Fruchtbarkeits-Studie

06. Juni 2014 08:50; Akt: 06.06.2014 08:57 Print

«Je mehr man kifft, desto eher ist man unfruchtbar»

Wer Vater werden will, sollte keine Joints rauchen: Kiffen verdoppelt das Risiko, unfruchtbar zu werden. Dies zeigt eine Studie. Der Grund: Die Samen sind selbst bekifft.

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Bei jungen kiffenden Männern verdoppelt sich das Risiko einer Unfruchtbarkeit. (Bild: AFP)

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Sie sind ein Mann und wollen Kinder? Hören Sie auf zu kiffen! Der Konsum von Cannabis könnte einen negativen Effekt auf Ihre Zeugungsfähigkeit haben. Dies zeigt eine neue Fruchtbarkeits-Studie, die am Donnerstag publiziert wurde.

Die Forscher der Universitäten Sheffield und Manchester haben sich mit dem Einfluss der Lebensweise eines Mannes auf die Qualität seiner Spermien auseinandergesetzt. Entgegen den bisherigen Annahmen haben Alkohol, Rauchen und das Tragen von engen Hosen keine Auswirkung auf die Samenproduktion. Der Cannabiskonsum hingegen verdoppelt das Risiko, dass Männer abnormale Samen produzieren. Durch den regelmäßigen Konsum von Marihuana verändert sich die Form und Grösse der Spermien, dies schmälert die Fruchtbarkeit des Mannes.

Der Hauptautor der Studie, Allan Pacey, sagt: «Wenn Sie ein Baby bekommen möchten, sollten Sie keine Joints mehr rauchen.» Der Erfolg werde zwar nicht über Nacht eintreten – es braucht drei Monate, um ein Spermium zu produzieren –, aber die Chance, Kinder zu zeugen, steige auf jeden Fall, wenn man auf Gras verzichte. «Wenn sie im August ein Kind zeugen wollen, müssen Sie im Juni aufhören zu kiffen», so Pacey. Wieso genau Cannabis den Spermien schadet, sei noch nicht klar.

«Das Spermium ist selbst bekifft»

Der Schweizer Fruchtbarkeitsexperte Christian Sigg kennt den Grund: Schuld seien Abbauprodukte im psychoaktiven Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol (THC). «Die Spermien müssen auf dem Weg zum Ei eine Reihe komplizierter Funktionen übernehmen und Schritte vollziehen. Das THC sorgt dafür, dass die Samen diese Funktionen nicht mehr richtig ausüben können und gewisse Schritte einfach auslassen. Das Spermium ist quasi selbst bekifft.»

In erster Linie werde die Beweglichkeit der Samen beeinträchtigt: «Das Timing wird gestört.» Denn Spermien müssten kurz bevor sie die Eizelle erreichten einen Sprint hinlegen, aufgrund des THCs spurteten sie quasi zu früh los und seien bereits ausgebrannt, bevor sie beim Ei ankommen. Eine Befruchtung sei somit nicht mehr möglich. «Das ist wie bei einem Marathonläufer, der zu früh zum Sprint ansetzt und dem die Puste schon vor der Ziellinie ausgeht», so Sigg. Auch die Qualität der Samen werde durch den Konsum von Cannabis beeinträchtigt, außerdem hätten kiffende Männer oft weniger Samenzellen als Nicht-Kiffer.

Männer jeden Alters sind betroffen

In seiner Praxis in Zürich-Oerlikon behandelt Sigg regelmäßig Patienten mit Kinderwunsch, die Cannabis rauchen. «Einige Prozente der Männer, die zu mir kommen, sind regelmäßige Kiffer. Diesen sage ich, sie müssten unbedingt damit aufhören, wenn sie wirklich Kinder wollten.»

Die Männer seien meist zwischen 25 und 40 Jahren alt, das Alter spiele aber bezüglich Schädigung grundsätzlich keine Rolle. Viel mehr gilt: «Je mehr ein Mann kifft, umso größer ist die Gefahr, dass er unfruchtbar wird.» Der Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und einem unerfüllten Kinderwunsch werde viel zu wenig thematisiert und gelte heute noch als Tabuthema, sagt Sigg. «Dies muss sich ändern.»

In vielen westlichen Ländern hat die Zahl an Männern mit Fruchtbarkeitsproblemen in den letzten Jahren zugenommen. Diese Entwicklung wird meist auf Umweltfaktoren zurückgeführt. In welchem Ausmaß der Cannabiskonsum diese Zahlen beeinflusst, ist nicht bekannt.

(Tanja Bircher/L'essentiel)

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