06. November 2014 10:11; Akt: 06.11.2014 11:01 Print

Journalisten enthüllen das «System Luxemburg»

LUXEMBURG - Internationale Konzerne sollen sich mit Unterstützung der luxemburgischen Regierung Milliarden an Steuergeldern ertrickst haben.

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Luxemburg soll internationalen Großkonzernen wie Amazon Steuerschlupflöcher geboten haben. (Bild: DPA)

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Eine Gruppe investigativer Journalisten hat sich durch über 28.000 Seiten geheimer Steuer-Dokumente aus Luxemburg gekämpft, um Licht ins Dunkle zu bringen. Laut Berichten von Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR geben die Dokumente Einblick in das «System Luxemburg». Demnach genehmigten die hiesigen Finanzbehörden in hunderten Fällen fragwürdige Steuerspar-Konstruktionen. Die Auswertung der Akten zeige, dass internationale Konzerne wie Amazon, Pepsi und FedEx mit Unterstützung der Luxemburger Regierung Steuerzahlungen in Milliardenhöhe vermeiden.

Monatelang haben über 80 Reporter aus 26 Ländern des «Internationalen Konsortiums investigativer Journalisten» (ICIJ) in Washington gemeinsam recherchiert. Aus Deutschland waren die oben genannten Medien an den Recherchen beteiligt.

Bettel: «Was Luxemburg gemacht hat, war okay»

Laut den Berichten zeigten die Dokumente, wie die Firmen in Luxemburg profitierten. Die Steuerbehörden genehmigten demnach komplizierte Finanzstrukturen, die das Beratungsunternehmen PwC zuvor entwickelt hatte. Manche Unternehmen hätten auf Gewinne teilweise weniger als ein Prozent Steuern gezahlt.

Die geleakten Daten stammen den Angaben nach vorwiegend aus den Jahren 2008 bis 2010 und fallen somit in die Amtszeit des damaligen Premierministers Jean-Claude Juncker. Der heutige EU-Kommissionspräsident kündigte an, sich in die Ermittlungen nicht einzumischen.

«Ich werde in den Fällen keinen Einfluss auf die Geschehnisse nehmen. Ich werde mein Amt nicht missbrauchen», sagte Juncker dem NDR. Der amtierende Premier, Xavier Bettel, verteidigt die Steuerpolitik. «Was Luxemburg gemacht hat, war okay», sagte er der Süddeutschen Zeitung. Luxemburg sei keine Steueroase: «Ich kann aber die Steuern nicht erhöhen, nur weil es dann meinen verschuldeten Nachbarländern besser geht», so der Premierminister.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mu Barack am 06.11.2014 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    "fragwürdig" ist doch nicht mit illegal gleichzusetzen und unnötige Ausgaben zu "vermeiden" ist doch für ein Unternehmen nichts neues und Pflicht ggü seinen Aktionären. Solange also nichts illegales passiert und alles rechtlich abgesegnet ist - ist es doch kein Problem der Unternehmen sondern eher der Gesetzgebung.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mu Barack am 06.11.2014 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    "fragwürdig" ist doch nicht mit illegal gleichzusetzen und unnötige Ausgaben zu "vermeiden" ist doch für ein Unternehmen nichts neues und Pflicht ggü seinen Aktionären. Solange also nichts illegales passiert und alles rechtlich abgesegnet ist - ist es doch kein Problem der Unternehmen sondern eher der Gesetzgebung.