 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    «In derselben Nacht stürzte noch eine andere Person von den Felsen – und überlebte schwer verletzt. Wieso hat man einen derart neuralgischen Punkt nicht genauer untersucht?» Besser kann man den Sachverhallt nicht erklären. Darf man das bei der nächsten Geschwindigkeitkontrolle dem Polizisten unter die Nase reiben ??? Was ist wichtiger, Menschenleben oder Gesetze?

Die neusten Leser-Kommentare

  • K1000 am 13.05.2015 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    «In derselben Nacht stürzte noch eine andere Person von den Felsen – und überlebte schwer verletzt. Wieso hat man einen derart neuralgischen Punkt nicht genauer untersucht?» Besser kann man den Sachverhallt nicht erklären. Darf man das bei der nächsten Geschwindigkeitkontrolle dem Polizisten unter die Nase reiben ??? Was ist wichtiger, Menschenleben oder Gesetze?

  • Klomp Marie-Christine am 13.05.2015 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Hätte sie durch Ihr Mobiltelefon nicht lokalisiert werden müssen? Hätte sie abgestürtzt sein können?